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Prof. Dr. Beate Ego

Biographische Rahmendaten: Frau Ego forscht und lehrt seit Oktober 2010 an der RUB.           

Motto für Forschung und Lehre: Keep cool and carry on!

Julia Bandow

Interview mit Beate Ego

Sie sind Professorin in der Evangelisch-Theologischen Fakultät am Lehrstuhl für Exegese und Theologie des Alten Testaments – worum geht es bei Ihrer Arbeit?
Meine Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Schriften der Hebräischen Bibel oder, wenn man die christliche Terminologie benutzen möchte,  mit den verschiedenen Schriften des Alten Testaments. Ich interessiere mich dabei für ganz unterschiedliche Dinge: für die Entstehungsgeschichte dieser Texte, für die historischen Hintergründe und natürlich auch für deren theologischen und religionsgeschichtlichen Inhalte. Außerdem frage ich nach ihrer Bedeutung für die jüdische bzw. für die christliche Tradition, weil diese Überlieferung auf der einen Seite die heilige Schrift des Judentums und zum anderen auch der erste Teil der Heiligen Schrift des Christentums ist. Mein spezielles Forschungsinteresse liegt in der sogenannten Spätzeit des Alten Testaments, das heißt in der hellenistischen Zeit, als das frühe Judentum in den ersten drei vorchristlichen Jahrhunderten in einem ganz intensiven Kultur- und Religionskontakt mit der griechischen Welt stand. Damals musste es auf unterschiedliche Art und Weise über seine Identität reflektieren und zum Teil auch seine Identität in eine ganz neue Richtung entwickeln.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?
Was mich bis heute fasziniert, ist das Wechselspiel von Nähe und Ferne. Einerseits beschäftige ich mich mit Zeugnissen längst vergangener Zeiten und damit nähere ich mich immer mehr auch einer Kultur an, die sowas ist wie ein ganz fremder Kontinent, ich entdecke etwas ganz Fremdes; andererseits steht diese an den Wurzeln unserer eigenen Kultur und unserer eigenen Religion, weshalb sich auch immer einzelne Elemente finden, die ganz unmittelbar Fragen unserer heutigen Existenz betreffen.

Haben Sie bereits während des Studiums eine akademische Karriere geplant?
Nein, auf die Idee, Professorin zu werden, bin ich gar nicht gekommen. Allerdings hatte ich einen Traum: Ich wollte promovieren und dies mit einem Forschungsaufenthalt in Jerusalem verbinden.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
Ich habe Germanistik und Theologie auf Lehramt studiert und hätte nach dem Studium Gymnasiallehrerin werden oder in einem Verlag arbeiten können.

Sie haben einige Zeit im Ausland verbracht. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre akademische Karriere in Deutschland weiter zu verfolgen?
Ich war sowohl während des Studiums als auch während der Promotion jeweils ein Jahr in Jerusalem. Während des Studiums bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, um mein Studium abschließen zu können; während der Promotion war ich mit einem zeitlich befristeten DAAD-Stipendium in Jerusalem, so dass eine Rückkehr von vornherein vorgesehen war. Es hat natürlich auch inhaltliche Gründe, denn die Weitergabe meines Wissens gehört für mich aus verschiedenen Gründen in einen deutschen Kontext. 

Karriere und Familie – wie bringt man das unter einen Hut?
Da mein Fach sehr zeitintensiv ist, mache ich mir keine großen Illusionen bezüglich der Work-Life-Balance, es bleibt wenig Zeit für Freizeitaktivitäten im herkömmlichen Sinn. Die Fachinhalte sind jedoch sehr erfüllend, zudem sind die Grenzen zwischen privaten Interessen und der Arbeit fließend. Insgesamt ist die Situation somit erträglich. 

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Meine beiden Kinder spielen eine ganz große Rolle; es war mir immer schon wichtig, sie zu begleiten. Außerdem gehe ich gerne mit meinem Mann spazieren, jogge, höre englische und hebräische Hörbücher und treffe Freunde.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?
Das Vorurteil, die Universität Bochum sei eine Beton- und Pendleruni, ist weit verbreitet. Meine Reaktion ist dann jedes Mal, dass dies so nicht stimmt. Als Rektorin würde ich als erstes versuchen, diesem Image entgegenzuwirken, beispielsweise durch Veränderungen im Bereich des studentischen Lebens.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen – was möchten Sie dann erreicht haben?
In den nächsten Monaten werde einige die Ideen zu wichtigen Forschungsfragen ausarbeiten; in zehn Jahren habe ich die Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Meine Forschungen werde ich in den nächsten Jahren auf den internationalen Bereich ausweiten und neue Kooperationen eingehen.

1. Februar 2012