Position und Interpretation adverbialer PPen im deutschen Satz

Beschränkende Beziehungen zwischen syntaktischer Position und Interpretation von Adverbialen im deutschen Satz sind Gegenstand einer aktuellen Forschungskontroverse. Typischerweise wird eine Hierarchie von Adverbialklassen postuliert. Die Klassenzugehörigkeit soll syntaktische Abfolgebeschränkungen zwischen Adverbialen unterschiedlicher Klassen sowie zwischen Adverbialen und Argumenten bedingen. Andere Ansätze führen Positionsbeschränkungen allein auf die Semantik der Adverbiale zurück.

Die Ansätze weisen im Vergleich zahlreiche Abweichungen auf, die wir zwei Faktoren zuschreiben: einem generellen definitorischen Defizit und einer unzureichenden empirischen Fundierung.
Eine Gesamtschau verdeutlicht erstens definitorische Defizite bezüglich der betrachteten Adverbialtypen sowie der -klassen. Eine systematische Variation von Adverbialen derselben Klasse sowie eine Kontrastierung von Adverbialen unterschiedlicher Klassen scheint häufig ignoriert zu werden – ebenso wie eine Berücksichtigung polysemer Adverbiale.
Zweitens muss die introspektive Vorgehensweise einiger Ansätze kritisiert werden.

Das Projekt adressiert die bestehenden Divergenzen mittels einer Reihe experimenteller Studien zum Stellungsverhalten ereignisexterner, ereignisinterner und prozessbezogener adverbialer PPen. Die Testitems werden systematisch aus feingliedrig semantische annotierten Korpusdaten abgeleitet („modifizierte Stimuluskomposition“).

Das Team

Prof. Dr. Tibor Kiss
Alicia Katharina Börner M.A. - Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Jutta Pieper M. A. - Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Sarah Broll B. A. - Wissenschaftliche Hilfskraft

Aktuelles

Ein erster Experimentkomplex zur absoluten Positionierung ereignisexterner, ereignisinterner und prozessbezogener adverbialer PPen wurde im Rahmen einer Online-Studie erfolgreich durchgeführt. Die Daten werden aktuell im Rahmen von Generalized Linear Mixed Models (GLMMs) analysiert.

Ziele

Wir verfolgen im Rahmen der aktuellen Projektstufe zwei Ziele:

Auf der theoretischen Seite zielen wir auf eine empirisch gesicherte grammatische Analyse möglicher Basispositionen adverbialer PPen im deutschen Satz, wobei das Augenmerk insbesondere auf dem Einfluss der Bedeutung unterhalb solcher Klassen wie „prozessbezogen“, „ereignisextern“ bzw. „ereignisintern“ liegt, da die Bedeutungen zum Teil unterschiedliche Basispositionen trotz einheitlicher Klassenzugehörigkeit nahelegen.

Auf der methodischen Seite entwickeln und testen wir eine neuartige Art der Erstellung experimenteller Stimuli. So werden experimentelle Stimuli systematisch aus annotierten Korpusdaten abgeleitet, so dass experimentelle Daten deutlicher an natürlichen Sprachdaten orientiert sind.

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