Nachrichtenarchiv

Panelbericht: Sicherheit in der Frühen Neuzeit

Auf der 9. Arbeitstagung der AG Frühe Neuzeit leitete Prof. Cornel Zwierlein das Panel „Ein frühneuzeitliches Erfolgsmodell: Sicherheit durch Versicherung“. Zunächst sprach Magnus Ressel über die Entstehung der frühneuzeitlichen Sklavenkassen Nordeuropas. Die Entstehung dieser obligatorischen Proto-Sozialversicherungen mit der Pflicht der Befreiung der von „Barbaresken“ gekaperten nordeuropäischen Seeleute leitete Ressel aus einer spezifisch nordeuropäischen Pfadlogik bei der Interpretation von einschlägigen Stellen des römischen Rechtes her. Es folgte Geoffrey Clark, der eine Analyse eines Samples einiger Dutzend Versicherungspolicen für Sklaventransporte aus dem Barcelona des 15. Jahrhunderts präsentierte. Er konnte dadurch tiefgreifende Einblicke in die soziale Komplexität des frühen Sklavenhandels und seine Systemlogik aufzeigen. Als drittes sprach Eve Rosenhaft über die deutschen Witwenversicherungen während der Frühen Neuzeit. Sie fokussierte dabei auf die impliziten geschlechterspezifischen Aspekte dieser im 18. Jahrhundert besonders stark in Deutschland obrigkeitlich institutionalisierten Versicherungsformen. Zuletzt folgte Cornel Zwierlein, der das früheste bekannte Projekt einer öffentlichen Brandkasse aus dem Straßburg von 1606 vorstellte. Darauf aufbauend erschloss Zwierlein die Tiefenschichten des Konzeptes „Versicherung“ anhand von vier potentiellen Untersuchungsfeldern der Versicherungsgeschichte in den Bereichen „Staatlichkeit“, „Individuum/Gesellschaft“, „Ökonomisierung“ und „Zeit- und Raumbezug“. Wolfgang Behringer kommentierte das Panel, das er als zum Tagungsthema sehr passend bezeichnete. In seinem Kommentar rekurrierte er noch deutlich auf die kulturelle Erlernung des Konzeptes vom Zufall im Verlauf der Frühen Neuzeit, was den Versicherungen als Grundlage unerlässlich vorausgelegen habe.

Neue Publikation

Cornel Zwierlein: Der gezähmte Prometheus. Feuer und Sicherheit zwischen Früher Neuzeit und Moderne, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (=Umwelt und Gesellschaft Bd.3) 2011, 464 S.
ISBN: 978-3-525-31708-2

In der Vormoderne stellen Stadtbrände eine der größt-möglichen Katastrophen überhaupt dar: Sie vernichteten alles Hab und Gut, brannten Städte bis auf den Grund nieder und markierten zugleich die Grenzen der Beherrschbarkeit der Natur. Feuerversicherungen waren seit dem 17. Jahrhundert als Vorläufer heutiger Versicherungsgiganten die frühesten Formen institutioneller serieller Katastrophenbeobachtung. Cornel Zwierlein verfolgt Umfang, Charakter und Wahrnehmung großer Brandkatastrophen der Vormoderne, die Entwicklung des Versicherungsprinzips und der Feuerversicherung in Deutschland und England von der Frühzeit im 15. bis in die Hochzeit der Globalisierung im 19. Jahrhundert, von Istanbul über Kalkutta/Bombay bis in die USA. Die Studie liefert damit einen wesentlichen Beitrag zur Katastrophen- und Scherheitsgeschichte.

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Soutenance / Verteidigung von Herrn Dr. des. Magnus Ressel

Am 6.7.2011 fand die erfolgreiche Soutenance / Verteidigung der Dissertation „Zwischen Sklavenkassen und Türkenpässen. Nordeuropa und die Barbaresken in der Frühen Neuzeit“ statt. Die Dissertation war in Form einer deutsch-französischen Cotutelle angefertigt worden, weshalb eine deutsch-französische Jury zur Verteidigung geladen war. Dem Prüfungsvorsitzenden Lucian Hölscher (RUB) sowie den Juroren Cornel Zwierlein (RUB), Wolfgang Kaiser (Paris I – Sorbonne), Nikolas Jaspert (RUB), Mark Häberlein (Universität Bamberg), Silvia Marzagalli (Université de Nice) und Burghart Schmidt (Université Paul Valéry, Montpellier III) sei für ihr Mitwirken sehr herzlich gedankt. Die Jury bewertete die Dissertation mit Très honorable avec les félicitations à l'unanimité / summa cum laude.


Tagung der AG Frühe Neuzeit: Sicherheit in der Frühen Neuzeit

Vom 15. bis 17. September 2011 findet die diesjährige Tagung der AG Frühe Neuzeit (auch bekannt als der Historikertag der Frühen Neuzeit) an der Philipps-Univertsität Marburg unter dem Rahmenthema "Sicherheit in der Frühen Neuzeit" statt. Auch die Umweltgeschichte der Ruhr-Universität Bochum wird hier mit einem eigenen Panel vertreten sein.
Am Freitag, 16. September 2011, 8:30 bis 10:30 Uhr findet unter der Leitung von Prof. Cornel Zwierlein die Sektion "Ein frühneuzeitliches Erfolgsmodell: Sicherheit durch Versicherung" statt. Das Sektionsprogramm gelstaltet sich durch folgende Vorträge:

Magnus Ressel (Bochum): Der Ursprung der nordeuropäischen Sklavenkassen und Sklavereiversicherungen im 17. Jahrhundert

Geoffrey Clark (Potsdam, NY): Insuring Slaves in Early Modern Europe

Eve Rosenhaft (Liverpool): Geschlecht und Sicherheit: Paradoxien bürgerlicher Familienfinanzen im 18. Jahrhundert

Cornel Zwierlein (Bochum): Schiffe, Witwen, Sklaven, Feuer, Hagel...: Zur Universalisierung des Versicherungsprinzips seit dem 17. Jahrhundert

Wolfgang Behringer (Saarbrücken) wird kommentieren.

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Journée d'Etude in Paris

Im Rahmen des DFG/ANR-Projekts "eurolap" findet am 9. und 10. September in Paris, in den Räumlichkeiten der University of Chicago, Dependance Paris eine Arbeitstagung zu Fachsprachen, organisiert von Prof. Cornel Zwierlein, statt.

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Exkursion nach Frankreich "Stationen zur Geschichte des 16. bis 20. Jahrhunderts"

Vom 13. bis 18. Juni war Herr Zwierlein zusammen mit Kollegen Lemmes und Seminarteilnehmern aus dem Hauptseminar 'Französische Geschichte' und aus früheren Seminaren auf Exkursion in Frankreich (Metz-Verdun-Reims-Paris-Tours).


Studierende des Intensive Tracks schnupperten erstmals Archivluft!

Im Rahmen des Intensive Track-Programms haben die Teilnehmer der Veranstaltung „Forschen in der Umweltgeschichte“ das erste Semester erfolgreich hinter sich gelassen. Den Abschluss und zugleich auch den Höhepunkt des Wintersemesters bildeten die in der letzten Woche stattgefundenen deutschlandweiten Archivreisen, bei denen die Teilnehmer im Kontext ihrer jeweiligen Teilprojekte selbstständig weitere Quellen erschlossen haben und bisweilen zum ersten Mal Archivluft schnuppern konnten. Die Studenten reisten hierfür projektbezogen und in Kleingruppen aufgeteilt nach Berlin ins Bundesarchiv, in das Universitätsarchiv und das Institut für Länderkunde nach Leipzig, sowie in das Universitätsarchiv und in das Archiv der Akademie der Wissenschaften nach Göttingen. Alle Teilnehmer kehrten nicht nur mit einem Erfahrungsgewinn im Gepäck nach Bochum zurück, sondern auch mit neuem Quellenmaterial, das es nun gilt auszuwerten.


Die Umweltgeschichte im Schülerlabor

Am 25. Februar 2011 fand im Alfried Krupp-Schülerlabor der RUB ein Geisteswissenschaftliches Schülerlabor unter dem Titel "Vom Lissabonner Erdbeben 1755 bis Tschernobyl 1986. Natur- und Technikkatastrophen in der Geschichte" statt. Unter der Leitung von Prof. Cornel Zwierlein hatten sich 25 interessierte Schüler und Schülerinnen der Oberstufe von Schulen aus der Umgebung angemeldet, um mehr über den Beruf und das Handwerk des Historikers zu erfahren. Im Rahmen eines Vortrages erhielten die Schüler/innen einen Einblick in Betätigungsfelder und Arbeitsweisen mit Schwerpunkt auf der Katastrophengeschichte. Im Anschluss hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit in kleineren Gruppen unterstützt durch Doktoranden selbst Inhalte aus verschiedenen Quellengattungen zur Katastrophengeschichte in der Frühen Neuzeit und Moderne zu bearbeiten, inhaltlich zu erschließen und interpretativ zu analysieren. Von frühneuzeitlichen Stadtbrandbildern, Handschriften und Flugblättern zu Stadtzerstörungen bis hin zu Zeitungsartikeln über Tschernobyl und dem Thema "Oral History" zum Hurricane Katrina konnten so verschiedenste Einblicke gewährt und Zugänge zum wissenschaftlichen Arbeiten mit historischen Quellen erarbeitet und "entdeckt" werden. Abgeschlossen wurde der workshop mit dem Zusammentragen der Ergebnisse der einzelnen Gruppen.



Preisverleihung des Max-Weber Preises der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an Prof. Cornel Zwierlein

Historikertag 2010 in Berlin, Sektionsbericht

Im Rahmen des 48. Historikertags in Berlin "Über Grenzen" (28.09.10-01.10.10) fand unter der Leitung von Prof. Cornel Zwierlein die Sektion "Grenzen der Sicherheit – Grenzen der (Spät-)Moderne?" statt. In dieser Sektion referierten und diskutierten neben Cornel Zwierlein selbst Steffen Patzold, Stefanie Rüther, Stig Förster und Eckart Conze, kommentiert wurde sie von Christopher Daase.

Publikation

Historical Social Research/ Historische Sozialforschung
HSR Vol. 35 (2010) No. 4 – Special Issue: Human Security

Special Issue:
Cornel Zwierlein, Rüdiger Graf & Magnus Ressel (Eds.):
The Production of Human Security in Premodern and Contemporary History / Die Produktion von Human Security in Vormoderne und Zeitgeschichte
376 pages.



‚Human Security‘ ist ein seit den 1990ern in den Politikwissenschaften und der internationalen Politik auf Ebene der UN neu eingeführter Begriff erweiterter Sicherheit, der darauf abzielt, direkt den Menschen anstatt von Staaten als Akteur und Adressat von Sicherheitspolitik zu fokussieren. Er umfasst so unterschiedliche Gegenstände wie klassische internationale Sicherheitspolitik, Naturkatastrophen und Gefahren durch Straßenverkehr. Human Security soll die ältere state security und damit das sog. ‚Westfälische System‘ ersetzen, wonach nur souveräne staatliche Akteure internationale Politik betreiben.

Vertreter des human-security-Konzepts verwenden ein historisches Narrativ, wonach die aktuelle Erweiterung des Sicherheitsbegriffs nichts Neues sei. Vielmehr handele es sich um die Rückkehr eines älteren, vormodernen und prä-westfälischen Sicherheitskonzepts. Hiernach wäre die Ära des modernen Nationalstaats mit ihren scharfen Unterscheidungen zwischen Innen- und Außenpolitik, zwischen privater und staatlicher Sicherheit eine historische Ausnahme.

Die Beiträge dieses Special Issue von Historical Social Research nehmen dies zum Anlass, um frühneuzeitliche und spätmoderne Sicherheitsregime gegenüberzustellen. Sie erproben sich dabei zum einen an einer Vorgeschichte von Human Security und zum anderen an human security als einem heuristischen Instrument für den interepochalen Vergleich in der Sicherheitsgeschichte.


'Intensive Track' in der Umweltgeschichte

Professor Zwierlein bietet im Rahmen des 'Intensive Track'- Programms als zusätzliche Einrichtung im Optionalbereich eine zweisemestrige Veranstaltung "Forschen in der Umweltgeschichte" an.
Ansprechpartner: Prof. Zwierlein: cornel.zwierlein@rub.de
Marco Heckhoff (M.A): marco.heckhoff@rub.de