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Kolloquium fuer Hans Mommsen



Bochum, 27.06.1996
Nr. 116

Zwischen Wirtschaftsinteressen und Menschenrechten
Arbeiterbewegung vom Obrigkeitsstaat bis zur Demokratie
DGB-Vorsitzender D. Schulte beim Kolloquium für H. Mommsen


Das durchaus prekäre Verhältnis der deutschen Arbeiterbewegung zu
den Menschenrechten ist Thema des Kolloquiums ,Freiheit und
Sozialismus. Arbeiterbewegung und Menschenrechte" (Freitag,
5.7.1996, 13.30-19.00 Uhr, Musisches Zentrum der RUB), mit dem das
Rektorat und das Institut zur Erforschung der europäischen
Arbeiterbewegung der RUB (IGA) das langjährige Wirken des Initiators
und ersten Direktors des IGA,  Prof. em. Dr. Hans Mommsen, für das
Bochumer Institut würdigen. Auf Einladung von Prof. Dr. Klaus
Tenfelde (Leiter des IGA) diskutieren führende deutsche Historiker
über den Einfluß und die Rolle der Arbeiterbewegung bei der
Durchsetzung von Freiheits_ und Gleichheitsgrundsätzen, die heute
viele als selbstverständlich empfinden. Daß die Menschenrechtsfrage
für die Gewerkschaften weiterhin ein akutelles Thema ist, darauf
weist der abschließende Vortrag des DGB-Vorsitzenden Dieter Schulte
hin. Die Medien und die Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen.
Programm siehe unten.

Marx: Menschenrechte ,Verkleidung bürgerlicher Interessen"

Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 hatten sich die
Menschen- oder Grundrechte im deutschen Verfassungsrecht zunächst
nicht dauerhaft gegen die Rechtsauffassungen des deutschen
Idealismus und der historischen Rechtsschule durchsetzen können.
Obwohl Karl Marx die Menschenrechte frühzeitig als probate
Verkleidung bürgerlicher Interessen herabgewürdigt hatte, verstand
sich die sozialdemokratische deutsche Arbeiterbewegung seit ihren
Anfängen als der einzig legitime Wahrer der Freiheits- und
Gleichheitsforderungen. Entsprechend den Bedürfnissen der von ihr
vertretenen Arbeiter adaptierte die Bewegung den
Menschenrechtskatalog aus dem Revolutionszeitalter gegen Ende des
18. Jahrhunderts. Unter den Bedingungen des preußisch-deutschen
Obrigkeitsstaates hieß das, besonders diejenigen Menschenrechte
einzufordern, die der Staat noch verweigerte: das Versammlungs- und
Vereinigungsrecht, die Pressefreiheit, das Recht auf gleiche Bildung
und Erziehung. Die Gleichstellung der Frauen wurde ebenfalls von der
Arbeiterbewegung zeitweilig federführend vorangetrieben.

Von der Pressefreiheit bis zur Gleichstellung der Frau

Nach der Revolution 1918/19 wirkte sie entscheidend an der
Formulierung und rechtlichen Ausfüllung der ,sozialen" Grundrechte
der Weimarer Reichsverfassung mit. Dies gilt auch für die Bestimmung
von der Sozialbindung des Eigentums im Grundgesetz von 1949. Der
soziale Rechtsstaat der Gegenwart ist so auch im Grundrechtsbereich
in wesentlichen Teilen auf den Einfluß der Arbeiterbewegung
zurückzuführen.

Programm

13.30 Uhr, Begrüßung: Prof. Dr. Klaus Tenfelde (Leiter des IGA)
anschließend Podiumsdiskussion mit

Prof. Dr. Wolfgang Schieder (Universität Köln): Frühe deutsche
Arbeiterbewegung und Menschenrechte im Vormärz

Prof. Dr. Gerhard A. Ritter (Universität München): August Bebel,
Freiheit und Emanzipation. Menschenrechte und Arbeiterbewegung im
Kaiserreich

Prof. Dr. Joachim Rückert (Universität Frankfurt a.M.): Soziale
Grundrechte und Arbeitsbeziehungen in der Weimarer Reichsverfassung

Prof. em. Dr. Hans Mommsen (Ruhr-Universität Bochum): Widerstand und
Arbeiterschaft in Deutschland

Leitung der Podiumsdiskussion: Prof. em. Dr. Helga Grebing

16.30 Uhr, Begrüßung: Prof. Dr. Manfred Bormann (Rektor der
Ruhr-Universität); anschließend:

Dieter Schulte (Vorsitzender des DGB, Düsseldorf): ,Die deutschen
Gewerkschaften und die Menschenrechte"


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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