Profil

Profil

Die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte beschäftigt sich mit den langfristigen ökonomischen und sozialen Strukturveränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie versteht sich als eine historische Sozialwissenschaft und bezieht einen Gutteil ihres Analyseinstrumentariums aus den benachbarten systematischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Dabei ist sie allerdings bestrebt, der insbesondere bei den Wirtschaftswissenschaften seit geraumer Zeit zu beobachtenden Tendenz zur Enthistorisierung entgegenzuwirken. Gerade in dem Teilgebiet der Unternehmensgeschichte versteht sich das Fach nicht einfach als eine historische Betriebswirtschaftslehre. Unternehmen werden vielmehr als ein Feld von internen und externen Handlungs- und Kommunikationsprozessen begriffen. Es wird deshalb nicht unterstellt, dass Unternehmen ausschließlich im betriebswirtschaftlichen Sinne zweckrational und strikt an ökonomischen Effizienzkriterien agieren, sondern als Orte permanenter interner Reibungen und Konflikte. Die betriebliche Handlungsdimension der einzelnen Sozialgruppen wird damit als ein zentraler institutioneller Interaktionsrahmen und Erfahrungsraum in die moderne Unternehmensgeschichte einbezogen.

Als systematisches Fach deckt die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte in der Lehre einen Zeitraum seit der frühen Neuzeit mit Schwerpunkten im Zeitalter der Industrialisierung und in der Zeitgeschichte ab. Dabei werden die klassischen wirtschaftshistorischen Felder wie der Geschichte von Wirtschaftsordnungen, die Wachstums- und Konjunkturgeschichte, die Industrie- und Bankengeschichte, die Infrastrukturgeschichte, die Geschichte von Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Währungs- und Finanzpolitik, die Unternehmergeschichte, die Geschichte des Strukturwandels „industrieller“ Märkte und Erwerbsformen ebenso behandelt wie die neueren Fragen der Unternehmensorganisation, der Absatzstrategien, der Unternehmenskultur und der Industriellen Beziehungen in historischer Perspektive. In Anbetracht des Standortes wird der regionalen Wirtschaftsgeschichte, insbesondere der Ruhrgebietsgeschichte in der Lehre ein besonderes Gewicht zukommen. Die regionalhistorische Perspektive soll dabei aber immer um eine vergleichende Perspektive auch mit außerdeutschen Industrieregionen ergänzt werden.

In der Forschung wird der Lehrstuhl in den nächsten Jahren ein besonderes Gewicht auf die Wirtschaftsgeschichte der von Deutschland im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete, die Bankengeschichte, die Industriegeschichte der Rüstungswirtschaft und die Geschichte des bundesdeutschen Wirtschaftswunders legen. Daneben wird auch in der Forschung die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des Ruhrgebiets künftig weiterhin eine besondere Berücksichtigung erfahren, zumal sich dieses Thema wegen der ausgezeichneten wirtschaftsarchivalischen Infrastruktur der Region vorzüglich zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eignet. Dabei wird angestrebt, einen Großteil der am Lehrstuhl betreuten Magisterarbeiten thematisch so auszurichten, dass einzelne Bestände der hiesigen Wirtschaftsarchive als Quellengrundlage dienen können.