Pädokratie


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pädagogik
Daß die Notwendigkeit zur Selektion oder Zensur von Netz-Inhalten vorwiegend damit begründet wird, daß Kinder sonst möglicherweise Zugang zu schädlichem Material bekämen, gibt Auskunft darüber, daß die EFF entgegen ihrer eigenen Ideologie weiterhin von einer Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten ausgeht. Die Konsumenten sind dabei in einer pasiven Rolle - Kinder werden hier bloß stellvertretend genannt - und müsen durch adäquate Technologien geschützt werden. Hier liegt eine Parallele zur Haltung von Fernsehproduzenten zu ihrem Publikum vor.
Zensurdebatte Wie John Hartley zeigen kann, lösen Fernsehmacher das Problem, daß sie keine geschlosene "Einheit" namens Publikum vorfinden, dadurch, daß sie diese Einheit schaffen. Dazu müsen sie von einer "leeren", noch zu in-formierenden (im Wortsinn) Mase von undefinierten Individuen ausgehen, die - ähnlich Kindern - zu erziehen, d.h. zu homogenen Konsumenten zu machen sei. (vgl. Hartley (1992), S.110f.) Dieses, wie Hartley es nennt, pädokratische Regime, das mangels näherer Erkenntnis über reale Konsumentenbedürfnise entsteht, scheint die EFF auch für das Internet installieren zu wollen. Zensursoftware, das zeigen erste Entwicklungen, kann nur auf der Basis von Standards mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner operieren: Da es nicht in der Hand der einzelnen Benutzer liegt, welches Material sie "nicht wollen", sondern in den Programmschritten einer autonomen Software, müsen die Standards möglichst umfasend für alle Benutzer Gültigkeit haben. Also auch für die zitierten Kinder, die dem gesellschaftlichen Konsens entsprechend den restriktivsten "Schutz" zu erfahren haben. Das führt dann dazu, daß, indem etwa die Verwendung des Wortes "Sex" zensuriert wird, Web-Seiten von wisenschaflichen Projekten zum Thema Geschlechterverhältnis ebenso ausgeschlosen werden wie Porno-Magazine oder Newsgroups von Patienten mit Geschlechtskrankheiten.


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