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Germanistentag 1996



Bochum, 03.09.1996
Nr. 157

Wege zur Kultur: Von Liebe, Gewalt und OEkologie
Erstmals mit Lehrern aus den fuenf neuen Laendern
Germanistentag 1996: Neuorientierung des Deutschunterrichts


,Wege zur Kultur - Perspektiven fuer einen integrativen
Deutschunterricht" ist das zentrale Thema des Deutschen
Germanistentages 1996 in der RUB (29. September bis 2. Oktober
1996). Der Veranstalter, Prof. Dr. Harro Mueller-Michaels
(Literaturwissenschaft und Didaktik der Germanistik, Germanistisches
Institut der RUB), erwartet mehr als 1000 Deutschlehrerinnen und
Deutschlehrer aus allen Bundeslaendern, darunter auch - zum ersten
Mal nach der Vereinigung - zahlreiche Lehrer aus den neuen Laendern.

Neuorientierung statt Allerweltsfach

Die Neuorientierung des Deutschunterrichts ist bei diesem
Germanistentag angesagt. Von diesem Fach wurde immer wieder
erwartet, dass es helfend eingreift, wenn der Problemdruck in der
Gesellschaft zunimmt. So soll im Unterricht etwa, als Antwort auf
die erkennbare Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, das Thema
Gewalt behandelt und erziehend auf die Schueler eingewirkt werden.
Die Deutschlehrer haben sich lange gewehrt, den Unterricht zu einem
Allerweltsfach ausufern zu sehen, reichen doch die Stunden schon
kaum aus, um die eigentlichen Themen Grammatik, Schreiben, Rhetorik,
Literatur und Medien zu behandeln. 

Lebensvorbeitung mit ,heissen Themen"

Inzwischen haben aber immer mehr Lehrerinnen und Lehrer die
Herausforderung angenommen, im Deutschunterricht zentrale Themen der
Gesellschaft zu behandeln: Liebe, Konflikte, Gewalt, OEkologie,
Arbeit, Freizeit, Katastrophen oder Tod. Und dies auf eine Weise,
die Sprachfaehigkeit und UEberzeugungskraft entwickeln. Sowohl die
Lebensvorbereitung als auch die Wissenschaftspropaedeutik kann ihren
zentralen Ort im Deutschunterricht finden. 

Kultur und die Stellung der Germanistik in der Schule

Gegenstand des Deutschunterrichts ist nicht mehr Sprache und
Literatur allein, sondern zunehmend die gesamte Kultur. Soweit
Fragen beruehrt werden, die in anderen Faechern auf dem Stundenplan
stehen, bemuehen sich die Deutschlehrer um Integration der Themen
und Methoden zu groesseren zusammenhaengenden Projekten. Seit den
KMK-Beschluessen (Kultus-Minister-Konferenz) vom Dezember 1995 sind
jedoch Tendenzen erkennbar, den Deutschunterricht zugunsten anderer
geisteswissenschaftlicher Faecher in der gymnasialen Oberstufe zu
ersetzen. Die Konsequenzen waeren fatal, weil die behandelten
Probleme von den Formen ihrer sprachlichen Darstellung geloest
wuerden. Auch ueber die Stellung des Faches Deutsch in den
Schulformen wird deshalb zu streiten sein.

9 Sektionen, Workshops und Plenarvortraege

Die Probleme werden in neun Sektionen diskutiert, z.B.
Werteerziehung, Interkulturelle Konzepte, AEsthetische Erziehung,
Jugendkultur, Medienkultur oder die Frage der Noten und
Beurteilungen im integrativen Deutschunterricht. In Workshops werden
Modelle kultureller Praxis von Lehrern vorgestellt und mit den
Zuhoerern eroertert. Die Plenarvortraege behandeln grundsaetzliche
Fragen: Kultur als Lebensorientierung (Karl-Friedrich Geyer,
Bochum), Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft (Matthias
Luserke, Saarbruecken), Deutschunterricht in einer Medienkultur
(Jutta Wermke, Berlin). Den Eroeffnungsvortrag haelt der bekannte
Kulturphilosoph Wolfgang Welsch zum Thema ,Kultur im Umbruch. Und
der Deutschunterricht?"

Erich Loest liest in Bochum

In der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Kultusministerium,
der Schule und Hochschule wird die zentrale Frage gestellt, ob der
Deutschunterricht obligatorisch oder fakultativ sein soll. Im
Rahmenprogramm finden sich u.a. ein Theaterbesuch im Schauspielhaus
und eine Lesung von Erich Loest aus seinem Roman ,Nikolaikirche". 

Anmeldung und weitere Informationen

Anmeldungen sind ueber das Germanistische Institut der
Ruhr-Universitaet Bochum, 44780 Bochum, moeglich. Prof. Dr. Harro
Mueller-Michaels, Tel. 0234/700-2567, Fax: 0234/7094-721 


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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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