Technische Bilder


bitte laden sie grafiken Flussers "technisches Bild" ist eine Basiskategorie seiner Konzeption. Die mediengeschichtlichen Überlegungen Flussers zu diesem Thema konzentrieren sich im Werk "Ins Universum der technischen Bilder" aus dem Jahr 1985.
Flussser verwendet zwei antithetische Bildbegriffe: Einerseits 'archaische Bilder' der Vorgeschichtlichte und andererseits die 'technischen Bilder' unserer nachgeschichtlichen Zeit, die von Apparaten erzeugt werden. Während es sich bei den ersteren um kontinuierliche Flächen handelt, sind dagegen die aktuellen technischen Bilder zusammengesetzt aus einzelnen diskret errechneten Punktelementen. Dieser technische Paradigmenwechsel hat Konsequenzen im Denken und Handeln einer Kultur.
"Es hat keinen Sinn mehr zu schreiben, wenn ich nicht mehr linear denke. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir zu einem bildlichen Denken zurückkehren. Wenn Sie die neuen Bilder anschauen, die die Schrift ersetzen, diese tönenden Geschichten auf Bildschirmen: Das sind keine Bilder im alten Sinn, das sind keine Flächen, sondern Mosaike, die aus Punkten zusammengesetzt sind. Wir denken nicht mehr bildlich, aber auch nicht mehr linear, sondern wir denken punktuell. So kommen wir wieder auf den Netzcharakter des Denkens zurück. Wir denken, wie man im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert gesagt hat "kalkulatorisch", wir zerlegen alles in Steinchen - calculi - und setzen diese Steinchen wieder zusammen. Zu sammensetzen heißt 'komputieren'. Wir kalkulieren um zu komputieren. Nur sind komputierte Bilder keine vorgestellten Bilder, sondern Komputationen." (Flusser (1987), S. 41)
Diese neuen Medien bestimmen also unsere heutigen Kommunikatiossituation. Die dezentrale Vernetzung der Gesellschaft ist von Flusser nur im Hinblick auf die wechselseitige Manipulation solcher technischen Bilder durch die Kommunikationsteilnehmer konzipiert. Diese Voraussetzungen in Medientechnik (technische Bilder) und Kommunikationsstruktur (Netzstruktur) sind untrennbar miteinander verbunden.
Unsere heutigen bilderzeugenden Apparate seien erfunden, um aus Punktelementen (z.B. in einer Filmschicht oder auf einem Bildschirm) informative (unwahrscheinliche) Konstellationen zu komputieren. Flusser macht aber auf eine entscheidende Paradoxie unseres gegenwärtigen Mediengebrauchs aufmerksam:
"Aber es gibt eine seltsame innere Dialektik, einen Widerspruch in diesem Unterfangen. Die Apparate sind programmiert, unwahrscheinliche Situationen hervorzubringen. Das heißt aber, daß diese unwahrscheinlichen Situationen in ihrem Programm stehen und zwar nicht als 'Irrtümer', wie im Programm des Universums, sondern als im Verlauf der Programmverwirklichung immer wahrscheinlicher werdende, beabsichtigte Situationen. (...) Jeder Fernsehzuschauer kann mehr oder weniger das Programm der nächsten Woche voraussehen (...) So verwandelt sich für den Empfänger der technischen Bilder - gleichsam hinter dem Rücken - in Entropie, was als negative Entropie in die Apparate programmiert war." (Flusser (1985), S.23)
Idolatrie


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Die 'Virtuelle Klasse'
Als medienpädagogische Aufforderung zu einer den neuen Medien angemessenen Medienkompetenz formuliert Flusser schließlich:
Die Entzifferung der technischen Bilder ist eine Aufgabe, welche wir (...) noch nicht geleistet haben. Solange wir hierzu jedoch unfähig sind, bleiben wir ihrer Faszination ausgeliefert und werden auf ein magisch rituelles Verhalten programmiert. Der kritische Empfang der technischen Bilder erfordert ein Bewußtseinsniveau, das jenem entspricht, auf welchem sie erzeugt werden." (Flusser (1985), S.27)
Unklar bleibt jedoch - und dies ist ein blinder Fleck in Flussers Utopie -, wie in unserer fascistischen Kommunikationsstituation Medienkompetenz bei Menschen, die gerade durch ihre Mediennutzungsgewohnheiten betäubt sind, erzeugt werden soll; wie wird die Idolatrie beendet?
Letztlich strebt auch Flusser dem Modell der Aufklärung nach; angesichts der von ihm geschilderten Krise aber wird man ohne Aufklärer, ohne digitale Meinungsführer keine Veränderungen erzielen können. Wer induziert den Umschwung?
Eine selbstbestimmte Neuprogrammierung der Gesellschaft von der 'Basis' aus ist unter den geschilderten Umständen unwahrscheinlich, d.h. hochinformativ, d.h. utopisch - Flusser bleibt trotz oder gerade wegen solcher Widersprüche konsequent in seiner Methode.
"Sowohl Bild als auch Schrift versklaven oder können befreien. Dasselbe gilt für die neuen Bilder." (Flusser (1987), S. 41)



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