[ vorherige ][ nächste ][ Übersicht Pressemitteilungen ]

Mit "kontrollierten Herzinfarkt" gegen Herzverdickung



Bochum, 22.01.1996
Nr. 16

Sechs Patienten an einem Tag erfolgreich operiert
Erstmals neue Katheterbehandlung gegen Herzverdickung
Herzzentrum Bad Oyenhausen erweitert Methodenspektrum


Mit einer neuen Form der Katheterbehandlung wurden sechs Patienten
an einem Tag (17. Januar 1996) an der Verdickung des Herzens in der
Kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrums -
Universitaetsklinik der Ruhr-Universitaet Bochum - in Bad Oyenhausen
erfolgreich behandelt. Wie der Direktor der Kardiologischen Klinik,
Prof. Dr. Ulrich Gleichmann, nach der Behandlung mitteilte, scheint
das neue Verfahren der Kathetertherapie (SIGWART Procedure) gegen
die hypertrophe obstruktive Kardiomyophatie (HOCM) eine echte
Alternative zur Operation zu sein: Sie kann mit viel geringerem
Aufwand ohne Einsatz der Herzlungenmaschine (mit gleichzeitiger
Brustkorb- und Herzoeffnung) zum gleichartigen Ergebnis fuehren. Die
neue Methode ist eine Bereicherung der interventiven Kardiologie und
ein vielversprechendes Verfahren fuer viele Patienten, insbesondere
fuer solche, die bisher vor einer Operation zurueckgescheut haben.
Die Behandlung der sechs Patienten erfolgte in enger Zusammenarbeit
mit dem Erstbeschreiber der Methode, Prof. Dr. Urlich Siegwart
(Bromton Hospital, London).

Von Herzrhythmusstoerungen bis ploetzlichem Herztod

Kennzeichen der hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) ist
eine Verdickung der Herzwaende, insbesondere der Kammerscheidewand,
mit dynamischer Einengung der Ausflussbahn der linken Kammer vor.
Die linke Herzkammer kann nur mit erhoehtem Druck den durch den
Muskelring am Ausgang erzeugten Widerstand ueberwinden, um Blut in
die Hauptschlagader zu foerdern. Moegliche Krankheitsfolgen sind
weitere Verdickung der Herzwaende, Eintreten einer
Herzmuskelschwaeche, das Auftreten von Herzrhythmusstoerungen,
ploetzlicher Herztod sowie Schmerzen und Druckgefuehl in der Brust
(Angina pectoris). Diese Herzerkrankung wurde 1962 erstmals von
Braunwald beschrieben; sie ist meist angeboren und nur selten
erworben.

Bisherige Behandlungsmethoden

Bisher behandelten die AErzte die HOCM medikamentoes mit
Betablockern und Kalziumantagonisten, oder sie operierten die
Patienten und entnahmen ihnen dabei  Herzmuskelgewebe aus der
Kammerscheidewand. Alternativ wurden auch moderne
Doppelkammerschrittmachersysteme eingepflanzt. 

Erfolg mit ,kontrolliertem Herzinfarkt" ...

Seit Ende 1995 ist die Katheterbehandlung (SIGWART Procedure)
bekannt. Dabei  fuehren die AErzte einen kleinen, umschriebenen und
unter kontrollierten Bedingungen ablaufenden Herzinfarkt durch
Katheterverschluss eines kleinen Seitenastes (Septalast) der linken
Herzkranzarterie herbei. Sie erzielen dadurch eine aehnliche
Wirkung, wie bei der Entnahme von Herzmuskelgewebe durch eine
Operation, die bisher die besten Langzeiterfolgen gebracht hat. Die
Katheterbehandlung (SIGWART Procedure) hat sich bisher an einem
kleinen Kollektiv von 10 Patienten als sicher und effektiv erwiesen.
Es bestehen jedoch noch keine groesseren Erfahrungen und keine
Langzeiterfahrungen.

... nach Punktion und Verschluss

Diese Methode wurde jetzt erstmals auch in der Kardiologischen
Klinik der RUB im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen
unter Leitung von Prof. Dr. Gleichmann an sechs Patienten
erfolgreich angewandt. Wie bei einer Herzkatheteruntersuchung
erfolgen unter oertlicher Betaeubung im Bereich der linken oder
rechten Leiste eine venoese und und arterielle Punktion. Zusaetzlich
wird von der rechten Leiste (Vene) eine transseptale Punktion der
Vorhofscheidewand vorgenommen. AEhnlich der Katheterbehandlung von
Herzkranzgefaesseinengungen sondieren AErzte ueber einen
Fuehrungskatheter das zu verschliessende Koronargefaess (Septalast)
mit einem duennen Fuehrungsdraht. Anschliessend fuehren sie einen
speziellen Ballonkatheter in das Koronargefaess vor. Nach
mehrminuetigem Verschluss des Septalastes durch Ausdehnung des
Ballonkatheters kontrollieren sie, ob hierdurch eine Verbesserung
des Krankheitsbildes (Senkung des Druckunterschiedes im Bereich der
linken Herzkammer im Vergleich zur Hauptschlagader) erzielt werden
kann. Wenn dies der Fall ist, wird der Septalast mittels Injektion
einer geringen Menge von 96 %igem Alkohol dauerhaft verschlossen.
Hierdurch kommt es dann, vergleichbar mit dem operativen Eingriff,
zu einem umschriebenen Herzinfarkt. Waehrend der Behandlung kann ein
Druckgefuehl (Angina pectoris) in der Brust auftreten. Der Eingriff
wird durch die Gabe von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung
und zur Behandlung der Angina pectoris begleitet.

Patienten wohlauf

Bei allen sechs Patienten (vier Maenner und zwei Frauen) war die
Behandlung erfolgreich. Zwei Patienten waren wegen der gleichen
Erkrankung mit nur maessig dauerhaftem Erfolg voroperiert worden.
Die Druckdifferenz zwischen der linken Kammer und der Aorta konnte
von 58 +/- 21 auf 13 +/- 11 herabgesetzt werden. Viermal kam es (wie
bei einer Operation) zum Auftreten einer voruebergehenden
Reizleitungsstoerung (totaler AV-Block). Die Patienten werden
sorgfaeltig nachuntersucht und verfolgt.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ulrich Gleichmann, Direktor der Kardiologischen Klinik im
Herz- und Diabeteszentrum NRW - Universitaetsklinik der
Ruhr-Universitaet Bochum - Georgstrasse 11, 32503 Bad Oeynhausen,
Tel. 05731/97-1275, Fax. 05731/97-1286




RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB