Hörsaal City - Vortragsreihe des Rektorats

Wintersemester 2011/12

Hörsaal City ist die zentrale Vortragsreihe der Ruhr-Universität Bochum im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets unter der Schirmherrschaft des Rektorats. Sie will mit ihr eine Brücke in die Stadt schlagen und den Bürgern Bochums und der Region aktuelle Themen und Forschungsergebnisse verständlich präsentieren und zur Diskussion stellen.

Logo Hörsaal City

Angst und Risiko – Im Wechselspiel zwischen Person und Gesellschaft

mittwochs 18-20 Uhr
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets Clemensstrasse 17-19, 44789 Bochum

 


Wenn Angst zur Krankheit wird

Termin: 9.11.2011

Was haben Goethe, Freud und Brecht gemeinsam? Sie alle litten unter übermäßiger Angst, die sich zur Krankheit auswuchs. Krankhafte Ängste sind aber kein Problem berühmter Künstler oder Wissenschaftler – es kann uns alle treffen. Auf der Liste psychischer Störungen rangieren sie weltweit auf Platz eins. Was kann man tun, wenn die Angst so übermächtig wird, dass sie ein normales Leben unmöglich macht? Und wie kommt es überhaupt dazu, dass gesunde Angst zur Krankheit wird? Prof. Margraf verrät die Antworten, die die Wissenschaft in den letzten Jahren auf diese Fragen gefunden hat.

Prof. Dr. Jürgen Margraf (RUB – Klinische Psychologie und Psychotherapie)

 

Nur Monster unterm Bett?

Angststörungen im Kindes- und Jugendalter

Termin: 16.11.2011

Ängste kennt jedes Kind, sie gehören zu seiner normalen Entwicklung, aber im Übermaß wachsen sie sich zu Krankheiten aus. Aktuelle Studien weisen eindringlich darauf hin, dass Angsterkrankungen zu den häufigsten psychischen Störungen bei Kindern gehören. Zudem wissen wir heute, dass sie ein Schrittmacher für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter sind. Prof. Schneider gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über Ängste im Kindes- und Jugendalter und fragt danach, was ist Angst? was sind normale und was sind krankhafte Ängste? wie entstehen Ängste und wie können sie behandelt werden?

Prof. Dr. Silvia Schneider (RUB – Klinische Kinder- und Jugendpsychologie)

 

Wie Stress unsere Erinnerungen beeinflusst

Termin: 23.11.2011

Es sind die starken, aufwühlenden Erlebnisse, die sich in unser Gedächtnis einbrennen. Wir schütten Stresshormone aus und diese formen unser Gedächtnis. Gleichzeitig kennt aber jeder von uns Situationen, in denen er sich unter Stress nicht an bestimmte Dinge wie zum Beispiel eine Telefonnummer oder einen Namen erinnern kann. Wiederum sind es die Stresshormone, die nun unser Erinnerungsvermögen schwächen. In seinem Vortrag erläutert Prof. Wolf, wie diese entgegengesetzten Wirkungen von Stress entstehen und wie man dieses Wissen für Therapie nutzen kann.

Prof. Dr. Oliver Wolf (RUB – Kognitionspsychologie)

 

Angst, Risiken und (gute) Entscheidungen

Termin: 30.11.2011

Angst verleiht angeblich Flügel, doch soll sie auch ein schlechter Ratgeber sein. Und wer keine Angst habe, leide an Phantasiemangel. Unsere Redensweisen über Angst sind voller Gegensätze. Insbesondere wir Deutschen scheinen einen Hang zu irrationalen Ängsten zu haben; im angelsächsischen Sprachraum spricht man daher von der “German Angst“ als nationaler Eigenschaft. So verwundert nicht, dass nur wenige Tage nach der Katastrophe von Fukujima in Deutschland – 9.000 Kilometer entfernt – die Geigerzähler ausverkauft waren. Prof. Hertwig geht in seinem Vortrag der Frage nach, vor welchen Risiken wir uns eigentlich fürchten, warum wir uns vor ihnen fürchten und wie Ängste und Risiken unsere Entscheidungen beeinflussen.

Prof. Dr. Ralph Hertwig (Uni Basel – Cognitive and Descisions Sciences)

 

Todesangst:

Leben mit dem Wissen der Endlichkeit unserer Existenz

Termin: 14.12.2011

Zwar leben wir im Alltag, als ob unser Leben unendlich währen wird. Dennoch werden wir immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Im Grunde wissen wir, dass unser Leben endlich ist. Was bedeutet diese Bedrohung durch den Tod, und wie können wir erfolgreich mit allgegenwärtiger Todesangst umgehen. Die Sozialpsychologie kennt bestimmte Vorstellungen und Identifikationen, die diese unausweichliche Bedrohung verringert. In seinem Vortrag zeigt Prof. Bierhoff erfolgreiche Auseinandersetzungen mit der Endlichkeit der Existenz und ihre weitreichenden sozialpsychologischen und kulturellen Folgen auf.

Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff (RUB – Sozialpsychologie)

 

Die Angst und ihre Pfade im Gehirn

Termin: 18.1.2012

Angst ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein Prozess im Gehirn. Erfahrungen prägen das Gehirn und das Gehirn verändert an Millionen von Kontaktstellen zwischen Nervenzellen seine Gestalt. So wird die Angst im Gehirn manifest. Und so erleben wir danach bestimmte Situationen immer wieder nur durch die Brille der Angst. Prof. Güntürkün erläutert in seinem Vortrag, wie und wo sich die Gestalt unseres Nervensystems beim Erlernen der Angst verändert und wie das Konzert der Angst in unserem Gehirn aussieht.

Prof. Dr. Onur Güntürkün (RUB – Biopsychologie)

 

Aus Angst geboren:

Geschichte der Versicherungen und des Risiko-Konzeptes

Termin: 25.1.2012

Angst gehört zwar zur Natur des Menschen, aber das Angstgefühl unterliegt sozialen, kulturellen und historischen Gegebenheiten. So lässt sich zeigen, dass die Geburt der Versicherung aus der Angst vor wirtschaftlichen Verlusten erfolgte. Prof. Zwierlein erzählt ihre Geschichte: Im Spätmittelalter entstand im mediterranen Raum Europas etwa die Prämien-Versicherung für Warentransporte übers Meer. So entkoppelte man physikalische Schicksalsschläge von der Welt der Werte. Schäden wurden ersetzbar und die Zukunft in Grenzen planbar. Vor dem Hintergrund von Klimawandel, Technik- und Naturkatastrophen könnte Angst heute jedoch in ganz neue Räume ausgreifen.

Prof. Dr. Cornel Zwierlein (RUB – Umweltgeschichte)

 

Risikokompetenz –

Informiert und entspannt mit Risiken umgehen

Termin: 1.2.2012

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer (MPI Bildungsforschung, Berlin – Harding Zentrum für Risikokompetenz)

Davon sind wir weit entfernt. Viele Menschen lassen sich immer wieder dazu verführen, sich panisch vor jenen Risiken zu fürchten, die kaum existieren und zugleich andere Risiken einzugehen, welche Vielen Gesundheit und Leben kosten. Wir verlangen von Ärzten, Bankern und Politikern Gewissheiten, die nicht existieren, und sie liefern diese: die Illusion der Gewissheit. Wenn eine Krise auftaucht, eine wirkliche oder nur vorgestellte, dann rufen wir nach besserer Technologie, mehr Bürokratie und strengeren Gesetzen. Woran kaum gedacht wird, sind kompetentere Bürger, einschließlich Experten. Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten sollte endlich zum Kern der Bildung in einer modernen technologischen Gesellschaft werden.

Idee und Organisation: Dr. Josef König, Pressestelle
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jürgen Margraf (RUB – Klinische Psychologie und Psychotherapie)