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hier hauptsächlich angesprochenen Zustandsgleichungen in Form
von Fundamentalgleichungen der dimensionslosen freien Energie
bestehen aus einem Anteil des idealen Gases Φo
und einem sog. residuellen Anteil Φr
(Differenz zwischen dem Verhalten des realen Stoffes und dem
des idealen Gases, siehe auch Zustandsgleichungen in Referenzqualität).
Weil die Funktionsform für Φr von der
Theorie her nicht bekannt ist, muss eine geeignete mathematische
Form für Φr ermittelt werden, bevor
die freien Koeffizienten ni
an entsprechende Messwerte der verschiedenen Zustandsgrößen
angepasst werden können. Die Struktur der Gleichung für Φr
wird nicht (wie früher) subjektiv aus Erfahrung (trial and
error) gefunden, sondern wird mit dem Strukturoptimierungsverfahren
von Setzmann und Wagner [42]
ermittelt. Dieses Verfahren besteht aus den folgenden beiden
Schritten:
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Grundelemente
der Strukturoptimierung. |
„Bank
of Terms”
Eine
Termenbank für den residuellen Anteil Φr
einer Fundamentalgleichung der dimensionslosen freien Energie
besteht hauptsächlich aus Polynomtermen der reduzierten Dichte
δ (δ = ρ/ρc)
und der inversen reduzierten Temperatur τ (τ
= Tc /T) sowie aus solchen Polynomtermen,
die mit einer Exponentialfunktion in δ gekoppelt
sind. Bei guter Datenlage für das kritische Gebiet werden
zusätzlich Funktionen entsprechend sog. Gauß’schen Glockenkurven
in δ und τ hinzugefügt. Eine solche
Termenbank kann zwischen mehreren hundert und über 1000 Termen
enthalten. Die folgende Gleichung zeigt beispielhaft die aus
906 Termen bestehende Termenbank, die der Entwicklung unserer
Referenz-Zustandsgleichung für Ethylen [122]
zugrunde lag.
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Beispiel für
einen allgemeinen Ansatz („Bank of Terms”). |
Verfahren
zur Strukturoptimierung
Aus
diesem allgemeinen Ansatz bestimmt das Strukturoptimierungsverfahren
von Setzman und Wagner [42]
mit mathematisch statistischen und stochastischen Elementen
die beste Kombination einer bestimmten Anzahl von Termen.
Das folgende Schema zeigt stark vereinfacht das Grundprinzip
des Verfahrens, wobei die rot dargestellten Felder modifizierten
Elementen aus unserem evolutionären Optimierungsverfahren
[22]
entsprechen und der grüne Block aus unserer deterministischen
Regressionsanalyse [10]
übernommen wurde.
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Vereinfachtes
Schema des Strukturoptimierungsverfahrens. |
Das
folgende Bild veranschaulicht, welche Parameter einer Gleichung
für Φr aus der Anpassung an Messwerte und
welche aus der Strukturoptimierung resultieren (der Anteil
der Gleichung entsprechend den Gauß’schen Glockenkurven wurde
aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen).
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Wirkung
der Strukturoptimierung. |
Da
das Strukturoptimierungsverfahren [42]
nur mit der (linearen) Gauß’schen Fehlerquadratmethode gekoppelt
ist, können direkt auch nur Messwerte sog. „linearer” Zustandsgrößen
(z. B. pρT-Daten) für die Strukturoptimierung
benutzt werden. Für sog. „nichtlineare” Zustandsgrößen (z.
B. isobare Wärmekapazität) muss die entsprechende Fehlerquadratsumme
durch Vorkorrelation mit der linear optimierten Gleichung
linearisiert werden. Anschließend werden die Koeffizienten
ni bei fester Gleichungsstruktur
an die Messwerte aller verwendeten Zustandsgrößen (lineare
und nichtlineare) nichtlinear angepasst. Dieser Zyklus (lineare
Optimierung und nichtlineare Anpassung) wird solange rekursiv
wiederholt, bis sich keine Verbesserung der Zustandsgleichung
mehr ergibt. Insgesamt wird die Zustandgleichung durch Anpassung
an Messwerte der verschiedensten Zustandsgrößen (Multi-Property
Fitting) entwickelt.
Dieses
gesamte Vorgehen zur Strukturoptimierung und Anpassung einer
Zustandsgleichung wird im Kapitel 5 des Artikels der neuen
wissenschaftlichen Standard-Zustandsgleichung für Wasser,
der IAPWS-95 Formulation, ausführlich beschrieben [127].
Inzwischen
wurde von Tegeler et al. [92, 114]
auch eine nichtlineare Regressionsanalyse entwickelt. Da dieses
Verfahren jedoch bei der heutigen Rechnerleistung noch sehr
rechenzeitintensiv ist, benutzen wir es z. Z. lediglich
als Ergänzung der oben beschriebenen Vorgehensweise, siehe
z. B. [114].
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