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Der
Lehrstuhl für Thermodynamik der Ruhr-Universität Bochum
beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit der Entwicklung
von Zustandsgleichungen. Wie heute üblich, sind diese
Gleichungen als Fundamentalgleichungen der freien Energie
formuliert und decken das gesamte fluide Zustandsgebiet (Gas,
Flüssigkeit, überkritisches Gebiet, Phasengrenze gasförmig-flüssig)
mit einer einzigen Gleichung ab. Aufgrund der Form der
Zustandsgleichung als Fundamentalgleichung können alle
Zustandsgrößen aus Kombinationen von Ableitungen gebildet
werden, wodurch die bei druckexpliziten Zustandsgleichungen
notwendigen Integrationen zur Berechnung der kalorischen
Zustandsgrößen entfallen.
Ein
Kennzeichen der „Bochumer” Zustandsgleichungen
besteht darin, dass die mathematische Struktur der Gleichungen
nicht aufgrund der Erfahrung durch „trial and error”
ermittelt wird, sondern mit Hilfe der am Lehrstuhl entwickelten
Strukturoptimierungsverfahren.
Die
entwickelten Zustandsgleichungen können in die folgenden Klassen
eingeteilt werden:
Zustandsgleichungen in
Referenzqualität
Diese
auch kurz als Referenzgleichungen bezeichneten
Zustandsgleichungen haben eine stoffspezifische Form und
decken die gesamte Zustandsfläche mit höchster Genauigkeit
ab.
Die IAPWS-95 Formulation für Wasser
Die
IAPWS-95 ist ein Beispiel für eine Zustandsgleichung
in Referenzqualität. Wegen der großen wissenschaftlichen
Bedeutung dieses internationalen Standards wird die IAPWS-95
in einem eigenen Abschnitt beschrieben.
Simultan optimierte Zustandsgleichungen
Diese Zustandsgleichungen sind deutlich kürzer als die Referenzgleichungen,
weisen eine sehr gute technische Genauigkeit auf und gelten
in derselben Form (jedoch mit stoffspezifischen Koeffizienten)
für eine ganze Gruppe von Stoffen.
Die Industrie-Formulation
IAPWS-IF97 für Wasser
Dieser
spezielle Satz von Zustandsgleichungen für Wasser wurde auf
Initiative der internationalen Kraftwerksindustrie und der
International Association for the Properties of Water and
Steam (IAPWS) entwickelt. Die IAPWS-IF97 erlaubt die
Berechnung der einzelnen Zustandsgrößen bei
unterschiedlichsten Kombinationen von Eingangsgrößen mit
sehr kurzen Rechenzeiten.
Referenz-Zustandsgleichungen
GERG-2004 und GERG-2008 für Erdgase und andere Gemische
Am Lehrstuhl wurde eine Erdgas-Zustandsgleichung entwickelt,
die Erdgase und andere Gemische aus bis zu 18 spezifizierten
Komponenten beschreibt. Die Gleichung deckt sowohl die Gasphase
als auch die flüssige Phase und das Phasengleichgewicht
Gas-Flüssigkeit in höchstmöglicher Genauigkeit
ab. Diese Zustandsgleichung wurde von der GERG (Groupe Européen
de Recherche Gazières) als internationale Referenz-Zustandsgleichung
GERG-2004 für Erdgase angenommen. In der Zwischenzeit wurde
die GERG-2004 um drei zusätzliche Komponenten erweitert. Weil
diese Entwicklung in 2008 abgeschlossen wurde, erhält
die erweiterte Zustandsgleichung die Bezeichnung GERG-2008.
Die GERG-2004 und die GERG-2008 gelten nicht nur für Erdgase,
sondern auch für andere Gemische aus beliebigen Kombinationen
der 18 (GERG-2004) bzw. 21 (GERG-2008) spezifizierten Komponenten.
Die GERG-2008 wird demnächst ISO-Standad und ist damit
die offizielle Referenz-Zustandsgleichung für die genannten
Gemische.
Software
Für
alle zuvor genannten Typen von Zustandsgleichungen steht
entsprechende Software zur Berechnung der verschiedenen
thermodynamischen Zustandsgrößen zur Verfügung.
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