Nora Henn, M.A.

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Dissertationsprojekt

Das Individuum ist zunehmend eingebettet in technologische Architekturen zur Datenextraktion und -analyse, die in Form smarter Technologien bis in die intime tägliche Lebenswelt hineinreichen. In meinem Dissertationsprojekt analysiere ich, inwieweit diesen Strukturen systemische Bedeutung zukommt und systemische Anreizstrukturen zu einer Intensivierung der Praktiken der Datenextraktion, Verhaltensprognose und behavioralen Modifizierung beitragen. Eine wichtige Frage ist, inwiefern architektonisch manifestierte Werte wie Transparenz, Vorhersagbarkeit und Kalkulierbarkeit mit der Privatheit und Autonomie des Individuums konfligieren und diese bedrohen können.
Klassische liberale Theorien betonen das Primat der frei zugänglichen Information und der Informationstransparenz als Mittel zur Optimierung individueller Entscheidungen des rationalen Subjekts: Die Diskussionen um Privatheit und personelle Autonomie beziehen sich vornehmlich auf Werte wie Wahl- und Entscheidungsfreiheit, Redefreiheit und freie Meinungsäußerung. In meinem Dissertationsprojekt erweitere ich den liberalen Ansatz, um eine größere Vielfalt an Risiken zu umfassen, die das Datensubjekt betreffen. Anstatt den Rational Choice Gedanken in den Vordergrund zu stellen, erarbeite ich die funktionale Bedeutung der Privatheit anhand eines Konzepts sinnstiftender Handlungsfähigkeit, die für die Praktizierung narrativer Autonomie in einer vernetzten Informationsgesellschaft konstitutiv ist. Damit will ich zeigen, inwiefern ein autonomes Subjekt auf bestimmte Bedingungen wie Privatheit, Unbestimmtheit und Undurchdringbarkeit angewiesen ist – Konzepte, die mit der systemischen Extraktionslogik in Konflikt stehen.