| Die Systematische Theologie ist eine Kerndisziplin wissenschaftlicher Theologie. In Bochum ist sie untergliedert in Dogmatik, Fundamentaltheologie, Ethik, Sozialethik und Ökumenik.
In allen Teilbereichen wird die Systematische Theologie im Raum der Wissenschaften verstanden als offenes und konstruktives Gespräch, das sich als umsichtige Interpretationsbemühung vollzieht und auf eine reflektierte Gottes- und Welterkenntnis zielt. Systematische Theologie steht für eine Erkenntnissuche in den fruchtbaren Spannungslagen zwischen historischer Rekonstruktion und gegenwartsbezogener Konstruktion, intensiver theologischer Sachorientierung und interdisziplinärer Dialogbereitschaft, entspannter Herkunftsgewissheit und ökumenischer Offenheit, klarer Traditionsbewusstheit und entschlossener Internationalisierung des theologischen Gesprächs.
In Gestalt des Faches Dogmatik fragt die Systematische Theologie sie danach, wie hier und heute christlicher Glaube zu verstehen ist und wie in der Gegenwart verbindlich von Gott gesprochen werden kann. Dies geschieht durch eine kritisch-konstruktive Interpretation fundierender (Bibel, altkirchliche Bekenntnisse, Bekenntnisschriften der Reformation) und formierender (theologische Entwürfe) Texte und im intensiven Gespräch mit exegetischen Beiträgen. Die Themen und Probleme der systematischen Theologie werden dabei in der aktiven Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Erfahrungsfeldern und aktuellen außertheologischen Theoriebildungen bearbeitet. In der Gestalt der Ethik untersucht und beurteilt die Systematische Theologie die Handlungs- und Gestaltungsorientierungen von individuellen und sozialen Akteuren. Dies geschieht sowohl in einer eher grundsätzlichen (allgemeinen Ethik) als auch in einer stärker bereichsbezogenen Weise (politische Ethik, Medienethik, Wirtschaftsethik etc.). Die theologische Ethik wagt als Dimension der Theologie nicht nur ethische Begründungen und Haltungen zu rekonstruieren, sondern diese auch zu orientieren.
Fundamentaltheologie ist eine Form der Selbstbeobachtung der Theologie, die auf die Plausibilisierung theologischer Inhalte und Verfahren gegenüber anderen Wissenschaften abzielt. Im Horizont einer 'postfoundationalist epistemology' und im Rahmen einer Evangelischen Theologie legt die Fundamentaltheologie keine Fundamente des Religiösen durch die Darlegung schlechterdings unbestreitbarer Vernunftgründe. Stattdessen macht sie Dogmatik und Ethik hinsichtlich ihrer semantischen Festlegungen, ihrer Pragmatik, ihrer historischen Situierung und vor allem ihrer (philosophischen, soziologischen oder psychologischen) Denkmodelle transparent.
Die ökumenische Theologie hat als Gegenstand die Erforschung der Beziehungen der christlichen Kirchen untereinander. Sie rekonstruiert und interpretiert die theologischen Grundlegungen der unterschiedlichen Traditionen und reflektiert deren Bedeutung für das gesellschaftliche und politische Zusammenleben. Unter den Bedingungen der multireligiösen Gesellschaft der Gegenwart geschieht dies im Zusammenhang einer Gemeinschaft der Religionen.
In allen Teildisziplinen der Systematischen Theologie stellt sich die Theologie dem Anspruch, dass sie öffentlich und selbstkritisch ein das gegenwärtige Denken und Handeln, den heutigen Glauben und die Kirche des 21. Jahrhunderts betreffendes Orientierungswissen entfaltet.
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