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Dr. Michael Kerschner
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Mit diesen Zeilen besingt der Dichter Kallimachos im 3. Jh. v. Chr. ein Ereignis, das zu seiner Zeit bereits mehr als 7 Jahrhunderte zurücklag: die Gründung der griechischen Ansiedlung in Milet durch ionische Kolonisten. Deren Anführer, der attische Königssohn Neleus, soll ein hölzernes Kultbild (Xoanon) der Artemis mitgeführt haben. Der Beiname “Kithone” bezieht sich auf den Ritus der Gewandweihung an die Göttin. Der Chiton (milesisch “Kithon”) ist ein direkt am Körper getragenes, hemdartiges Kleidungsstück der Griechen. Der Gründerheros Neleus und Artemis Kithone wurden mit dem Fest der Neleïs gemeinsam geehrt. Die Lokalisierung des überlieferten Heiligtums auf der östlichen Vorterrasse des Kalabaktepe (1) im Südteil der ummauerten archaischen Stadt gelang 1995 dank der Wiederauffindung der alten Grabungstagebücher. Am 28. April 1906 entdeckte Arnold von Salis am Nordaufgang zur Ostterrasse ein marmornes Reinigungsbecken (Perirhanterion) mit der Inschrift: “Ich gehöre der Artemis Kithone”.
Funde von marmornen Reliefs und einer Korenstatue (2), die sich heute im Berliner Perga-monmuseum befinden, lassen sich ebenfalls dem Artemisheiligtum zuordnen. Auf das Vorhandensein eines Tempels weist die reichor-namentierte Sima (Traufleiste) eines spätarchaischen Tondaches. Bei Nachgra-bungen wurden 1995 die aus Tuffquadern geschichteten Fundamente eines ca. 10 x 18 m großen, ostwestorientierten Baues (3) gefunden, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um den archaischen Tempel der Artemis handelt. Dieser wurde nach der Eroberung Milets durch die
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