| Die
Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage wurde Anfang der 90er
Jahre zur Messung der Dichte von fluiden Stoffen im homogenen
Gas- und Flüssigkeitsgebiet entwickelt und aufgebaut
[22,
28,
40].
Mit dieser Anlage kann das technisch wichtige Zustandsgebiet
von t = −40 °C bis +250 °C
bei Drücken bis 300 bar erfasst werden; der Dichtemessbereich
beträgt 10 kg/m3 bis 2000 kg/m3.
Diese Messanlage soll die seit Anfang der 80er Jahre kontinuierlich
betriebene Zwei-Senkkörper-Dichtemessanlage
im Bereich höhere Temperaturen und Drücke sinnvoll
ergänzen. Durch die Übernahme einiger Vorteile des
Zwei-Senkkörper-Dichtemessverfahrens in einer neuartigen
Weise (siehe weiter unten) kann auch mit dem neuen Ein-Senkkörper-Verfahren
eine sehr geringe Messunsicherheit bezüglich der Dichte
von zumeist kleiner als 0,02% erreicht werden; ausgenommen
hiervon ist der Bereich niedriger Gasdichten unterhalb von
40 kg/m3. Das folgende Bild zeigt ein Foto
der Messanlage in unserem Labor.
| 
|
| Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage
|
Das
Funktionsprinzip des neuen Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens
ist im zweiten Bild dargestellt. Als Dichtemessverfahren dient
die Auftriebsmethode nach Archimedes, wobei als Senkkörper
ein Vollzylinder aus Quarzglas (VS ≈ 26,5 cm3;
ρS = 2,2 g/cm3;
mS ≈ 60 g) verwendet
wird. Zur Dichtemessung kann der Senkkörper mit Hilfe
einer geeigneten Kopplungsvorrichtung mit einer Analysenwaage
verbunden werden. Die Kraftübertragung von der Messzelle
(Druckraum!) zur Waage (Umgebungsatmosphäre!) erfolgt
über eine berührungslos arbeitende, elektronisch
geregelte, Magnetschwebekupplung. Zur An- und Abkopplung des
Senkkörpers können mit dem Schwebemagneten zwei
verschiedene Höhenlagen langsam und erschütterungsfrei
angefahren werden: eine untere „Taralage” und
eine obere „Messlage”. Die Messgenauigkeit der
Analysenwaage (Auflösung: 0,01 mg) wird durch die
Magnetschwebekupplung
nicht beeinflusst. Diese Magnetschwebekupplung wurde Ende
der 80er und Anfang der 90er Jahre an meinem Lehrstuhl gezielt
zur Verbesserung der Dichtemesstechnik entwickelt [25].
| 
|
| Funktionsprinzip
der Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage
|
Um
auch bei der Vermessung von geringeren Gasdichten noch eine
möglichst hohe Messgenauigkeit zu erreichen, wird nach
dem Ankoppeln des Senkkörpers an die Waage die Grundlast
(d. h. die Masse des Senkkörpers mS ≈ 60 g)
mit Hilfe von zwei Kompensationsgewichten aus Tantal (m ≈ 82 g,
V ≈ 4,9 cm3, ρ = 16,7 g/cm3)
bzw. Titan (m ≈ 22 g, V ≈ 4,9 cm3,
ρ = 4,5 g/cm3), die
nun gewechselt werden, wieder kompensiert (siehe zweites Bild).
Hierzu sind die beiden Kompensationsgewichte so aufeinander
abgestimmt worden, dass die Differenz ihrer Massen (Δm ≈ 60 g)
fast genau der Masse des Senkkörpers (mS ≈ 60 g)
entspricht. Auf diese Weise bleibt der Betriebspunkt der Waage
bei evakuierter Messzelle erhalten. Dadurch wird erreicht,
dass mögliche Linearitätsfehler der Waage auch bei
der Messung geringer Gasdichten keine signifikanten Messfehler
verursachen können. Die beiden Kompensationsgewichte
wurden außerdem gerade so gefertigt, dass ihr Volumen
nahezu gleich groß ist, so dass auf diese Weise der
Einfluss des Umgebungsluft-Auftriebs auf die Gewichte kompensiert
wird. Mit Hilfe dieser beiden Gewichte ist somit auch eine
„auftriebsfreie” Kalibrierung der Waage möglich.
Zur
Messung der Dichte eines Fluides in der Messzelle wird der
Senkkörper mehrfach an die Waage an- bzw. abgekoppelt,
so dass die Auftriebskraft durch Mittelwertbildung mit höherer
Genauigkeit bestimmt werden kann. Die Dichte des Messfluides
ergibt sich dann aus der sehr einfachen Gleichung ρ = (mS,Vak
− mS,Fluid) / VS(T,p);
hierbei ist mS,Vak die Masse des Senkkörpers,
die zuvor durch Wägung des Senkkörpers in der evakuierten
Zelle bestimmt worden ist, mS,Fluid ist
die „scheinbare Masse” des Senkkörpers bei
der Wägung in einem Messfluid und VS(T,p)
ist das Volumen des Senkkörpers, wobei das Bezugsvolumen
VSo(T0,p0)
bei 20 °C und 0,1 MPa mit Wasser auf ≤0,003%
genau kalibriert worden ist.
Durch
diese hier kurz dargestellte neuartige Anwendung des Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens
wird im gesamten oben genannten Druck- und Temperaturbereich
eine Dichtemessunsicherheit von ≤(0,015% + 0,002
kg/m3) erreicht.
Der
konstruktive Aufbau der Messeinrichtung ist im dritten Bild
skizziert; er besteht aus der Messzelle, in der sich der Senkkörper
befindet, der Magnetschwebekupplung, der Analysenwaage, einem
inneren und einem äußeren Doppelmantel-Thermostaten
sowie einem äußeren Vakuumzylinder zur Isolation.
Als Thermostatisierungsflüssigkeit wird Ethanol (−40 °C
bis +40 °C) oder Wärmeübertragungsöl
(+40 °C bis +250 °C) eingesetzt. Zur Temperaturmessung
dient ein Pt25Ω-Widerstandsthermometer in Verbindung
mit einer Widerstandsmessbrücke der Fa. ASL (Typ F700A);
die Messunsicherheit ist, einschließlich örtlicher
Gradienten und zeitlicher Schwankungen, kleiner als 8 mK.
Zur Druckmessung werden ein Kolbenmanometer und ein Kolbenbarometer
der Fa. Desgranges et Huot eingesetzt; die Messunsicherheit
ist, mit Ausnahme geringer Drücke, kleiner als 0,006%.
| 
|
| Prinzipieller
Aufbau der Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage
|
Die
bisher mit der Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage vermessenen
Fluide sowie Beispiele für Messergebnisse sind unter
dem Stichwort pρT-Messwerte
beschrieben.
Eine
ausführliche Beschreibung der Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage
ist in einem VDI-Fortschrittsbericht [22]
publiziert. Eine zusammenfassende Beschreibung des Stands
der Technik einschließlich einiger typischer Beispiele
für Messergebnisse, sowie die Übernahme dieses neuen
Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens durch andere Forschungseinrichtungen
und metrologische Staatsinstitute sind im Sonderheft „Density”
der Zeitschrift „Metrologia” veröffentlicht
[48].
Zur
weiteren Vereinfachung des Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens
wurde in den 90er Jahren auch eine Kompaktversion dieses Verfahrens
entwickelt [96,
112,
28,
48].
Das nächste Bild zeigt eine Skizze des Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens
in dieser Kompaktbauweise. Aufgrund der Bauweise ist diese
Ausführung für Drücke bis 1000 bar und Temperaturen
bis 400 °C geeignet. Auf der Basis dieser Kompaktversion
wurde am Lehrstuhl auch eine kombinierte Dichte-Viskositäts-Messapparatur
entwickelt.
| 
|
| Kompaktversion
des Ein-Senkkörper-Dichtemessverfahrens
|
Seit
mehreren Jahren sind Magnetschwebewaagen
und Dichtemessgeräte nach dem Ein- und Zwei-Senkkörper-Dichtemessverfahren
auch kommerziell erhältlich (Fa. Rubotherm Präzisionsmesstechnik,
Bochum, www.rubotherm.de)
|