WAZ Bochum
Donnerstag, 02. August 2007
Wenn Poesie durch den Hochbunker klingt
Gerd Herholz vom Literaturbüro Ruhrgebiet entdeckt in Bochum eine lebendige
Szene: im Schauspielhaus und in den Buchhandlungen
"Tief im Westen/wo die Sonne verstaubt/ist es besser/viel besser als man glaubt." Mit diesem
Zitat aus Herbert Grönemeyers legendärem Hit über die Heimatstadt beginnt der Blick auf die
Literatur-Szene in Bochum.
Geschrieben hat das kleine Porträt Gerd Herholz, Leiter des Literaturbüros Ruhrgebiet in Gladbeck.
Das literarische Leben in Bochum pulsiert! Gerd Herholz hat die Revier-Städte durchstreift und
ist fündig geworden. Auch Bochum macht da keine Ausnahme. Zwar hätte Grönemeyer damals in seinem
Song von einer Bochumer Literaturszene "nichts zu singen gewusst", schreibt Herholz, doch das
habe sich entscheidend gewandelt. Gerd Herholz zählt auf: "Das Schauspielhaus Bochum, zu dessen
Ensemble Grönemeyer einmal gehörte, bietet nicht nur dem Macondo-Literatur-Festival regelmäßig
eine Bühne, dort rezitierte Peter Turrini auch Turrini selbst. In die Eve-Bar wird zu Poetry Slams
eingeladen und in Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft lässt das Theater Daniel Kehlmann
oder Ingo Schulze lesen.
Seit 2004 versucht auch die Ruhr-Triennale mit einer kleinen Reihe und prominenten Autoren und
Rezitatoren Literatur vorzustellen. Faszinierend ist dabei vor allem der Ort: die Jahrhunderthalle.
"No-budget-arts" nennt sich eine Kulturinitiative mit Sitz in der so genannten Bastion, einem ehemaligen
Hochbunker, der jetzt eine Lounge bietet und Clubbing auch für die Literatur im Ruhrgebiet entdeckt.
Hier wird das Crossover von Musik, Theater, Performance und Literatur gepflegt. Nach der Lesung? Party!"
"Auch die Studentengruppe 'Treibgut' liebt Parties, Lesungen und Konzerte", schreibt Gerd Herholz und
führt aus: "In der Reihe 'Gestrandet' werden auf einer 'offenen Bühne' abseits vom Mainstream junge
Autoren vorgestellt. Der schöne alte Bahnhof Langendreer lädt gern vitale Dissidenten wie Wiglaf
Droste ein. Bei freiem Eintritt gibt's regelmäßig Lesungen von Autoren aus Afrika und Lateinamerika.
Das Kulturhaus Thealozzi füllt alljährlich sein 'Idiotenaquarium'. Die spannende Literaturnacht mit
Gästen aus dem Hamburger 'Machtclub" z.B. war Charles Bukowski verpflichtet: 'Die meisten Menschen
werden als Genies geboren und sterben als Idioten.' Nur wenige Sitzplätze bietet die Buchhandlung
Jansen im Bermuda-Dreieck (vielleicht das gastronomisch hippeste Viertel des Ruhrgebiets), die Lesungen
sind also schenll ausverkauft."
natürlich vergißt Gerd Herholz nicht, die Literaturzeitschrift "Macondo" zu erwähnen, die sich als
Forum für literarische Talente etabliert habe: "Dort wurden Jungautoren wie Jan Wagner oder Kristof
Magnusson vorgestellt."
Soweit Gerd Herholz vom Literaturbüro. Es ist natürlich wohltuend, die Bochumer Literaturszene einmal
von außen gewürdigt zu sehen. Eine kleine Ergänzung: Seit einiger Zeit sind auch in der Buchhandlung
Napp an der Pieperstraße (gegenüber Meinolphus) empfehlenswerte Lesungen im Angebot.
etz
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur
Samstag, 01. Juli 2007
Von der Ironie des Alltags
Bochum. Querenburg - Eine einzige rote Kerze
steht auf dem Tisch, leuchtet warm auf das Blatt Papier des Autors.
Unterstützt von einer Schreibtischlampe bringt sie Licht in das Kulturcafé
der Bochumer Ruhr-Universität, wo nun schon seit fünf Jahren regelmäßig
Lesungen junger Autoren stattfinden. Die Studenteninitiative "Treibgut"
organisiert die Lesereihe "Gestrandet" und feierte am Donnerstag fünfjähriges
Bestehen.
Jenes Treibgut, das am Jubiläumsabend gestrandet ist, heißt Kirsten
Fuchs und Jan Off. Angespült aus Berlin und Braunschweig, lassen sie
die Zuhörer eintauchen in ihre Welt der Kurzgeschichten. Kirsten Fuchs
ist seit vier Jahren professionelle Autorin, gereift durch Berlins
Lesebühnen. Zu ihrem Repertoire zählen neben Kurzgeschichten eineinhalb
Romane (der zweite ist gerade in der Mache) und Kolumnen bei der
"Tageszeitung". "Wenn ich im Alltag Dinge erlebe, über die ich mich
ärgern würde, dann freue ich mich. Denn diese Erlebnisse modele ich dann
in Geschichten um", erzählt die Autorin. Ihre Texte sind mitreißend,
witzig, ironisch. Man kann sich wieder finden in ihren
Alltagserzählungen - und muss dann zwangsläufig über sich selbst lachen.
Derb und sympathisch
Jan Off, Musiker und Autor mehrerer Erzählbände gibt sich rau, derb und
sympathisch. Seine Geschichten scheinen seiner Jugend als Punker
entzogen. So erzählt er zum Beispiel, wie er in eine Straßenbahn pinkelt
- aber dabei peinlicherweise von einer Blondine im Nebenauto beobachtet
wird, die sich fürchterlich über ihn lustig macht.
Es ist diese Mischung aus Derbheit und jugendlicher Naivität seiner
Protagonisten, die zum Lachen bringt. "Die meisten Themen haben eine
Musikreferenz", erzählt Denise Schynol. Sie hat vor fünf Jahren die Idee
zu der Lesereihe gehabt, die finanziell vom Kulturbüro Boskop
unterstützt wird. Einmal im Semester finden die Lesungen statt, die ein
breites Publikum anziehen. "Es ist schon erstaunlich, was sich aus einer
anfänglichen Schnapsidee alles entwickelt hat", zieht Denise Schynol
Bilanz. "Und das Ende ist noch lange nicht absehbar".
ged
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur
Samstag, 28. Oktober 2006
Querschnitt durch politische Meinungen
boSKop-Literaturwettbewerb "Aufbruchstellen" wurde oft auch sehr persönlich
Bochum. "Wir brauchen wieder mehr Politik in der Literatur, insbesondere
der von jungen Leuten" - Ulrich Schröder von der Initiative "Treibgut - junge Literatur
in Bochum" machte die Intention des boSKop-Literaturwettbewerbes "Aufbruchstellen" bei der
Preisverleihung am Donnerstagabend ganz deutlich.
Die Organisatoren der "Aufbruchstellen" wollten es genau wissen und mit dem bundesweiten
Wettbewerb einen Meinungsquerschnitt deutscher Studenten bieten. Beteiligt waren neben AKAFÖ und
der Studentischen Kulturoperative boSKop das Schreibhaus Bochum und die Stadt.
Einige junge Autoren überzeugten unter 146 Einsendungen besonders und stellten ihre Kurzgeschichten
im Musischen Zentrum vor. Den Anfang machten die vier Anwärter auf den Publikumspreis. Katharina
Bendixen, Rolf Chung, Thomas Schindler und Kerstin Budde lasen von "dem der am Boden lag",
verwirrenden Telefontarifen und nachdenklichen Autofahrten.
"Das ist schon mal ein guter Querschnitt durch die Einsendungen", fasste Ulrich Schröder zusammen.
"Es sind nicht alle Geschichten hochpolitisch geworden, viele sind sehr persönlich gefärbt." Den
Zuschauern gefiel am Ende besonders der Text von Thomas Schindler.
Sehr unterschiedlich waren die Themen auch bei den vier "Gewinnerlesungen". Die Sieger standen schon
vorher fest, nur nicht ihre Reihenfolge und wer von ihnen den Bochumer Sonderpreis erhalten würde.
Und auf einen ersten Platz konnte sich die Jury auch gar nicht einigen. Das Autorenkollektiv "Schroeter
und Berger" mit multimedialer Präsentation zu einem Polizisten teilte sich die Ehre mit Mirko Kussin,
der über den kranken deutschen Staat geschrieben hatte. Dritter wurde Adalbert Geiger. "Bochumer Liebling"
wurde Anna Zygiel.
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Gruppenbild - von links: Rolf Chung, Denise Schynol (Treibgut), Thomas Schindler (Publikumspreis),
Uri Bülbül (Schreibhaus), Adalbert Geiger (3. Preis), Jörg Lüken (AKAFÖ), Ulrich Seifert (boSKop),
Ulrich Schröder (Treibgut), Mirko Kussin (geteilter 1. Preis), Schroeter und Berger (Maximilian
Sauerbier und Sebastian Helm, geteilter 1. Preis), Katharina Bendixen, Anna Zygiel (Bochumer
Sonderpreis), Kerstin Budde, Karin Kress (Schreibhaus)
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur, Seite 6
Samstag, 17. Dezember 2005
Von Paruresis bis "Ocean's Eleven"
Treibgut-Lesung im Kulturcafé
BOCHUM. Dem Motto "Zwanzigtausend Zeilen unter dem Meer" folgend
stand das Kulturcafé der Ruhr-Universität am Donnerstag
einmal mehr ganz im Zeichen der Literaturinitiative "Treibgut".
Den Auftakt zur 17. Lesung aus der Reihe "Gestrandet"
bestritt Nachwuchsautor Joschka Haltaufderheide aus Wetter
mit Auszügen aus seinem aktuellen Programm "Beobachtungsposten"
und beeindruckte mit der multimedialen Präsentation seiner
mal melancholisch-schwermütigen, mal surreal-humorvollen Texte,
bei der die Zeilen teilweise von suggestiver Musik und auf
den Bühnenhintergrund projizierten Filmclips untermalt wurden.
Besonders gelungen war seine Installation "Der Teufel und die
Fliegen", die an die alptraumhaften Bilder japanischer
Horrorfilme erinnerte.
Eine sensible Geschichte über das Erwachsenwerden und die
gemischten Gefühle einer jungen Frau, die sich gerade von
ihrem Elternhaus gelöst hat, lieferte danach Treibgut-Autorin
Julia Sandforth. Anschließend betrat der vom Niederrhein stammende Wahl-Berliner und selbsternannte "Undergroundpoet"
André Lohmann die Planken der Treibgut-Bühne. mit unfehlbarer
Treffsicherheit und bissigem Witz strapazierte Lohmann die
Lachmuskeln des Publikums, als er über seine Erfahrungen als
Lateinlehrer im Praktikum, unliebsame Gespräche auf einer
Zugfahrt von Duisburg nach Berlin und mit dem Krankheitsbild
der Paruresis (die psychisch bedingte Unfähigkeit, auf
öffentlichen Toiletten Wasser zu lassen) berichtete.
Zwei Treibgut-Mitglieder gaben an diesem Abend ihr Debüt.
Während die Protagonistin in Kerstin Schneiders romantischer
Kurzgeschichte "Hier nur nicht überall" fürchtet, ihre
Beziehung könne gegen ihren Willen an ihren Karriereplänen
zerbrechen, schmieden zwei Freunde in Christoph Villis'
augenzwinkernder Farce "Birnen schimmeln schwarz", angeregt
durch den Film "Ocean's Eleven", einen Plan, um ihren
gemeinsamen Kumpel aus einer verhängnisvollen Kurzbeziehung
zu retten.
Die offene Bühne bot schließlich Christoph Manfred Müller,
Sengül Bayrakli und Dustin Saßenroth Gelegenheit, ihr
vielversprechendes literarisches Können unter Beweis zu
stellen.
Thorsten Hoops
RUHR NACHRICHTEN
Bochum, 1. Lokalseite
31. März 2005
Hartmut sperrt den Strom ab
Romanheld will Wiemelhauser Nachbarschaft erziehen / Einblick in Männer-WG
BOCHUM. Eine Wohnung in Wiemelhausen, gegenüber der Gaststätte Seier. Dort wohnen „Hartmut und ich“.
Oliver Uschmann, Germanist und Dozent an der Ruhr-Uni, plaudert in seinem Erstlingsroman aus
seinem Bochumer Studentenleben, von einer unglaublichen Männer-WG in einem heruntergekommenen Haus, dessen Keller,
angefüllt mit uralten Autoteilen, einem Schrottplatz gleicht, und der lieben Nachbarschaft.
Die treibt Hartmut, den Philosophie-Studenten und Weltverbesserer, schier in den Wahnsinn, als er
Strom- und Wasserleitungen des ganzen Häuserblocks kappt, um die Nachbarn durch erlebte Not enger zusammenzubringen.
Wenn das Chaos, das Hartmut in bester Absicht herbeigeführt hat, wieder einmal zu groß wird, rückt „Ich“ auf den Plan. Dann
erwacht „Ich“, der am liebsten in der Badewanne liegt, Playstation spielt und für den anspruchslosen Lebensunterhalt Päckchen
ausfährt, aus seiner stoischen Ruhe, um Hartmut zu helfen. Denn Hartmut packt Probleme an, aber löst sie nicht.
Im Gegensatz zu seinen mit Literaturpreisen gekrönten Kurzgeschichten – auch über Hartmut –
schrieb Oliver Uschmann die Geschichten, aus denen das Buch wurde, nur zum Spaß. „Nach dem Motto ‚was wäre wenn‘, spielte
ich mit Ideen und schrieb sie nieder“, erzählt der Germanist, der mittlerweile in Berlin lebt, aber als Gast-Dozent seine
Erfahrungen mit dem Verlagswesen und dem Schreiben als Handwerk an Bochumer Studenten weitergibt.
Seine Freundin überredete ihn, die humorig bis tragisch-komischen Geschichten
dieser unglaublichen Männer-WG zu veröffentlichen. „Hartmut und ich“ erscheint im Juni im Fischer-Verlag.
Am 7. Juli kehrt Uschmann als Autor ins Kulturcafé der Uni zurück, in dem er schon viele Lesungen organisiert hat.
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur, (S. 6)
15. Januar 2005
Von feuchtem Zucker und leeren Koffern
„Treibgut“-Lesung im Kulturcafé der Uni
BOCHUM. Die Initiative „Treibgut – junge Literatur
in Bochum“ bietet Schriftstellern die Möglichkeit, sich
freizuschwimmen, sich gewissermaßen mit den Fluten des Lebens
auseinander zu setzen. Am Donnerstag fand bereits die 14. Lesung
aus der Treibgut-Reihe „Gestrandet“ im Kulturcafé
der Ruhr-Universität statt.
Eine Assoziation dieser Begriffe mit der Flutkatastrophe in Südasien
ist Erbsenzählerei, existiert „Treibgut“ doch schon
seit 2002, und Titel sowie Programm der Veranstaltung standen bereits
Anfang Dezember fest. Dennoch: Als kleiner Beitrag zur Hilfe für
die Flutopfer geht der Erlös der Lesung von 120 Euro an ein
Hilfsprojekt auf Sumatra.
Zum Auftakt des Abends las der deutsch-kurdische Autor Mustafa Ayaz
(Bild) aus seinem Erstlingsroman „Reise ins Schokoladenland“
über die Erlebnisse eines Kurden als Gastarbeiter in Deutschland.
Metaphernreich gestaltete sich „Die Felswand“ von Carsten
Pfeffer, der hier eine unbezwingbare Steilwand als Gleichnis für
die Eroberung einer Frau einsetzte.
Den eindringlichsten Beitrag lieferte Guido Jähnke mit „Ein
feuchter Zucker“ ab. Mimisch und gestisch stark, musikalisch
begleitet von Cellist Rolf Bischoff, machte Jähnke die „Revierverletzungsgefühle“
gehörnter Männer zum Thema.
Entspannung nach diesem emotionalen Kraftakt lieferte Jonas Jahn
aus Düsseldorf mit der satirischen Kurzgeschichte „Ausflug
mit Ulli“ über den Tagestrip zweier Bohemiens nach Holland.
Ebenfalls auf satirische Weise setzte sich dann Treibgut-Mitglied
Ulrich Schröder in seiner Geschichte „Leere Koffer“
mit der Terrorangst auseinander, bevor schließlich die Studentin
Karin Krick mit „Sequenzer“ ein aus Gedankensplittern
zusammengefügtes Tagebuch zum Besten gab.
Bevor zum Abschluss des Abends auf der „Offenen Bühne“
noch die Studenten Thomas Schlick und Julia Sandforth ihr Können
unter Beweis stellten, sorgte das Hip-Hop-Duo „Reizverschluss“
noch für ein kurzes musikalisches Zwischenspiel.
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur
Samstag, 7. November 2004
Toter Elch und die Musikpolizei
Literarischer Abend im KulturcaféQuerenburg. "Gestatten,
Musikpolizei. Abteilung: Musikalischer Samenraub." So stellte
sich Kelvin, alias Henning Schmidtke vor. Der Gewinner des diesjährigen
Bochumer Kleinkunstpreises klärte am Donnerstag im Kulturcafé
die Anwesenden über die Abgründe der Musikbranche auf.
Denn Britney Spears hat ihren ersten Hit nämlich auch nur von
einem sibirischen Transsexuellen geklaut und bei geheimen Liederabenden
in Herbert Grönemeyers Wohnzimmer zeigen bekannte Musiker,
was sie mit U2-Hits verbinden.
Zum 13. Mal präsentierte die AStA-Literaturinitiative
"Treibgut" ihre Reihe "Gestrandet", diesmal
unter dem Motto Elchtod. Namenspatron der Veranstaltung: die gleichnamige
Romantrilogie der Krimiautorin Patricia Vohwinkel. Elchtod, das
ist der Spitzname des Metal-Fans und Gerichtsmediziners Jakob DeVries.
Atmosphärisch schilderte die Autorin auf der von Kerzenschein
erleuchteten Bühne, wie Jakob versucht, den Mord an seinem
Bruder Lukas zu klären und gleichzeitig an einem weiteren Fall
arbeiten muss. Neben ihr und Kelvin war auch Mischa Bach zu Gast
und las aus ihren makabren Novellen und Anthologien. In "Der
Tod ist ein langer trüber Fluss" macht sich Ophelia auf,
die Vergangenheit einer rätselhaften und namenlosen Wasserleiche
zu klären. Dabei hat sie aber nicht nur mit ihrer eigenen
Amnesie zu kämpfen. Denn der Geist des Verstorbenen begleitet
sie und lässt es an zynischen Kommentaren nicht fehlen. Düster
und lustig zeigte sich Treibgut - passte sich so einerseits an das
triste Wetter an und bot doch einen unterhaltsamen Gegensatz.
RUHR NACHRICHTEN
Samstag, 25. September
Spötter stranden im Riff
BOCHUM. Premiere mit drei "Strandspöttern" im Riff. Zum ersten Mal lud die
Literaturinitiative "Treibgut" am Donnerstag in die Bermudahalle und zwar in
Zusammenarbeit mit der Literaturzeitschrift macondo. Unter dem Abendmotto
"Strandspötter" präsentierten die drei Künstler André Dinter, Marcus Jensen
und Christian Hirdes sowohl Musik als auch Literatur.
André Dinter, Gründungsmitglied des Improvisationstheaters "Hottenlotten",
zog das Publikum mit zum Nachdenken und Schmunzeln anregenden, kurzen
Gedichten und Geschichten in seinen Bann. Ob er ruhig über die Bedeutung des
Wörtchens "Tja" sinnierte und wie es das Temperament der Deutschen
widerspiegelt oder ob er mitreißend vom Tischtennis-Rundlauf auf dem
Schulhof und seinem kurzzeitigen Erfolgserlebnis nach dem ersten Sieg
berichtete, man merkte André Dinter den Spaß am Lesen an. Seine kurzen Texte
luden den Zuhörer ein, an seiner Gedankenwelt teilzuhaben. Man litt förmlich
mit ihm, als er von seinen Raststättentoiletten-Erfahrungen berichtete.
Zweiter im Bunde war der Berliner Autor Marcus Jensen. Er hatte sein zweites
Buch "Oberland" mit im Gepäck, in dem der junge Held des Romans, Jens Behse,
als Verstorbener spöttisch auf sein Leben zurückblickt. Lebendig und
atmosphärisch las Jensen aus der Jugend des Protagonisten, dessen Probleme
mit einem Mädchen, die seine Liebe nicht erwidert und ihn mit Spott bedenkt
und seine Vorstellung von Leben und Tod.
Den komödiantischen Abschluss der Lesung bildete Christian Hirdes. Mit
seiner bunten und intelligenten Mischung aus Musik, Kabarett, Poesie und
Comedy sorgte er beim Publikum noch einmal für ausreichend Lacher. Mit
genialem Wortwitz erzählte er unter anderem von Lisa und ihren vier
chinesischen Freundinnen Li, Si, Tsi und Tsu und deren Besuch beim
Blusenverleih oder wunderte sich, dass man "sch" bei Hänschen und Häuschen
verschieden ausspricht.
Aber auch die Musik kam nicht zu kurz. An der Gitarre präsentierte er zum
Beispiel seinen "missglückten" Versuch, den Cranberries Hit "Zombie" zu
übersetzen, in dem es dann um die sexuellen Probleme mit seiner Freundin.
Doch auch bei anzüglicheren Humor blieb der Comedian durch seine
schüchterne und leicht tollpatschige Art stets sympathisch.
RUHR NACHRICHTEN
Samstag, 24. Januar 2004
Mutierte Piranhas am Ruhrstrand
BOCHUM. Mutantenpiranhas fressen eine Einbaumbesatzung auf der Ruhr. So stellt sich
Treibgut-Hausautor Uli Schröder das Leben nach dem
gentechnischen GAU vor. Mit "Ruhr-Piranhas"
lieferte er die Titelgeschichte für den ersten Lesungsabend der Literaturinitiative
im neuen Jahr am Donnerstag Abend im KulturCafé an der Ruhr-Uni.
Prominente Besucher konnten die Treibgutsammler begrüßen: Neben "Kassierer"-
Schlagzeuger Volker Wendland und Slam-Poetry-Pionier Kalle Wiersch präsentierte
Matthias Schamp seine Texte, bekannt geworden mit der Fotoserie "Schlechte
Verstecke" in der Satirezeitschrift "Titanic".
Schamp las aus unterschiedlichen Bänden seines inzwischen recht umfangreichen
literarischen Werks. Vor allem kurze, witzige, teilweise sinnlose Geschichten
und Gedichte. Darunter drei Texte über die wichtigsten Dinge im Leben
eines Mannes: "Liebe, Geld und Fußball - wobei Liebe das unwichtigste
ist". Den Fußballtext skandierte er stehend im Stadionton am
Ende seines Auftritts - und das Publikum brüllte begeistert mit.
Volker Wendland sang in Begleitung von Susanna
Kaye kleine, teilweise freche, teilweise satirische, teilweise sinnfreie
Lieder zur Gitarre. Auch diesen Auftritt belohnte das Publikum mit
viel Applaus. Danach hatte es Kalle Wiersch mit seinen komplexeren
Gedichten, die von Sprachspielen und Anspielungen leben, etwas schwer.
Nur mit Mühe schaffte er es, bei den Besuchern noch die nötige
Aufmerksamkeit für seine Texte zu bekomme
Wieder mehr Zuspruch fanden die Treibgut-
Hausautoren Uli Schröder und Oliver Uschmann am Ende: Ihre Kurzgeschichten
um den neurotisch-verzweifelten
Arbeitssucher Egon K. und den etwas anstrengenden WG-Mitbewohner Hartmut
in der Wohnung mit dem Badezimmer als Durchgangszimmer kamen leichter
daher - ein gelungener Abschluss für einen unterhaltsamen Abend mit
den Ruhr-Piranhas der Popliteratur und Satire.
Schäfer
WAZ
KULTUR IN BOCHUM
Samstag, 24. Januar 2004
Automobiles Gedicht
Treibgut-Lesung mit Matthias Schamp
RUB: Drei wilde Autoren liefern Treibgut
BOCHUM. Drei bissige Autoren aus dem Ruhrgebiet hatte die Initiative Treibgut am Donnerstagabend
ins Kultur-Café der RUB eingeladen. Unter dem Motto "Ruhr-Piranhas"
wurden Erzählungen, Gedichte und Lieder vorgetragen.
Mit dem Bochumer Autor Matthias Schamp, der auch für das Satire-Magazin
"Titanic" arbeitet, begann die neunte Gestrandet-Lesung. Er
stellte verschiedene seiner böse-satirischen Werke vor, darunter
die Kurz-Geschichten "26 Verlierer von A bis Z" und sein neuer
Erzählband ;Zärtliche Massaker - Neue Geschichten aus dem
Ruhrgebiet. Besonders die Sicht auf die Stimmung in einer still
stehenden S-Bahn bei Mühlheim-Styrum sorgte beim zahlreich erschienenen
Publikum für Gelächter. Bei seinem letzten Beitrag, einer Parodie
auf die Atmosphäre im Fußball-Stadion, forderte er seine Zuhörer
sogar zum "Olé Olé" grölen auf.
Der Drummer der Wattenscheider Band Die Kassierer, Volker
Wendland, gab einige selbstgeschriebene Lieder zur Akustik-Gitarre zum
Besten. Absurd-komische Texte wie "How does it feel to be only the
brother of Captain Kirk" zum Thema Eifersucht oder über seine
Jugend in Bochum-Gerthe luden das Publikum zum Mitsingen ein. Der "Poetry-Slam"-Künstler
Jürgen "Kalle" Wiersch spielt in seinen Gedichten gerne
mit Worten und bildet Nonsens-Sätze. So präsentierte er einen
Text rund um das Wort "blöd" oder ein Gedicht, das nur
Auto-Modelle aufzählt. Den Schluss der Lesung bildeten die Treibgut-Autoren
Ulrich Schröder und Oliver Uschmann.
Frank Goosen wird bei der nächsten Treibgut-Lesung am 27. Mai zu Gast sein.
Isabelle de Bortoli
STADTSPIEGEL
KULTUR IN BOCHUM
Mittwoch, 21. Januar 2004
Bissige Ruhr-Piranhas im RUB-Kulturcafé
Studentische Literaturinitiative "Treibgut": Lesung mit Matthias
Schamp und Jürgen Wiersch
BOCHUM. Ein bissiges Trio haben die Organisatoren der studentischen Literaturinitiative
Treibgut für ihre nächste "Gestrandet"-Lesung
am morgigen Donnerstag, 22. Januar, um 20 Uhr im Kulturcafé der
Ruhr-Uni verpflichten können: Mit dem Bochumer Autor und Performance-Künstler
Matthias Schamp, dem Dortmunder Multitalent Jürgen Wiersch und dem
Musiker Volker Wendland sind einige namhafte "Ruhr-Piranhas"
zu Gast.
Matthias Schamp dürfte nicht nur allen Kunst- und Literaturinteressierten
ein Begriff sein, sondern auch regelmäßigen Lesern der Satirezeitschrift
"Titanic": Dort hat seine Fotoserie "Schlechte Verstecke"
allmonatlich einen festen Platz. Zuletzt erschienen von ihm der Roman
Hirntreiben und der Erzählungsband Zärtliche
Massaker, der herrlich-abgedrehte Geschichten aus dem Ruhrgebiet
enthält, die - ausgehend von einer realistischen Ausgangssituation
- ins Absurde kippen.
Musikalisch begleitet wird er von seinem alten Freund und Weggefährten Volker
Wendland. Wendland, "eigentlich" Drummer der Wattenscheider
Kult-Punk-Band "Die Kassierer" - zeigt bereits als Gitarrist
der Zigeunerjazz-Formation "Douce Ambiance" seine musikalische
Wandlungsfähigkeit. Bei seinen Solo-Auftritten zur Akustikgitarre
überrascht er mit absurd-bösartigen Texten. Dritter im Bunde
ist der Dortmunder Projektkünstler Jürgen Wiersch, der bei seinen
Bühnenauftritten seine Texte im wahrsten Sinne des Wortes "lebt".
Er verbindet Literatur mit Schauspiel, Musik und Performance zu einer
ganz eigenen Live-Poesie. Abgerundet wird der bissige Abend durch Erzählungen
der Treibgut-Autoren Ulrich Schröder und Oliver Uschmann.
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur (Lokalteil, S. 5)
Samstag, 22. November 2003
Literaturmarathon mit dunklen Poeten
"Gestrandet" im Uni-Kulturcafé
Auch bei der achten Gestrandet-Lesung machte die
Initiative Treibgut das Kulturcafé
der Uni wieder zum Literatur-Eldorado: Gut 80 Besucher ließen sich
eine geballte Portion existentialistisch-expressive Prosa und Lyrik unter
der Rubrik "Dunkle Poeten" nicht entgehen. Einen ersten Paukenschlag
gab es schon zum Auftakt: Martin Becker, literarisches Multitalent und
Student am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, traf mit seiner Kurzerzählung
Jugendhotel ins Mark. Zwischenmenschliche Abgründe lotete
ebenfalls die Leipziger Autorin Susanne Heinrich aus, die trotz ihrer
jungen Jahre schon eine beachtliche Liste von Literaturpreisen aufzuweisen
hat. Mystischere Fiktionen brachte die Iserlohner Autorin Marion Kranz
auf die Planken von Treibgut. Außerdem debütierte der iranische
Lyriker Farhad Ahmadkhan mit seinem Lyrik-Zyklus Feuer Zarathustras,
einer poetischen Reise zwischen der persischen und deutschen Kultur. Viel
los war diesmal auch auf der Open Stage.
Weniger dunkel, sondern satirisch-bissig-politisch soll es bei der nächsten
Treibgut-Lesung am 22. Januar zugehen: Unter dem Titel Ruhr-Piranhas sind
dann Matthias Schamp, Jürgen Wiersch und der Musiker Volker Wendland
zu Gast.
RUHR NACHRICHTEN
Bochumer Kultur (Lokalteil, S. 5)
Samstag, 5. Juli 2003
Beschweren ist eigentlich vorbei Dogma-Lesung
"Wir kommen, um uns zu beschweren!" lautet ein der Band Tocotronic
entliehener Slogan, der am Donnerstagabend die Lesung der Studenten-Initiative
Treibgut zierte. Tocotronic selbst haben sich längst weiter entwickelt:
"Eins zu eins ist jetzt vorbei", propagieren sie heute und halten
sich in ihren Texten mehr in den nebulösen, rätselhaften Zwischenräumen
des Realen und Irrealen auf. Im Kulturcafé der Ruhr-Uni jedoch
ist man am Donnerstag noch beim Beschweren beim ironisch gebrochenen
zwar. Alle Autoren kommen aus dem Dunstkreis des "Hamburger Dogmas",
das von den Texten des neuen Jahrtausends unter anderem den Verzicht auf
wertende Adjektive und Perspektivwechsel, das Schreiben im Präsens
und kurze, klare Sätze fordert. Bei Sven Amtsberg wirkt das Ganze
noch sehr popliterarisch: Das männliche Ich steht im Mittelpunkt
der kleinen Pärchen-Mikrokosmen, die er in seinem "Mädchenbuch"
entwirft. Seine Helden leben abgeschottet von jedweder Umwelt vor sich
hin und pflegen ihre ganz persönlichen Krankheiten. Beschwerden über
die Langeweile zu Zweit oder der Frauen Katzen werden beim Hamburger Allround-Talent
Thorsten Passfeld zum diffusen Hass gegen "Sie". "Für
die Werbung arbeiten ist minderwertig", etwa singt er in der trashigen
Manier der frühen Tocotronic.
Zusammen mit dem völlig durchgeknallten Intro-Redakteur Linus Volkmann kaschiert
Passfeld den eigentlichen Skandal des Abends: Thees Uhlmann, Sänger
der momentan so erfolgreichen Band "Tomte", ist angekündigt,
sorgt für viele Zuschauer, erscheint jedoch nur im besten Text des
Abends: Volkmanns "King Kobra", dessen Protagonist an Uhlmann
angelehnt ist und sich im Sprachland von Kinderbuchautorin Enid Blyton
aufhält. Wundervoll bierselige Kneipenlektüre ist das, die sich
nicht beschwert, sondern charmant-dilletantisch unterhält, dabei
popkulturelle Bezüge aufweist und das "Tomte-Gefühl"
zu beschreiben weiß.
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