Das Deutsche Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS)
In den USA existiert bereits seit einigen Jahren das Standardwerk der praktischen Straßenverkehrstechnik, den Fachleuten bekannt als "HCM". Jetzt gibt es das entsprechende Pendant auch in Deutschland.
Eine möglichst präzise Ausnutzung des Leistungsvermögens der Straßen wird in zunehmender Weise notwendig. Die Begrenzung des Flächenverbrauchs und der finanziellen Mittel bedingen, dass die Verkehrsanlagen im Gegensatz zu früheren Jahren sehr präzise und knapp zu dimensionieren sind. Dabei ist nicht nur wichtig, die Grenzen der Leistungsfähigkeit einer Verkehrsanlage zu kennen - d.h. wie viel Verkehr verkraftet eine Straße - sondern auch, wie sich die Qualität des Verkehrsablaufs bei steigendem Verkehrsaufkommen verändert.
Dieses
Wissen um die verkehrliche Funktionstüchtigkeit von
Straßenanlagen ist in Deutschland in der wissenschaftlichen
Literatur zwar vorhanden, jedoch ist es dort teils
widersprüchlich oder ohne verbindendes Konzept dargestellt. Hinzu
kommt, dass die entsprechenden Ausführungen über die
unterschiedlichsten Richtlinienwerke verteilt und dementsprechend
schlecht koordiniert sind.
Daher entstand aus der Idee, auch in Deutschland das Konzept eines Standards für verkehrstechnische Berechnungen zu verfolgen, das Forschungsprojekt "Deutsches HCM". Dieses Themenfeld nimmt seit mehr als 10 Jahren einen erheblichen Teil der Arbeiten des Lehrstuhls in Anspruch. Mit dem Erscheinen des HBS 2001 im Januar 2002 kommt diese Entwicklung zu einem vorläufigen Abschluss.
Das amerikanische Vorbild wurde jedoch nicht einfach kopiert. Die für deutsche Verhältnisse zutreffenden Zusammenhänge wurden analysiert, zu praktisch handhabbaren Berechnungsverfahren aufbereitet und z.T. neu entwickelt. Übernommen wurde jedoch der Kern des US-Standardwerkes: die Einteilung in die Stufen der Verkehrsqualität (level-of-service-Konzept).
In 12 Kapiteln wird - für jede Verkehrsart und jedes Verkehrsmittel
getrennt - ein Berechnungsverfahren zur Ermittlung der
Leistungsfähigkeit und der Qualität des Verkehrsablaufs
vorgestellt. Damit kann für alle Straßenbereiche die Güte des
Verkehrsablaufs bestimmt werden - angefangen bei den Autobahnen und
deren Ein- und Ausfahrten, überdie Land- und Hauptverkehrsstraßen,
die Knotenpunkte mit und ohne Lichtsignalanlage, bis zu den Anlagen
für Fußgänger sowie den straßengebundenen öffentlichen
Personennahverkehr. Die Qualitätsbeurteilung umfasst dabei die
Spannweite von Stufe A "keine Beeinträchtigung des Verkehrs" bis
Stufe F "Überlastung der Straße oder Verkehrsanlage".
Das deutsche Handbuch liegt seit 1993 als erster Entwurf des Lehrstuhls vor. Unter dem Arbeitstitel HBS (Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen) wurde in der FGSV (Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen, Köln) eine Expertenkommission (KV6) gebildet. Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dieser Kommission hat der Lehrstuhl zwischen 1999 und 2001 eine abschließende Fassung des geplanten Handbuchs erarbeitet. Eine ganze Reihe der aktuellen Kapitel ist dabei von anderen Forschungsstellen in Kooperation mit Arbeitsausschüssen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV, Köln) formuliert worden. Die Veröffentlichung des Handbuchs findet im Januar 2002 statt.
Veröffentlichungen:
Brilon, Großmann, Blanke: Verfahren für die Berechnung der Leistungsfähigkeit und der Qualität des Verkehrsablaufs auf Straßen. Schriftenreihe Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Heft 669, Bonn, 1994.
Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS 2001), Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen, Köln, Januar 2002.
