[ vorherige ][ nächste ][ Übersicht Pressemitteilungen ]

Erdwaerme als alternative Energie



Bochum, 24.06.1996
Nr. 111


Erdwaerme als alternative Energie
Gesteinsphysik - Vom Laborexperiment zur Nutzung
Festkolloquium zum 60. Geburtstag von Prof. Rummel


Eine bedeutende Rolle in der Energieversorgung koennte in wenigen
Jahren die Erdwaerme spielen. Den Bogen von der Grundlagenforschung
bis zur Praxisrelevanz spannt das internationale Festkolloquium
,Gesteinsphysik - Vom Laborexperiment zur Nutzung der Erdwaerme als
alternative Energie" (Donnerstag, 27. Juni 1996, 14 h,
Hoersaalzentrum Ost, HZO 80), zu dem das Institut fuer Geophysik der
RUB aus Anlass des 60. Geburtstages von Prof. Dr. Fritz Rummel
einlaedt. Waehrend des Kolloquiums berichten Kollegen und ehemalige
Mitarbeiter von Prof. Rummel aus den USA, aus Frankreich und aus
Deutschland ueber Themen, die von der Rheologie der Lithosphaere bis
zum europaeischen Pilotprojekt zur Nutzung der Erdwaerme reichen.
Die Medien sind herzlich willkomen. Programm siehe unten.

Bedeutung von Gesteinen

Physikalische Eigenschaften von Gesteinen, insbesondere Verformungs-
und Brucheigenschaften, bestimmen einerseits den Ablauf aller
geowissenschaftlichen Prozesse innerhalb der Erdkruste (so z.B. auch
den Entstehungsvorgang bei Erdbeben), andererseits sind sie
Eingangsparameter bei der Planung geotechnischer Bauwerke (Tunnel,
Bergwerke, Endlager) und Messgroessen fuer die Erschliessung von
tiefen Rohstofflagerstaetten, zu denen auch die Gewinnung von
Erdwaerme als alternativer Energiequelle zaehlt.

Von Thermalbaedern bis zum Hot-Dry-Rock

Erdwaerme aus Hydrothermal-Systemen wird heute zur Stromerzeugung
(8.000 MW) und fuer Heizzwecke und Prozesswaerme (ca. 20.000 MW)
weltweit in Gebieten mit besonderen geothermischen Voraussetzungen
des Untergrunds gewonnen. Thermalbaeder stellen vielerorts
Einrichtungen mit grosser sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung
dar. In der Schweiz und in den USA werden Erdwaermesonden im flachen
Untergrund zunehmend zur Raumheizung eingesetzt. Zusaetzlich stellt
heisses Krustengestein ein enormes Energiepotential dar; durch
Abkuehlung eines Kubikkilometers heissen Untergrunds (200oC, 5 - 6
km Tiefe) um 100oC koennte ein Kraftwerk mit einer Leistung von 30
MW fuer die Dauer von 30 Jahren betrieben und tausende von Wohnungen
beheizt werden. Zur Realisierung dieser Form der Erdwaermenutzung
entwickelten amerikanische Physiker das sog. Hot-Dry-Rock (HDR)
Konzept mit kuenstlicher Schaffung einer Waermeaustauschflaeche und
kuenstlicher Wasserzirkulation im undurchlaessigen trockenen heissen
Untergrund.

RUB und die Erdwaerme in Europa

In Europa wurden vor allem durch die Arbeitsgruppe von Prof. Rummel
am Institut fuer Geophysik der RUB in der Oberpfalz bei Falkenberg
Grundlagenversuche zur HDR-Forschung betrieben mit Frac- und
Zirkulationsexperimenten im flachen granitischen Untergrund bis
einige hundert Meter Tiefe. Sie lieferten wichtige Erkenntnisse
ueber natuerliche Kluftsysteme und deren Bedeutung fuer die
Fluid-Zirkulation im kristallinen Untergrund. Aufbauend auf diesen
Erfahrungen wurde 1987 das europaeische HDR-Projekt an der Lokation
Soultz-sous-ForÍts im Oberrheingraben im Elsass ca. 60 km noerdlich
von Strassburg in Angriff genommen. Dieses Projekt soll die
wirtschaftliche HDR-Nutzung im Oberrheingraben von Basel bis
Frankfurt nachweisen.

Zukunft der Erdwaerme

Es erfordert allerdings einen langen Atem, um von einer
prinzipiellen Feasibility-Studie zu einer praktischen Umsetzung zu
kommen. Die Entwicklung eines Kohlevorkommens erfordert ca. 1
Jahrzehnt, die Entwicklung der Kernkraft dauerte ein halbes
Jahrhundert, die Nutzung geothermischer Energie koennte in 50 Jahren
eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung spielen. Hierzu hat
die Arbeitsgruppe Rummel einen signifikanten Beitrag geleistet. In
Zukunft muss allerdings auch die Energieindustrie Engagement und
Vertrauen als Partner der Geophysik bei der Entwicklung dieser
Zukunftstechnologie zeigen.

Bochumer Pruefmaschinen

Mit Hilfe der seit 1970 an der RUB entwickelten servohydraulischen
Pruefmaschinen und Versuchssteuerung wurde fuer die Untersuchung von
physikalischen Eigenschaften von Gesteinen eine in den
Geowissenschaften einzigartige Palette von Testmoeglichkeiten
geschaffen. Sie erlauben insbesondere die Untersuchung von
Langzeitdeformations- und Bruchprozessen bei Umschliessungsdrucken
bis 4GPa und Temperaturen bis 1.200oC, die den Bedingungen bis 200
km Tiefe in der Lithosphaere entsprechen.


Programm

Begruessung, Prof. Dr. Hans-Peter Harjes (RUB)

Laudatio, Prof. Dr. Dr. h.c. Lothar Dresen (Dekan der Fakultaet fuer
Geowissenschaften der RUB)

Prof. Dr. Ch. Fairhurst, University of Minnesota, USA: Rock failure
in ,simple compression" - but it is not so simple. Reflections on
developments in understanding and assessment of rock strength over
the past 30 years

Dr. W. Mueller, DMT Essen: Numerische Modellverfahren in der
Geotechnik. Berufspraxis eines Geophysikers

Dr. E. Rybacki, GFZ Potsdam und Dipl.-Geophys. J. Renner, RUB: Zur
Rheologie der Lithosphaere - Beitraege aus Laborversuchen

Dr. J. Baumgaertner, Socomine-Frankreich und Dr. R. Jung, BGR
Hannover: Das Europaeische Hot-Dry-Rock Projekt in
Soultz-sous-Forets: Ergebnisse und Visionen




RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB