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Hörsaal-City als Buch
Religion im Revier
Fragen vom Wandel und veränderter Religiosität
geht der Sammelband „Religion in der Gesellschaft –
Ende oder Wende?“ nach, der auf Beiträgen der Vorlesungsreihe
„Hörsaal City“ basiert.
Hörsaal City - Vortragsreihe des Rektorats
Hörsaal City ist die zentrale Vorlesungsreihe der Ruhr-Universität Bochum im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets unter der Schirmherrschaft des Rektorats. Sie will mit ihr eine Brücke in die Stadt schlagen und den Bürgern Bochums und der Region aktuelle Themen und Forschungsergebnisse verständlich präsentieren und zur Diskussion stellen.
“Wie wir uns erinnern … -
Vom Gedächtnis zur Gedenkkultur“
mittwochs 18-20 Uhr
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets Clemensstrasse 17-19,
44789 Bochum
„Gedächtnisbildung im Gehirn“
24.10.2012, Prof. Denise Manahan-Vaughan (RUB, Medizin/Hirnforschung)
Wenn wir lernen, speichern wir das, was wir gelernt haben, im Gehirn. Genauer gesagt, wir speichern diese Information in unseren Hirnzellen. Wie geht das, dass wir so viele Erinnerungen bilden können, die wir zum Teil ein Leben lang beibehalten? Wie kommt es, dass wir andere völlig vergessen? Heißt Vergesslichkeit, dass das Gehirn nicht mehr gesund ist? In ihrem Vortrag erklärt Prof. Manahan-Vaughan die Physiologie der Gedächtnisbildung.
„Erinnerung, Legenden, Traumata. Der Nationalsozialismus im Familiengedächtnis“
14.11.2012, Dr. Kristin Platt (RUB, Diaspora und Genozidforschung)
Stets aufs Neue interessieren sich Bücher und TV-Dokumentationen für das "Familiengedächtnis", wenn es um die Frage geht, wie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt und erzählt wurde. Sie thematisieren Last und Schuld, Schweigen oder die Grenzen des Erzählens. Der Vortrag problematisiert aus sozialpsychologischer Perspektive, "wie" soziale Erfahrungen erinnert werden und "was" überhaupt erinnerbar ist. Dabei plädiert Dr. Platt für eine sorgsame Differenzierung zwischen Erinnerungen, Tradierungen und Traumata in Familien ehemaliger Täter und überlebender Opfer.
„Erinnerungslandschaft Ruhrgebiet“
28.11.2012, Dr. Ulrich Borsdorf (ehem. Direktor des Ruhr Museums)
Im Ruhrgebiet fallen immer noch am stärksten Orte ins Auge, die für die Industriekultur stehen. Diese tragen zur Geschichte des Ruhrgebietes oft nur das bei, was anschauliche Zeichen hinterlassen haben. Für eine kritische Betrachtung der Erinnerung des Ruhrgebiets sind aber auch die unsichtbar gewordenen Orte und Objekte einer fernen Zeit von Bedeutung. Insofern reicht es dem langjährigen Direktor des Ruhr-Museums nicht, im Ruhrgebiet eine, wenn auch reflektierte, Denkmalpflege zu betreiben. In einer ästhetisierten Hinterlassenschaft allein geht Geschichte nicht auf.
„Rom als Palimpsest: Das antike Rom als Erinnerungskultur“
12.12.2012, Prof. Karl Galinsky (RUB/Austin, Texas, Gedächtnisforschung in der klassischen Philologie)
Um kostbares Schreibmaterial zu sparen, wurden früher Manuskripte geschabt oder gewaschen und neu beschrieben. Den Begriff Palimpsest nahm Sigmund Freud nahm auf und sprach vom vielschichtigen, palimpsestischen Rom als Metapher für die menschliche Psyche. Der Max-Planck-Forschungspreisträger Prof. Galinsky zeigt in seinem Vortrag die mehrfach überschriebene Rolle von Gedächtnis und Erinnerung im antiken Rom: Warum waren Erinnerung und Geschichte in dieser weitgehend mündlichen Kultur eng vernetzt, welche Rolle spielen Monumente, und können wir von sozialem und kulturellem Gedächtnis sprechen? Inwieweit ist der Allerweltterminus "Erinnerungsort" überhaupt noch brauchbar? Ist der Gedächtnisboom mehr als eine therapeutische Alternative zur handfesten Geschichtsforschung?
„Die Konstruktion der Personalität: Die Rolle von Erinnerung und Theory of Mind“
16.01.2012, Prof. Albert Newen (RUB, Philosophie)
Was zeichnet uns als Person aus und wann vermögen wir uns selbst und andere als Person zu erfassen? Dazu gehört ein autobiographisches Gedächtnis, eine stabile Erinnerung über sich selbst. Unsere Erlebnisse stehen immer im Kontext eines Selbstbildes, das durch die Erinnerung entsteht und sich verändert. Da Erinnerungsprozesse in hohem Maße konstruktiv sind, überträgt sich diese Eigenschaft auf unsere Modellierung von Personen. Der Philosoph Prof. Newen erläutert in seinem Vortrag, wie unser Bild von uns selbst und von anderen ausfällt und in welch hohem Maße sie davon bestimmt sind, wie wir uns selbst und andere aktiv gestalten und interpretieren.
„Die wiedergefundene Vergangenheit: Erfahrungsgeschichten und Selbstdeutungen von Kriegskindern des 2. Weltkriegs“
23.1.2013, Prof. Jürgen Reulecke (Gießen, Zeitgeschichte)
Erst im Ruhestand hat seit etwa zehn Jahren eine wachsende Zahl von Kriegskindern des 2. Weltkriegs, geboren in dem Jahrzehnt um 1940, damit begonnen, sich intensiver mit ihren Erfahrungen im Krieg und in der Nachkriegszeit auseinanderzusetzen. In seinem Vortrag zeigt der Zeithistoriker Prof. Reulecke, wie das Gespräch zwischen Psychowissenschaftlern und Historikern inzwischen dazu geführt hat, sich intensiver mit Kriegskinderbiographien zu beschäftigen, um die lebenslang nachwirkenden Folgen frühkindlicher Erfahrungen mit Krieg, Vertreibung und Vaterverlust besser zu verstehen.
„Erinnerungskulturen in Deutschland und nationale Identität“
30.1.2013, Prof. Dr. Stefan Berger (RUB, Institut für soziale Bewegungen)
Nationale Identitäten beruhen auf der Konstruktion kollektiver Erinnerungen. Die vielfältigen Brüche in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts überlappen sich und begründen zum Teil unvereinbare Erinnerungsdiskurse. Prof. Berger stellt den Wandel kollektiver nationaler Erinnerung vom Kaiserreich zur Weimarer Republik zum Nationalsozialismus, zu den beiden Deutschlands nach 1945 dar und fragt nach der Transformation nationaler Erinnerungskulturen im wiedervereinigten Deutschland nach 1990. In dieser Abfolge nationaler Erinnerungsdiskurse werden die Versprechungen, aber auch die Gefahren und kriminellen Energien solcher Erinnerungskulturen deutlich. Gibt es Alternativen zu den bis heute andauernden Versuchen der nationalen Identitätsstiftung über gemeinsame Erinnerungskulturen?
„Geteilte Erinnerung. Zur kollektiven Identität des europäischen Demos“
06.02.2013, Prof. Claus Leggewie (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen)
Manche Zeitgenossen behaupten, ein europäisches Volk könnte es niemals geben. Prof. Leggewie hält dagegen und analysiert die "geteilten Erinnerungen" als mindestens ebenso wichtige Voraussetzung europäischer Wir-Identität wie Binnenmarkt, Euro-Währung und Freizügigkeit von Kapital und Arbeit. Europäer in Ost und West und Nord und Süd teilen gemeinsame historische Erfahrungen. Diese sind nicht identisch, aber die gemeinsame, auch konflikthafte Bearbeitung von Erinnerungskonflikten kann eine kollektive Identität stiften. Leggewie erläutert das an Beispielen aus dem deutsch-französischen und deutsch-polnischen Verhältnis sowie aus den euro-mediterranen Beziehungen.