Idolatrie


bitte laden sie grafiken Idolatrie bezeichnet bei Flusser die Unfähigkeit die aktuellen technischen Bilder nach den ihnen zugrundeliegenden Apparateprogrammen zu verstehen und statt dessen zu versuchen diese kalkulierten Mosaike als archaische Bilder zu sehen. Aus dem Blickwinkel der fascistischen Verschaltung der Gesellschaft läßt sich das Phänomen der Idolatrie folgendermaßen beschreiben:
Black-Box
"Eine Elite, deren hermetische Tendenz sich laufend verstärkt, entwirft Erkenntnis-, Erlebnis- und Verhaltensmodelle mit Hilfe sogenannter 'künstlicher Intelligenzen', welche von dieser Elite Programmiert werden, und die Gesellschaft richtet sich nach diesen für die unlesbaren aber befolgbaren Modellen. Da die Modelle für die Gesellschaft undurchsichtig sind ('schwarze Kisten'), ist sie sich nicht einmal völlig bewußt derart manipuliert zu werden. (Flusser (1989a), S. 51)


Technische Bilder waren jedoch nicht immer das kulturelle Leitmedium. Flusser unterscheidet drei aufeinander abfolgende Epochen der Medienentwicklung. Mit diesem linearen Geschichtsmodell zeigt er selbst sich ganz der Gutenberggalaxis verhaftet.


Die Vorgeschichte: Das erste Kommunikationsmedium für Menschen waren Bilder (geschlossene, kontinuierliche Bildflächen). Darauf fußt ein vorhistorisches Verständnis von Welt: es gibt keinen linearen Ablauf von Sachverhalten, sondern die Ereignisse wiederholen sich scheinbar ewig wieder und wieder...

Das geschichtliche Zeitalter: Das neue Leitmedium ist die Schrift: durch sie werden lineare Texte erzeugt. Sie werden zur Bedingung eines ebenso linearen Denkens und umgekehrt. Mit dieser Wende etabliert sich das Verstehen von Sachverhalten als Ereignissen in einem historischen und kausalen Ablauf - d.h. ein historisches Bewußtsein.

Dazu Flusser
"Man spricht diskursiv. Die Syraker wollten, daß man diskursiv schreibt und infolgedessen diskursiv denkt. Sie wollten nicht, daß man bildlich denkt. Sie wollten nicht, daß man flächenhaft denkt. Sie wollten die Fläche durchbrechen. Sie waren ikonoklastisch. Die ganze Bemühung der Schrifterfinder war, die Bilder zu zerstören, nicht zu erklären, sondern wegzuerklären. Die Sprache, die ich niederschreibe, ist nicht die, die ich spreche sondern sie wird von den Buchstaben und den Schreibregeln in Ketten gezwungen. (...) Was die Erfinder der Buchstaben in Wirklichkeit ins Leben gerufen haben, war ein bewußt, zielgemäß lineares Sprechen und daher bewußt und zielgemäß lineares Denken. Dieses Denken heißt 'historisches Denken'(...) Es gab vor der Erfindung der Schrift keine Geschichte" (Flusser (1987), S. 40)

Die Nachgeschichte schließlich ist charakterisiert durch das Entstehen "Technischer Bilder", diese sind kalkuliert und komputiert und entstammen den geräteprogrammen von Apparaten (z.B. der Fotokamera) . Diese Bilder bestimmen heute unsere Kommunikation. Jedoch sind wir diesen technischen Produkten kognitiv nicht gewachsen.

Nach Flusser müßten wir heute schon nicht mehr linear und historisch, sondern mosaikartig, kalkulatorisch denken - das bedeutet für ihn nachhistorisch.




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