The Grammar of Preposition-Noun-Sequences

Im Zentrum der Erforschung stand die Fragestellung, durch welche Faktoren die empirisch produktive und kompositionelle Kombination legitimiert wird, wenn entsprechend den Regeln der Grammatik eine Präposition nur mit einer vollständigen NP verbunden werden dürfte, bei der Kombination von Präposition und Nominalprojektion ohne Artikel aber eine solche vollständige NP nicht vorliegt, z. B. "auf parlamentarische Anfrage", "bei absolut klarer Zielsetzung", "in untertreibender Anspielung", "mit schwer beladenem Rucksack", "ohne mündliche Vorwarnung", "unter sanfter Androhung".

In der Untersuchung wurden morphologische, syntaktische und semantische Faktoren der nicht-kanonischen Kombinationen sowie regulärer Präpositional- und Nominalphrasen berücksichtigt. Präposition-Substantiv-Sequenzen treten in vielfältigen Formen auf. Aus der Perspektive der Grammatikschreibung sind insbesondere solche interessant, die folgende vier Eigenschaften besitzen: Das Substantiv in der Kombination muss zählbar sein, der Wegfall des Artikels darf nur möglich sein, wenn die Phrase in einer PP eingebettet realisiert ist, der Artikelwegfall muss strikt optional sein und die Kombination muss den prinzipiellen Status einer Phrase besitzen.

Ergebnisse

Als ein wesentliches Ergebnis zeigte sich in den Analysen, dass der Wegfall des Artikels bei unterschiedlichen Präpositionen unterschiedlich regelhaft ausgebildet ist. Bei der Präposition "ohne" ist vollständige Regelhaftigkeit erkennbar, bei der Präposition "über" wird der Wegfall des Artikels hingegen durch die Kombination mit bestimmten Substantiven legitimiert.

Ein zweites wichtiges Ergebnis ist, dass im regelhaften Fall der Wegfall des Artikels durch syntaktische (Komplexität der Nominalprojektion) und semantische Faktoren (Bedeutung der Präposition) bedingt ist. Interessanterweise scheint die Semantik des Substantivs - insbesondere sein Referentialitätsstatus - demgegenüber eine deutlich geringere Rolle zu spielen. Hinzutretende Faktoren, wie der Einfluss der Derivation bei den Substantiven und das Vorhandensein adjektivischer Modifikation, müssen noch weiter untersucht werden.

Zwischenergebnisse

Da bei der Analyse der Präpositionsbedeutungen nicht auf bestehende Ressourcen zurückgegriffen werden konnte, wurde im Rahmen des Projekts eine sprachspezifische systematische Darstellung der Abbildung von Präpositionsformen auf Präpositionsbedeutungen entwickelt, die auch unabhängig von der hier diskutierten Fragestellung genutzt werden kann. Das System verwendet hierarchische Strukturierungen für übergeordnete Bedeutungen (z.B. spatial, temporal) und erlaubt dem Benutzer anhand von Entscheidungsbäumen eine Zuweisung maximal spezifischer Bedeutungen. Hierbei besteht auch die Möglichkeit, semantische Relationen (insbesondere Synonymie und Antonymie) zwischen unterschiedlichen Präpositionsformen sichtbar zu machen, da die Bedeutungen durch Merkmale repräsentiert werden.

Ziele

Mithilfe der Anwendung von Verfahren aus dem Machine Learning gehen aus dem Projekt fruchtbare Analysen für ein komplexes Phänomen mit scheinbar unsystematischen Bedingungen hervor. Diese Analysen ermöglichen, das Zusammenspiel morphologischer, syntaktischer und semantischer Eigenschaften zurückzuverfolgen und Gemeinsamkeiten aber auch Idiosynkrasien im Verhalten der Kombinationen aufzudecken.

Die Ziele dieser Untersuchung liegen nicht nur in einer für die Grammatikschreibung und die Computerlinguistik nutzbaren Analyse nicht-kanonischer Präpositionalkombinationen, sondern darüber hinaus in der Bereitstellung elektronischer Ressourcen. Die korpuslinguistische Aufarbeitung der analysierten Präpositionsbedeutungen in Präposition-Substantiv-Sequenzen ebenso wie in der Komplementärmenge regelhafter Präpositionalphrasen des Deutschen ist in Form eines Handbuchs umfassend dokumentiert worden. Die annotierten Daten sind von Bedeutung für die semantische Disambiguerung von PPen und wiederverwendbar.

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