Telematisches Netz


MannigfaltigkeitVilem Flussers Utopie der telematischen Gesellschaft bedeutet in fast allen Aspekten das Gegenteil der aktuellen fascistischen Struktur. Die telematische Gesellschaft ist ein verteiltes Netzwerk aus Menschen und Maschinen ohne Zentren und Machtkonzentrationen. Es findet kein einseitiges 'Senden' statt, sondern es herrscht ein ausgewogenes Verhältnis von Dialogen und Diskursen.
"Die uns gegenwärtig zur Verfügung stehende tiefere Einsicht in die Gehirnfunktionen und die telematischen Techniken erlauben uns, den Schaltplan umzubauen und aus einer dummen eine 'schöpferische' Gesellschaft zu machen. Und zwar aufgrund eines Schaltplans, der dem Zusammenspiel von Funktionen im Gehirn gerecht wird. In einer solchen Gesellschaftsstruktur wird es keine Sendezentren mehr geben, sondern jeder Knotenpunkt des Netzes wird zugleich empfangen und senden. Dadurch werden die Entscheidungen überall im Netz getroffen werden und sich, wie im Gehirn zu einer Gesamtentscheidung integrieren zu einem Konsensus. Die Gesellschaft wird ein Mosaik von Absichten sein, die sich zu immer neuer Gesamtabsicht integrieren." (Flusser (1985), S. 101)
Die telematische Gesellschaft ist während dieses Kommunikationsprozesses damit beschäftigt, immer wieder neue Informationen zu prozessieren - sie ist die ideale Informationsgesellschaft. Dies geschieht durch Rekombination bereits vorhandener Information. Medium dieser dauernden Prozessierung sind die technischen Bilder - aus Punkten zusammengesetzte Bildmosaike.
Es gibt also nicht individuelle Wissensbestände, sondern nur 'verteiltes Wissen' im gesamten Netz - vergleichbar einem neuronalen Netz, dessen Funktionalität und Wissen sich aus der Verschaltung der 'Neuronen' ergibt. Dieses verteilte Wissen steht allen Netzelementen zur Manipulation offen. Die telematische Gesellschaft formt den kosmischen Hypertext dauernd neu. Historizität von Wissensbeständen wird unwichtig.
Gemeinschaftskonzept
der CI
"Die Gesellschaft zerfällt in Körperhaufen, in 'einsame Masse', und die zwischenmenschlichen Bindungen, das gesellschaftliche Gewebe gehen in Auflösung über. Die vereinzelt vor Computerterminals sitzenden, einander den Rücken wendenden jungen Kalifornier haben kein soziales Bewußtsein. Sie gehören keiner Familie an und identifizieren sich mit keinem Volk und mit keiner Klasse. Sieht man jedoch diese Zerstreuung unideologisch, nämlich 'phänomenologisch, dann wird man an ihr das Emportauchen des neuen sozialen Gewebes. Man wird die Fäden erkennen, welche diese 'neuen Menschen' mit den Sendern der technischen Bilder verbinden. Man wird erkennen, daß es sich nicht um 'a-soziale', sondern um ungewöhnlich stark sozialisierte, wenn auch in einem neuen Sinn sozialisierte Menschen handelt. Um derart stark sozialisierte nämlich, daß wir bei ihnen trotz ihrer scheinbaren Vereinsamung, um ihre Individualität fürchten müssen." (Flusser (1985), S. 71)
In diesem Zitat beschreibt Flusser explizit die californische Computeravantgarde als Vorreiter einer neuen Gesellschaftsstruktur, die sich von nationalen, quasi natürlichen Verbindungen (i.e. Vernetzungen) verabschiedet und ein davon unabhängiges Netzwerk gleichgesinnter bildet. Das projektierte "neue soziale Gewebe" ist aber keineswegs frei von Ideologie, wie Flusser es erhofft. Es gibt keine gesellschaftliche Tabula Rasa, dies versuchen wir im Bereich dieses Hyptertextes über die Californian Ideology zu zeigen . Die von Flusser angesprochene "starke Sozialisierung" kann hier durchaus verstanden werden als kommunitäre Lobbybildung nach uramerikanischem Modell.
Copyright-
Konzept der CI
Flusser geht jedoch von einer wirklich offenen Sozialstruktur aus, in der jegliche Informationen für alle Elemente des Netzes potentiell zugänglich sind. Im telematischen Netz gibt es kein Copyright. Alles ist veränderlich und diskursiv kopierbar. Da das Ziel in der Erzeugung von Informationen besteht muß der Zugang zu bestehendem Wissen, aus dem diese neu synthetisiert werden können, frei sein.
Die so projizierte Gesellschaftsform birgt in sich wichtige Implikationen, die unser heutiges Verständnis von Individualität und Existenz radikal verändern würden. Diese Konsequenzen stehen jedoch im Widerspruch zur Zielsetzung der 'Californian Ideology".
"Wir müssen aufhören, uns und die anderen erkennen zu wollen, und versuchen, die anderen anzuerkennen und uns in ihnen wiederzuerkennen. Wir müssen aus der Kapsel des Selbst auszubrechen und uns in die konkrete Intersubjektivität zu entwerfen versuchen. Wir müssen aus Subjekten zu Projekten werden. (...) die emportauchende relationale Weltsicht und die darausfolgende Anthropologie fordern utopisches Denken. Wir haben dafür aber keine überkommenen Modelle und müssen sie neu entwerfen." (Flusser (1988), S. 156)
Hier mag man eine Wendung gegen genau solche Strategien erkennen, die alte Ideologien auf die neue Kommuikationssituation anzuwenden versuchen. Genau dies tut heute aber die CI.
"Der neue Mensch wird nichts mehr tun und haben wollen; er wird genießen wollen, was auf dem Programm steht. Nicht Arbeit und nicht Praxis, sondern Betrachtung und Theorie werden sein konkretes Leben charakterisieren. Nicht Arbeiter, Homo faber, sondern Spieler mit Formen, Homo ludens, ist der Mensch der undinglichen Zukunft." (Flusser (1989c), S. 164
Die Kommmunikation im telematischen Netz kann also charakterisiert werden durch die Punkte



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