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4. Elbtunnelroehre - auch eine RUB-Angelegenheit



Bochum, 28.03.1996
Nr. 60

Hamburger Erde im Ruhrgebiet
Schwierige Bodenverhaeltnisse sind zu meistern
RUB-Ingenieure beraten beim Bau der vierten Elbtunnelroehre


Fluessiger durch Hamburg: Mit dem Bau der vierten Roehre begegnet
die Hansestadt den staendigen Staus vor dem Elbtunnel. Dieses
Vorhaben erfordert wegen schwieriger Bodenverhaeltnisse eine
besonders intensive Vorbereitung, um unangenehme UEberraschungen zu
vermeiden. Das Institut fuer Kanalisationstechnik (IKT,
Gelsenkirchen) an der Ruhr-Universitaet Bochum (Leitung: Prof. Dr.
Dietrich Stein), erforscht derzeit verschiedene Ortungsverfahren fuer
solch wechselnde Bodenverhaeltnisse und darin enthaltene Hindernisse
(z.B. Findlinge), die moeglicherweise erhebliche Probleme aufwerfen.
Als Ergebnis der umfangreichen Untersuchungen des IKT soll den
Tunnelbauern in Hamburg eine Methode praesentiert werden, die eine
rasche, kostenguenstige und sichere Durchoerterung der vorgesehenen
Strecke erlaubt.

Wechselnde Bodenarten

Der Untergrund Hamburgs repraesentiert einen Querschnitt von
Ablagerungen eines durch Kalt- und Warmzeiten gepraegten
Erdzeitalters, des Pleistozaens (Beginn vor ca. 1,8 Mio. Jahren).
Gletscher aus mindestens drei Vereisungszyklen ueberfuhren waehrend
dieser erdgeschichtlichen Epoche den Norden Deutschlands und
hinterliessen deutliche Spuren: von den Eismassen aufgeschobene
Moraenenkoerper, die sich in den aelteren tonigen Untergrund
einpraegten. Sie setzen sich aus fein zerriebenem, oft kalkhaltigem
Sediment mit eingelagerten grossen Geschiebebloecken ("Findlingen")
zusammen. Die Schmelzwasserstroeme der gegen Ende der Kaltzeit
zurueckweichenden Gletscher haben verzweigte und untereinander
verflochtene Rinnen in den vorpleistozaenen Untergrund und in die
Moraenenlandschaft geschnitten, in denen sich zumeist sehr sandige
Sedimente ablagerten. Die Vortriebsmaschine fuer den Tunnelbau wird
demnach auf wechselhafte Bodenzusammensetzungen treffen.

Zwischen Schluff und Sand

Das IKT testet die verschiedenen geophysikalischen Verfahren auf
ploetzliche Wechsel von einem bindigen Material (Schluff,
Geschiebelehm oder -mergel) zu einem nichtbindigen (Sand) sowie auf
vorhandene Geschiebebloecke. Entsprechend der durch Ortung
antizipierten Bedingungen muss dann die Arbeit unterbrochen und die
Vortriebsmaschine angemessen ausgeruestet werden. Je nach
Bodenzusammensetzung und Hindernisgroesse stehen unterschiedliche
Bohrkoepfe fuer die Vortriebsmaschine zur Verfuegung. Die
vorhersehende Baugrunderkundung ist zudem unverzichtbar, weil die
Vortriebsmaschine den Tunnel mit Hilfe einer Fluessigkeitsstuetzung
(Hydroschild) auffaehrt. Die Fluessigkeit verhindert das
unkontrollierte Hereinbrechen der unter hohem Porenwasserdruck
stehenden Sedimente unter der Elbe und erfordert daher eine
Anpassung an die jeweilige Bodenart. Diese Massnahme ist
erforderlich, da die lokalen Gegebenheiten die Tunnelbauer dazu
zwingen, die Elbe an einigen Stellen nur etwa neun Meter unter ihrer
Sohle zu durchoerten. 

Simulation im Massstab eins zu eins

Das Ende 1994 gegruendete IKT bietet beste Voraussetzungen fuer die
Vorbereitung eines solchen Projekts. Auf dem weltweit einzigartigen
Grossversuchsstand mit ca. 650 m3 Rauminhalt (6 x 6 x 18m)
erforschen die Mitarbeiter des Instituts demnaechst unterschiedliche
Ortungsverfahren, so z.B. seismische und geoelektrische Tomographie
oder die Ultraschallortung. Der Einbau von Originalsedimenten aus
dem Hamburger Raum in den Versuchsstand ermoeglicht eine Annaeherung
an die tatsaechlichen Verhaeltnisse auf der spaeteren Baustelle.

Einzigartiges Projekt

Der geplante Bau der vierten Elbtunnelroehre in Hamburg mit einem
Durchmesser von mehr als 14 Metern und einer Laenge von 2,6
Kilometern ist das derzeit groesste Projekt dieser Art weltweit. Auf
den fertigen Unterwassertunnel wird bei Hoechstwasserstand der Elbe
der Druck einer Wassersaeule von 50 m wirken. 

Weitere Informationen

Institut fuer Kanalisationstechnik - IKT, Dr. Sabine Cremer,
Postanschrift: Postfach 100943, 45809 Gelsenkirchen; Hausanschrift:
Exterbruch 1, 45886 Gelsenkirchen, Tel.: 0209/17806-22, Fax:
0209/17806-88




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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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