Lernen und arbeiten an der Uni
Was ist im Vergleich zur Schule anders?

Die meisten StudienanfängerInnen kommen direkt nach
der Schule (bzw. Ersatzdienst oder Militärzeit) zur Universität.
Viele haben sich ausgiebige Gedanken zu ihrer Fächerwahl
gemacht, Bekannte nach ihren Erfahrungen gefragt und eventuell
sogar die Uni besichtigt.
Was passiert eigentlich an der Uni?
Auf den ersten Blick wirkt eine Uni wie eine Schule mit viel mehr SchülerInnen und der Möglichkeit, sich nur auf ganz wenige Unterrichtsfächer zu beschränken und diese auch noch frei relativ wählen zu können (mal abgesehen von den Zulassungsbeschränkungen). Trotzdem ist der Alltag des Studiums kaum jemandem bekannt, der ihn nicht selber durchlaufen hat. Und als erstes stellt man fest, dass es einige wichtige Unterschiede zwischen der Schule und der Uni gibt. Die wichtigsten Unterschiede sollen an dieser Stelle kurz beschrieben werden. Genau genommen sind es die Unterschiede zwischen der Schule und Ihrem Fach / Ihren Fächern, denn auch innerhalb der Uni gibt es Unterschiede zwischen den Fakultäten.
Frei wählbarer Stundenplan?
Im Gegensatz zur Schule bekommen Sie an vielen Fakultäten
keinen vorgefertigten Stundenplan. Diesen Stundenplan erstellen
Sie sich selber jedes Semester neu. Fast alle Studienfächer
geben jedoch mehr oder weniger verbindliche Stundenplan-Empfehlungen heraus, besonders für den Bachelor-Studiengang und das
1. Fachsemester.
Dies ist Neuland und zu Beginn des Studiums oft mit Problemen
verbunden, weil man nicht weiß, worauf man bei der Erstellung
eigentlich achten muss. Dafür gibt es im ersten Semester Hilfestellung in der Ersti-Woche und durch die Studienberatung
und die Tutorinnen und Tutoren. Diese Tutorien
finden entweder vor Vorlesungsbeginn Anfang Oktober oder in
der ersten Vorlesungswoche statt. Die Termine erhalten Sie
bei der Einschreibung und auf unserer Internet-Seite.
In den darauf folgenden Semestern ist der Stundenplan erfahrungsgemäß
kein Problem mehr.
Keine Klassen/ Jahrgangsstufen
Im Gegensatz zur Schule gibt es in der Regel keinen festen Stamm von Studierenden, z.B. durch die Bildung von Klassen oder Jahrgangsstufen. Es kann sogar passieren, dass Sie andere KommilitonInnen (= Mitstudierenden), die ihr Studium im gleichen Semester beginnen, nie wieder treffen werden. Erfahrungsgemäß sieht man allerdings, bedingt durch die Organisation des Stundenplanes, einige Gesichter häufiger.
Arbeitsgruppen bilden
Als Ersatz bietet es sich sehr an, mit diesen KommilitonInnen Arbeitsgruppen zu bilden und eine Veranstaltung oder ganze Semester gemeinsam zu bewältigen. Erste Kontakte zu möglichen Kommilitonen, mit denen Sie Arbeitsgruppen bilden können, werden Sie in den Orientierungstutorien zum Studienbeginn knüpfen können. Sie dienen auch dazu, interessante Mitstudierende kennen zu lernen, mit denen Sie gut zusammen arbeiten können.
Keine "Klassenlehrer"
In vielen Fächern bekommen Sie auch keinen Klassenlehrer oder "Stufenleiter". Einige Fakultäten haben jedoch ein Mentoren-System etabliert, das jedem Studierenden zu Studienbeginn einen Ansprechpartner zuweist. Allerdings haben alle Studienfächer spezielle Beraterinnen und Berater für die Studierenden, die Studienfachberater. Diese Beraterinnen und Berater können Sie gern im Laufe Ihres Studiums nutzen. Die Kontaktdaten finden Sie in unseren Studieninformationen zu jedem Fach.
Veranstaltungsformen
Vorlesung
Die klassische Veranstaltungsform an einer Universität
ist die allseits bekannte Vorlesung.
In einem Hörsaal mit vielen Sitzreihen referiert ein
Hochschullehrer (Professor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter...)
zu einem im Vorlesungsverzeichnis definierten
und beschriebenen Thema. Die Studierenden erhalten in der
Regel Unterlagen und Literaturlisten zum Thema, hören
zu und schreiben alles Wichtige mit. In der Regel können
die Inhalte auch in den dazu gehörenden Lehrbüchern
nachgelesen werden, aber oft werden in Vorlesungen auch die neuesten Forschungsergebnisse mitgeteilt,
die noch in keinem Lehrbuch zu finden sind. Auch diese Inhalte
können prüfungsrelevant sein.
Seminar, Übung, Kleingruppe
Vorlesungen haben immer noch eine große Bedeutung,
sehr viel Wissen wird aber in Seminaren und Übungen erworben.
Diese entsprechen in etwa Leistungskursen in der Schule. In
vielen Fächern werden in Seminaren und Übungen Referate
gehalten, Hausarbeiten geschrieben und das erarbeitete Wissen
von den Studierenden in Vorträgen oder (PowerPoint-)Präsentationen
vorgestellt. Hier sind auch intensive Diskussionen der behandelten
Themen möglich.
Oft besteht ein Modul aus einer Vorlesung und den dazu gehörenden Übungen und Seminaren. In den Klausuren zum Abschluss des Semesters wird dann das Gelernte beider Veranstaltungen überprüft.
Labore und Werkstätten, Exkursionen
In vielen Fächern gehören auch Arbeiten
in Laboren und Werkstätten mit den darin stattfindenden
(Labor-)Praktika oder Exkursionen zum Studium.
Auch die hier erarbeiteten Forschungsergebnisse werden am
Ende des Semesters in Prüfungen abgefragt.
Besonders in Seminaren und Übungen und in den Laborpraktika besteht Anwesenheitspflicht. Sie können an der Abschluss-Prüfung nur teilnehmen, wenn Sie die Veranstaltung regelmäßig besucht haben.
Lehrveranstaltungen brauchen Vor- und Nachbereitungszeit. Denn Sie müssen oft selbständig Fachbücher und Artikel in Fachzeitschriften lesen oder Übungsaufgaben lösen. Planen Sie diese bei Ihrer Stundenplangestaltung mit ein (siehe auch unten unter "Wie viel Arbeitszeit beinhaltet ein Studium?").
Da viele Lehrveranstaltungen nicht nur für ein bestimmtes
Fachsemester vorgesehen sind - bei vielen Modulen können
Sie wählen, ob Sie dieses z.B. im 3. oder 4. oder 6.
Semester absolvieren - werden Sie in jeder Lehrveranstaltung
unterschiedliche Kommilitoninnen und Kommilitonen treffen.
Daher: Siehe oben unter "Arbeitsgruppen bilden".
Vorlesungsverzeichnis & Stundenplan
Wann und wo welche Vorlesungen, Seminare, Übungen, Praktika...
im jeweiligen Semester stattfinden steht im Vorlesungsverzeichnis
der Universität, im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis
Ihres Faches / Ihrer Fächer und in Internet, u.a. in
"VSPL-Campus-Office".
Mit "VSPL-Campus-Office" können Sie an der
Ruhr-Universität u.a. auch online Ihren Stundenplan zusammen
stellen.
Im 2-Fächer-Studiengang ist es Ihre Aufgabe, aus den beiden Vorlesungsverzeichnissen Ihrer Fächer einen studierbaren Stundenplan für das jeweilige Semester zu erstellen. Dabei lassen sich manchmal Überschneidungen von Lehrveranstaltungen nicht vermeiden.
Informationsbeschaffung
Das Studium mit seinen Studien- und Prüfungsordnungen, Einrichtungen, Möglichkeiten, Sprechstundenzeiten, Öffnungszeiten, Bürokratien, Regelungen, Terminen usw. ist alles andere als übersichtlich. Es gibt allerdings keine zentrale Informationsstelle, geschweige denn einen persönlichen Info-Dienst für alle Studierenden. Wer sich nicht selber aktiv informiert, der erfährt nix. Wichtige Informationsquellen sind Aushänge, andere Studierende, TutorInnen, Sprechstunden der Lehrenden (die übrigens zur Beratung verpflichtet sind), StudienberaterInnen, die Fachschaften usw.
Wichtige grundlegende Informationsmaterialen, die Sie zu
Beginn und im Laufe Ihres Studiums brauchen, sind die Studien-
und Prüfungsordnung Ihres Faches sowie die Kommentierten
Vorlesungsverzeichnisse oder Studienführer Ihres Faches / Ihrer Fächer. Diese gibt es zu
jedem Semester neu z.B. bei der Studienfachberatung, im Geschäftszimmer,
bei der Fachschaft oder in der Bibiothek. Sie enthalten neben
den Veranstaltungen des Semesters auch immer wichtige aktuelle
Informationen für Studierende. Sie enthalten in der Regel
auch Literaturhinweise für jede Lehrveranstaltung / jedes
Modul.
Auch die Web-Seiten Ihres Faches / Ihrer
Fächer sind ständig eine gute Informationsquelle.
Wie viel Arbeitszeit beinhaltet ein Studium?
Dies ist die erste und dringendste Frage, die Erstsemester haben. Es ist allerdings auch die Frage, die am schwersten zu beantworten ist, weil keine konkrete und definitive Aussage möglich ist. Es hängt vom individuellen Fall ab, z.B. welchen Studiengang Sie studieren, ob Sie durch Nebentätigkeit das Studium finanzieren müssen, wie zielstrebig Sie sind...
In der Regel ist ein Studium an einer Universität ein
Full-Time-Job. Um die im Bachelor erforderlichen 180 Credit-Points
in 6 Semestern zu erreichen, haben Sie ca. eine 35-Stunden-Woche
bei 6 Wochen Urlaub im Jahr. Denn 1 Credit Point umfasst ca.
30 Arbeitsstunden.
An der Ruhr-Universität sind fast alle Studienfächer
als Präsenz-Studiengänge organisiert.
Die Lehrveranstaltungen finden über den ganzen Tag verteilt
statt. Fast immer besteht in den Lehrveranstaltungen Anwesenheitspflicht,
die auch kontrolliert wird.
Einige allgemeine Tipps wollen wir Ihnen hier geben:
Alle Erstsemester sind von der Schule her gewöhnt, einen
Stundenplan von ca. 25 - 30 Wochenstunden zu belegen. Dies
ist an der Uni zuviel!
Das Studium besteht in der Regel nicht nur aus den Veranstaltungen, sondern auch aus Eigenstudium, z.B. zu Hause in Büchern zu lesen oder Übungsaufgaben zu rechnen. Grob geschätzt kann man sagen, dass etwa die Hälfte der Studienzeit außerhalb der Veranstaltungen zugebracht wird, d.h. in Bibliotheken oder zu Hause am Schreibtisch. Für jede Stunde in einer Veranstaltung kann man eine weitere Arbeitsstunde außerhalb der Veranstaltung hinzurechnen. Wer also weniger Stunden in Lehrveranstaltungen abreißt ist kein Faulpelz, sondern hat eine ganz normale 35-Stunden-Woche.
Lesen Sie zum Arbeitsaufwand für ein Studium bitte auch unsere Erläuterungen zu den Bachelor- und Master-Studiengängen und zum Credit Point-System sowie zum Stundenplan.
Vorlesungsfreie Zeit - Semesterferien?
Die Vorlesungen nehmen nur sieben Monate des Jahres in
Anspruch. Fünf Monate sind so genannte "vorlesungsfreie
Zeit". Sie werden häufig mit Ferien gleichgesetzt.
Dies ist so nicht richtig. Ein großer Teil dieser fünf
Monate wird für das Studium gebraucht, nur eben nicht
für Lehrveranstaltungen. Stattdessen braucht man diese
Zeit z.B. für Berufspraktika bzw. Schulpraktika, Praktika
in Labore und Werkstätten der Uni, Klausurvorbereitungen,
Ferienjobs zur Finanzierung des Studiums usw.
Insbesondere die so genannten Hausarbeiten,
das sind in Heimarbeit erstellte wissenschaftliche Aufsätze,
nehmen viel Zeit in Anspruch, durchschnittlich etwa einen
Monat. Auch werden viele Klausuren in der vorlesungsfreien
Zeit geschrieben.
Das Studium vieler geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer
ist in erster Linie ein Lektürestudium. Dies wird häufig
vergessen, aber man kommt nicht umhin, wissenschaftliche Texte
zu lesen. Um ein wissenschaftliches Buch zu lesen benötigt
man Zeit und Ruhe, die man während der Vorlesungszeit
kaum findet.
Geringere Verbindlichkeit?
In sehr vielen Veranstaltungen gibt es an der Ruhr-Universität
eine Anwesenheitspflicht. Sie wird in der
Regel kontrolliert. Bei zu häufigen Fehlzeiten haben
Sie dann keine Möglichkeit mehr, eine Bescheinigung für
das entsprechende Modul zu bekommen und / oder die Abschluß-Klausur
mitzuschreiben.
Deshalb ist man auf Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin angewiesen. Vor der Hürde der Prüfungen steht die
Hürde der Eigenmotivation. Erfahrungsgemäß
scheitern viel mehr Studierende an der ersten Hürde als
an der zweiten. Um es noch krasser zu sagen: Wer nicht kommt,
wird auch nicht vermisst, bekommt aber auch keinen Leistungsnachweis.
Lernen ohne Anleitung
In der Schule findet das Lernen, mal abgesehen von Hausaufgaben,
unter gezielter Anleitung der LehrerInnen im Unterricht statt.
Dies ändert sich im Studium nicht komplett, aber trotzdem
gibt es Unterschiede. Viel stärker als in der Schule
wird von den Studierenden erwartet, dass sie selbständig
den Lernstoff vor- und nachbereiten. Wie und wann sie das
machen, interessiert die Lehrenden eher weniger. Das Studium
besteht besonders in den geistes- und sozialwissenschaftlichen
Fächern fast nur aus der Bearbeitung von Texten. In den
Veranstaltungen werden die Texte nicht mehr gemeinsam gelesen,
sondern es wird nur noch über sie gesprochen. Der größte
Teil der Arbeit geschieht also ohne Anleitung z.B. zu Hause
am Schreibtisch, in den Bibliotheken oder in Lerngruppen.
Diese Unterschiede sind für viele Studierende (nicht
nur) zu Beginn ihres Studiums eine Herausforderung.
Die neuen Umstände erfordern auch eine bestimmte Einstellung,
die in der Schule (und generell) nicht immer gefordert und
gefördert wird:
SELBSTÄNDIGKEIT & EIGENINITIATIVE
Allerdings bietet die Hochschule viele Hilfs-, Beratungs-
und Schulungsangebote, wenn es beim Verfassen wissenschaftlicher
Texte, bei der Prüfungsvorbereitung oder bei den Lerntechniken
hakt.
So können Sie z.B. im Schreibzentrum der Ruhr-Uni Workshops besuchen oder in der Zentralen Studienberatung
Kurse zum "Lernen lernen" oder "Prüfungs-Management" besuchen.
Auch in den Tutorien zu Studienbeginn werden oft Grundlagen
wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt.
Ist das Studium eine Berufsausbildung?
Ein Studium an einer Universität ist keine Berufsausbildung im engeren Sinne. Eine Berufsausbildung, d.h. eine Lehre oder der Besuch einer Vollzeitberufsschule, bildet für einen mehr oder weniger definierten Beruf aus. Die Bestandteile der beruflichen Ausbildung sind stark auf die spätere Tätigkeit ausgerichtet. Die Berufsausbildung besteht in erster Linie aus der Einübung konkreter Arbeitsabläufe. Ein späterer Berufswechsel ist eher schwierig, weil man in erster Linie die berufsspezifischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Tätigkeiten erlernt hat.
An der Hochschule wird neben der Lehre "wissenschaftliche Forschung" betrieben. Die Universität definiert sich hauptsächlich über diese Forschung, d.h. sie ist der Ort, an dem Wissenschaft betrieben wird. Die Universität vermittelt nicht nur Wissen, sie produziert es auch.
Zunächst einmal sollen Studierende der Hochschule
das Wissen aus ihrem Fachbereich lernen. Weiterhin soll die
Universität vermitteln, wie man selbständig
und methodisch ein neues Wissen produziert. Die Studierenden
sollen lernen, wie man solches Wissen erschafft - eben "Wissen
- schafft".
Viele Probleme, die Studierende mit ihrem Studium haben, sind nicht unbedingt persönlicher Natur. Vielmehr ist es der spezifische Charakter eines universitären Studiums, der Studierenden fremd ist und der Anforderungen stellt, die den meisten Studierenden neu sind. Ein wissenschaftliches Studium erfordert ein anderes, selbständiges Denken, Lernen und Arbeiten als man es von der Schule gewohnt ist. Wer dies erkannt hat, kann sich gelassen auf die "Herausforderung Wissenschaft" einlassen.
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