Doing Globalization – At Home. Ständische Lebensführung als frühmoderne Verflechtungspraxis im deutsch-britischen Vergleich

Die moderne Globalisierung ist machtvoll – ihre Auswirkungen sind spätestens seit dem 18. Jahrhundert unübersehbar. Grenzüberschreitende Verflechtungen standen zwar lange Zeit nicht im Fokus der Geschichtswissenschaft, inzwischen ist aber weitgehend anerkannt, „dass alle lokalen, nationalen und regionalen Geschichten in wichtiger Hinsicht Globalgeschichten sein müssen“ (Christopher A. Bayly, Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780-1914, Frankfurt a. M./New York 2006, 14). Vergessen wird jedoch oft, dass Globalisierung nicht nur machtvoll ist, sondern auch gemacht – menschengemacht. Da aber Menschen immer an konkreten Orten handeln, gilt die Forderung auch umgekehrt: Jede Globalgeschichte muss auch eine Geschichte lokaler Praxis sein, eine Geschichte der Organisator*innen des Verflechtungsgeschehens. Solche Geschichten werden zwar geschrieben, sind dann aber oft differenzierungstheoretisch ausgerichtet, so dass die Akteure ebenso eindeutig wie einseitig als Kaufleute, Politiker oder Wissenschaftler beschrieben werden. Aus frühneuzeitlicher Perspektive wird man damit allerdings der spezifischen Eigenlogik der ständischen Lebensführung nicht gerecht. Daher ist ein neuer Blick darauf angezeigt, wie lokale Akteure im Rahmen ihrer sozialen Praxis trans-lokale Verflechtungen wahrnahmen, kombinierten und selbst hervorbrachten, wie sie vor Ort globalisierten und globalisiert wurden.