Hörsaal City - Vortragsreihe des Rektorats

Sommersemester 2012

Hörsaal City ist die zentrale Vortragsreihe der Ruhr-Universität Bochum im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets unter der Schirmherrschaft des Rektorats. Sie will mit ihr eine Brücke in die Stadt schlagen und den Bürgern Bochums und der Region aktuelle Themen und Forschungsergebnisse verständlich präsentieren und zur Diskussion stellen.

 

Logo Hörsaal City„Das Mittelmeer: Sehnsüchte – Interessen – Konflikte“

mittwochs 18-20 Uhr
Haus der Geschichte des Ruhrgebiets Clemensstrasse 17-19, 44789 Bochum

 

25.04.2012: „Closed Shop Europe: Flüchtlinge auf Lampedusa und der Arabische Frühling“

Priv.-Doz. Dr. Heidrun Friese (Frankfurt/Oder - RUB)

Bilder, die um die Welt gegangen sind: Nach der tunesischen Revolution im Januar 2011 ergriffen Tausende junger Männer die Gelegenheit, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und sich auf den Weg nach Europa zu machen. Auf hoffnungslos überladenen Booten erreichten sie die Insel Lampedusa, den winzigen Vorposten Europas im Mittelmeer. Eine der dringlichsten, politisch hochgradig umstrittenen Fragen unserer Zeit ist, wie Europa diejenigen aufnimmt, die seine Grenzen überschreiten. Der Vortrag wird sich mit rechtlichen, politischen und sozialen Aspekten dieser Flüchtlings-Mobilität auseinandersetzen.

02.05.2012: „Imperium Romanum – Frühe Globalisierung am Mittelmeer“

Prof. Dr. Achim Lichtenberger (RUB – Klassische Archäologie / Vorstand im Zentrum für Mittelmeerstudien)

Das Imperium Romanum war das einzige Großreich der Geschichte, welches das gesamte Mittelmeer und die angrenzenden Küsten beherrschte. Die politische Herrschaft führte zu einer gemeinsamen kulturellen Formensprache, welche von der Klassischen Archäologie an zahlreichen Denkmälern und Monumenten abgelesen werden kann. Hinter der vermeintlichen Vereinheitlichung der Ausdrucksformen verbergen sich jedoch verschiedene Lokaltraditionen. Diesem Spannungsverhältnis von römischer Leitkultur und selbstbewusster Regionalisierung soll anhand archäologischer Fallbeispiele nachgegangen werden.

09.05.2012: „Sex im Mittelmeerraum – Eine Ethnologie der Sehnsüchte“

Prof. Dr. Dieter Haller (RUB – Sozialanthropologie / Vorstand im Zentrum für Mittelmeerstudien)

Der Mittelmeerraum bezieht seine Anziehungskraft zu einem Gutteil aus den sexuellen Begierden und erotischen Vorstellungen, die mit ihm verknüpft sind: Gerade in der Méditerranée kann man weit zurückgehen, um zu eindrücklichen graphischen Darstellungen (wie den Fresken in Pompeji) und Schriftzeugnissen (so im Hohen Lied Salomo) zu gelangen. Der Vortrag stellt das spannungsreiche Verhältnis zwischen solchermaßen normativen Erwartungen an hemmungsloses Lust- und Sinnenleben und die rigiden Sexualmoralitäten Eingeborener einerseits sowie gelebter sexueller Praxis andererseits in den Mittelpunkt.

20.06.2012: „Wohin schlittert Syrien? Ein Land in der Zerreißprobe zwischen Europa und Arabien“

Dr. Anja Zorob (RUB – Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik)

Syrien - ein Land in der Zerreißprobe zwischen Europa und der arabischen Welt. Seitdem die EU im Frühjahr 2011 erste Sanktionsmaßnahmen gegen das Land und das Regime um Präsident Bashar al-Assad erließ, „existiert Europa“ nach Aussagen des syrischen Außenministers „nicht mehr auf der Landkarte“. Auch in der arabischen Welt hat sich Syrien weitgehend isoliert. Europäer und Araber wandten sich gemeinsam an den UN-Sicherheitsrat. Das Regime zeigt sich unbeeindruckt, trotz der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage und der sich ausbreitenden Proteste. Versagen Diplomatie und Sanktionen einmal mehr?

27.06.2012: „Von Kreuzzügen und Friedensschlüssen – Vorläufer moderner Diplomatie zwischen Islam und Christentum“

Prof. Dr. Nikolas Jaspert (RUB – Geschichte des Mittelalters / Vorstand im Zentrum für Mittelmeerstudien)

Was haben die Kreuzzüge mit moderner Diplomatie zu tun? Handelte es sich bei ihnen nicht um die ersten europäischen Kolonialkriege im Mittelmeerraum? Oder sogar um die ersten Vernichtungskriege Europas? In dem Vortrag werden solche gegenwärtigen, aber auch historische Deutungen der mediterranen Kreuzzüge analysiert und den zu wenig bekannten Bemühungen um Konfliktausgleich und Konfliktregelung im Mittelalter gegenübergestellt. Wie verständigten sich Christen und Muslime in vergangenen Epochen über die Küsten des Mittelmeers hinweg, und welche Rolle spielten dabei die Juden des Mittelmeerraums?

11.07.2012: „Mythos Méditerranée: Frankreich und das Mittelmeer von Napoleon bis Sarkozy“

Prof. Dr. Manuel Borutta (RUB – Kulturgeschichte des Mittemeerraums)

Seit der napoleonischen Zeit sprachen französische Politiker davon, das Mittelmeer in ein französisches Meer und Nordafrika in eine südliche Verlängerung ihres Landes verwandeln zu wollen. Mit der Errichtung eines französischen Empire im Maghreb schien dieser Wunsch zwischenzeitlich Wirklichkeit zu werden. Der Algerienkrieg verwandelte den Traum von der Méditerranée jedoch in einen Albtraum, der das nationale Selbstverständnis zutiefst erschütterte. Im Rahmen der 2008 gegründeten Mittelmeer-Union wurde der Mythos der Méditerranée zuletzt wiederbelebt. Die jüngste „Arabellion“ bietet Gelegenheit, das französische Mittelmeerdenken einer historischen Bewertung zu unterziehen.