BEGRIFFSLEXIKON

(eine Hyptertextversion von Flusser 1989, S. 75-77)
bitte laden sie grafiken Apparat: ein das Denken simulierendes Spielzeug.

Arbeit: die Tatigkeit, welche Gegenstande herstellt und informiert.

Automat: ein Apparat, der einem sich zufällig abspielenden Programm gehorchen muß.

Bedeutung: das Ziel der Zeichen.

Begriff: ein konstitutives Element eines Textes.

Bild: eine bedeutende Flache, auf der sich die Bildelemente magisch zueinander verhalten.

Code: ein regelmäßig geordnetes Zeichensystem.

Entropie: die Tendenz zu immer wahrscheinlicheren Zustanden.

Entziffern: die Bedeutung eines Symbols aufzeigen.

Fotograf: ein Mensch, der sich bemüht, die im Programm des Fotoapparats nicht vorgesehenen Informationen ins Bild zu setzen.

Fotografie: ein von Apparaten erzeugtes und distribuiertes, flugblattartiges Bild.

Funktionar: ein mit Apparaten spielender und in Funktion der Apparate handelnder Mensch.

Gedächtnis: Informationsspeicher.

Gegenstand: ein uns entgegenstehendes Ding.

Geschichte: das linear fortschreitende Übersetzen von Vorstellungen in Begriffe.

Herstellen: das Herübertragen eines Dings aus der Natur in die Kultur.

Idolatrie: die Unfähigkeit, aus den Bildelementen Vorstellungen herauszulesen, trotz der Fähigkeit, diese Bildelemente zu lesen; daher: Bilderanbetung.

Imagination: die spezifische Fähigkeit, Bilder herzustellen und zu entziffern.

Industriegesellschaft: eine Gesellschaft, in der die Mehrzahl der Menschen an Maschinen arbeitet.
Information: eine unwahrscheinliche Kombination von Elementen.

Informieren: 1. unwahrscheinliche Kombinationen von Elementen erzeugen; 2. sie in Gegenstände drücken. Konzeptualisation: die spezifische Fähigkeit, Texte zu erzeugen und sie zu entziffern.

Kulturgegenstand: ein informierter Gegenstand.

Magie: die der ewigen Wiederkehr des Gleichen entsprechende Daseinsform.

Maschine: ein Werkzeug, das ein Körperorgan auf der Grundlage wissenschaftlicher Theorien simuliert.

Nachgeschichte: die Rückübersetzung von Begriffen in Vorstellungen.

Nachindustrielle Gesellschaft: eine Gesellschaft, in der die Mehrzahl der Menschen im tertiären Sektor beschäftigt ist.

Primärer und sekundärer Sektor: die Tätigkeitsbereiche, in denen Gegenstände hergestellt und informiert werden.

Programm: ein Kombinationsspiel mit klaren und distinkten Elementen.

Redundanz: Wiederholung von Informationen, daher: Wahrscheinliches.

Ritus: das der magischen Daseinsform entsprechende Verhalten.

Sachverhalt: eine Szene, in welcher die Verhältnisse zwischen den Sachen und nicht die Sachen selbst bedeutungsvoll sind.

Spiel: eine Tätigkeit, die Selbstzweck ist.

Spielzeug: ein dem Spiel dienender Gegenstand.

Symbol: ein bewußt oder unbewußt vereinbartes Zeichen.

Symptom: ein von seiner Bedeutung verursachtes Zeichen.

Technisches Bild: ein von Apparaten erzeugtes Bild.

Tertiärer Sektor: der Tätigkeitsbereich, in dem Informationen erzeugt werden.

Text: Reihen von Schriftzeichen.

Textolatrie: die Unfähigkeit, aus den Schriftzeichen eines Texts Begriffe herauszulesen, trotz der Fähigkeit, diese Schriftzeichen zu lesen, daher: Textanbetung.

Übersetzen: von einem Code in einen anderen hinüberwechseln, daher: von einem Universum in ein anderes springen.

Universum: 1. die Gesamtheit der Kombinationen eines Codes; 2. die Gesamtheit der Bedeutungen eines Codes.

Vorstellung: ein konstitutives Element eines Bildes.

Werkzeug: eine der Arbeit dienende Simulation eines Körperorgans.

Wertvoll: etwas, das so ist, wie es sein soll

Wirklichkeit: wogegen wir auf unserem Weg zum Tod stoßen, daher: woran wir interessiert sind.

Zeichen: ein Phänomen, das ein anderes bedeutet.