Bildungsmonitoring

Bildungsmonitoring - kleinräumige Analyse von amtlichen Bildungsdaten

Bildung ist räumlich

In unserer Gesellschaft sind Bildungserfolg und die weitergehende Ausbildung in hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängig. Im Rahmen des ZEFIR-Bildungsmonitorings werden kleinräumige Daten zur Sozialstruktur der Stadtgebiete mit Schuldaten in Verbindung gebracht und mit Hilfe Geographischer Informationssysteme räumlich ausgewertet.

Ziel

Ziel ist ein städteübergreifender ‚Bildungsmonitor’, der es ermöglicht, auf der Ebene der Stadtteile und Quartiere Daten der Schulstatistik und sozio-demografische Indikatoren kombiniert auszuwerten. Mit dem Ansatz lassen sich Zusammenhänge zwischen sozialer Situation, Wohnstandort und Bildungsstatus der Bevölkerung in den einzelnen Städten konkret beschreiben. Der Monitor ermöglicht zudem eine präzise Beschreibung des unterschiedlich schwierigen "Geländes", in dem Bildungseinrichtungen operieren.

Den Kommunen liefert der Bildungsmonitor damit Informationen für die effiziente Planung und den gezielten Mitteleinsatz im Schul- und Vorschulbereich und er kann eine Schärfung und Evaluierung der Schulprofile, bezogen auf die Eigenheiten der unterschiedlichen Schulstandorte und Sozialräume unterstützen. Durch das frühzeitige Erkennen von Veränderungen und Entwicklungsprozessen übernimmt der Bildungsmonitor auch die Funktion als Frühwarn- und Begleitsystem.

Übergangsquote zum Gymnasium in Gelsenkirchen

Quelle: Daten: LDS 03/04, ZEFIR Datenbank; Kartografie: ZEFIR Bildungsmonitoring / Tobias Terpoorten 2005

Übergangsquote zum Gymnasium in Gelsenkirchen

Beispiel Essen und Gelsenkirchen

Die Abbildung zeigt am Beispiel der Städte Essen und Gelsenkirchen die Sozialraumtypen und die errechneten Übergangsquoten zum Gymnasium. Die Typisierung der Sozialräume auf Grundlage der statistischen Gebiete des Ruhrgebiets erfolgt mit Daten der Kommunalstatistik der Städte und Gemeinden

Bildungsindikator

Im Rahmen des Bildungsmonitors wird neben den sozioökonomischen Indikatoren ein eindeutiger Bildungsindikator erstellt – anhand von Übergangszahlen der Grundschulen zu den weiterführenden Schulen werden kleinräumige Übergangsquoten ermittelt. Fast jeder Stadtteil im Ruhrgebiet verfügt über eine Grundschule, so daß dieser Indikator annähernd flächendeckend analysiert werden kann und kleinräumige Unterschiede im Bildungsverhalten aufzeigt. Da das Einzugsgebiet der Grundschule zumeist das direkte Wohnumfeld ist, kann zudem die Übergangsquote mit den ermittelten Sozialraumtypen in Beziehung gesetzt werden. Der für die Berechnung der Übergangsquoten verwendete Datensatz stammt vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW (LDS) und weist von jeder Grundschule im Land die Abgängerzahlen des Schuljahres 2003/2004 zu weiterführenden Schulen aus. Diese Quoten werden über die Schuladresse räumlich zugeordnet.

Vergleich

Beim Vergleich der Sozialräume mit den dazugehörigen Übergangsquoten fällt auf, dass in Stadtteilen der Sozialraumtypen eins und zwei meist über 50 % der Kinder zum Gymnasium gehen. Das Ausbildungsniveau der Eltern in diesen Gebieten ist eher hoch; die Kinder werden früher und verstärkt zur schulischen und beruflichen Qualifikation ermutigt. Zudem erlangen die Kinder infolge der elterlichen Erziehung und gezielter Förderung Fähigkeiten, die in der Schule vorteilhaft sind (Becker/Lauterbach (2004): Bildung als Privileg. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 12). In Gebieten des Typs fünf und sechs liegt die Übergangsquote zum Gymnasium oftmals unter 30 %. Die Eltern haben zumeist einen niedrigen Schulabschluss und sehen auch für ihre Kinder keine höhere Schullaufbahn vor.


Kontakt

Dipl. Geogr. Tobias Terpoorten

Veröffentlichungen

Terpoorten, Tobias (2007): Geografie der Bildungschancen - Geografische Informationssysteme als Planungsinstrument für eine sozialraumorientierte Schulentwicklung. In: Die Deutsche Schule, 99, 2007, 4, S. 469-481.

Terpoorten, Tobias (2007): Bildung ist kleinräumig - Analyse amtlicher Schuldaten im Ruhrgebiet. In: Verband Deutscher Städtestatistiker (Hrsg.): Stadtforschung und Statistik, Zeitschrift des Verbandes Deutscher Städtestatistiker. Hagen, Ausgabe 1/2007, S. 60-66.

Terpoorten, Tobias (2007): Bildungsdisparitäten in Westfalen - Schulübergänge und Abschlüsse. In: Heineberg, Heinz (Hg.): Westfalen Regional - Siedlung und Landschaft in Westfalen. Herausgegeben von der Geographische Kommission für Westfalen, Münster 2007, S. 236-237.

Terpoorten, Tobias / Strohmeier, Peter (2006): Der Demografische Wandel und die Herausforderungen der Stadtpolitik. In: Der Städtetag, Ausgabe 4/2006, Berlin, S. 10-14, Themenheft: Demografischer Wandel - Herausforderungen für die Städte.

Terpoorten, Tobias (2005): GIS-gestützte kleinräumige Analyse von amtlichen Schuldaten. Ein Ansatz für ein flächendeckendes Bildungsmonitoring am Beispiel des Ruhrgebiets. In: STANDORT – Zeitschrift für Angewandte Geographie. Heidelberg, Ausgabe 4/2005, S. 196ff.