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Info

    117 Roboter wurden für die 234 Erstis aus Studienbeiträgen angeschafft und zunächst aufwändig getestet. Am Lehrstuhl von Prof. Dr.-Ing. Jan Lunze wurde u.a. Begleitmaterial erstellt für Teilnehmer und die insgesamt 53 Betreuer der Praxistage. Die Teilnehmer verteilten sich auf zwölf unterschiedlich große Räume im IC, die zwischen drei und 20 Studipaare und ihre Roboter drei Tage lang beherbergten. Die Praxistage sollen Spaß machen, Programmierkenntnisse bringen und daneben für neue Bekanntschaften unter den Erstis sorgen.

    Bilder

    Vorbereitung

    Vorbereitung

    Warten

    Tanz

    Vorführung

    Jubel

Wenn Roboter tanzen

Robotertraining

Premiere: Drei Praxistage für alle E-Technik-Erstis

„Mist, jetzt betet der schon wieder“, ärgert sich ein Robotercoach, während ein anderer beherzt zu Boden stürzt um seinen Schützling wieder aufzurichten. Hier in einem der großen Praktikumsräume im ICFO muss man heute genau schauen, wohin man tritt. 15 kleine Roboter werden hier trainiert, und ihre Wege sind unberechenbar.

Drei Tage lang dreht sich in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik alles um die kleinen Zweibeiner. Sämtliche 234 Erstsemester machen bei den Praxistagen mit, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden. Jeweils paarweise zusammengelost haben sie einen der Roboter bekommen. In einer zweistündigen Einführung gab es Informationen zu seinen Fähigkeiten und Eigenschaften: 16 Motoren, je um 180 Grad drehbar, ermöglichen ihm die unglaublichsten Verrenkungen, der Empfänger für die Fernbedienung sitzt im Kopf. Einige Bewegungsabläufe sind vorab programmiert, aber um die geht es nicht: Selbermachen ist angesagt mittels zugehörigem Steuerprogramm, das jedem Gelenk einen bestimmten Beugungswinkel zuweist und so Zeile für Zeile Bewegungsabläufe möglich macht. Zur Pflicht gehört, dass der Roboter zwei Meter geradeaus in möglichst kurzer Zeit zurücklegt. Wie er sich dabei fortbewegt, ist egal. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört.

Im Mikrofaseranzug unter den Schrank

„Dem müsste man mal so einen Mikrofaseranzug häkeln und ihn dann zu Hause unter die Schränke schicken“, träumt Dr.-Ing. Gerhard Roll, einer der Betreuer der Praxistage, mit Blick auf einen am Boden robbenden Roboter, der allerdings kaum vorwärts kommt. Das Linoleum ist glatt, und egal wie oft man auch fegt (und es wurde oft gefegt), es bleibt immer das eine oder andere Steinchen übrig, das zusätzlich behindert. In einem Nachbarraum sollen Studierende ihrem Roboter doppelseitiges Klebeband unter die Füße geklebt und dieses mit Sand bestreut haben, um den Grip zu erhöhen, „aber das hat auch nichts genützt“, schmunzelt Roll. Das allein wäre nicht so schlimm, wenn nicht die Roboter durch die kleinste Unebenheit aus dem Gleichgewicht geraten würden. Die Balance zu halten ist das Allerschwierigste, da sind sich alle einig. Und die Richtung einzuhalten ist auch nicht ohne: „Hier auf dem Boden sind noch die Markierungen vom Zweimeterlauf“, zeigt Roll. „Wie man sieht, mussten wir einen Zweimeterhalbkreis um den Startpunkt markieren, so ganz geradeaus wollen die nämlich nicht.“ Ziemlich bald hat sich herausgestellt, dass aufrecht auf zwei Beinen gehen recht ineffizient ist. Besser klappt’s im Krebsgang seitwärts oder auch akrobatisch mittels Überschlägen. Der Sieger des Raums unter immerhin 15 Robotern hat Räder geschlagen und die Distanz so in 19 Sekunden zurückgelegt. „Aber Geschwindigkeit ist ja auch nicht alles: Morgen gibt es auch die Prämierung der skurrilsten Fortbewegungsart“, sagt Gerhard Roll.

Hauptattraktion am dritten und letzten Tag wird aber zweifellos die Endausscheidung der Kür werden: In jedem der zwölf Räume ermitteln die dort arbeitenden Teams, die sich für die Kür zusammenschließen können wie sie wollen, den Roboter mit dem ausgefuchstesten Programm und schicken ihn ins Rennen. Auf den Gesamtsieger warten „schöne Preise – aber die sind noch geheim“, sagt Meike Klinck, die Marketingbeauftragte der Fakultät. Aber so viel verrät sie doch: „Es lohnt sich!“

Genau auf den Kopf zielen

Entsprechend motiviert feilen die fünf unterschiedlich großen Teams in ICFO an den Feinheiten ihrer Aufführungen. Während der eine seinem Roboter das „Beten“ austreibt, zählt ein anderer rückwärts, damit das Tanzprogramm und die Begleitmusik vom Handy zeitgleich starten, in einer anderen Ecke peilen fünf Studenten mit fünf Fernbedienungen exakt je einen der Köpfe der fünf Roboter an, die zusammenspielen sollen. „Man muss ganz genau zielen, sonst kriegt einer das Signal nicht mit“, erklärt Alexandra Mowe, die als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Jan Lunze die Praxistage mit vorbereitet hat und seit September mit den Robotern und ihren Eigenarten beschäftigt ist. „Wenn die Batterien nicht mehr ganz so voll sind, kann es schon mal Verzögerungen geben.“

Auch die Akkus der kleinen Tänzer haben ihre Grenzen, ihre Kraft muss abgeschätzt und einkalkuliert werden. „Die müssen noch ein bisschen laden, dann können wir mit der Vorausscheidung anfangen“, sagt Gerhard Roll und entwirft schon mal ein Abstimmungsschema. Sechs Gruppen treten an, jede kann für die Darbietung der anderen einen Punkt (ausbaufähig), zwei Punkte (gut) oder drei Punkte (genial) vergeben. Und dann wird es ernst:
Die „Travolta-Group“ tritt als erste auf. Gespanntes Schweigen im Publikum, das sich im Kreis um die Tanzfläche versammelt hat, Fotoapparate und Handykameras im Anschlag. Drei – zwei – eins – die Musik beginnt. Noch ist im Tanz kein Muster zu erkennen – „… Du hast den falsch rum hingelegt!“, merkt der Teampartner – nicht schlimm, jeder hat drei Versuche. Also auf ein Neues, und diesmal klappt es. Begeisterter Applaus, die Wertung: 10,5 Punkte.
Des Weiteren sind zu sehen: Ein Roboter, der im Kopfstand „Heal the World“ von Michael Jackson intoniert, eine Fünfergruppe, die unverkennbar „Macarena“ singt und tanzt, ein Roboter, der ein atemberaubendes Sportprogramm mit einhändigen Liegestützen absolviert und einiges mehr. Unumstrittener Sieger sind jedoch die „Villagepeople“ mit zwei Musikern und zwei Tänzern, die „YMCA“ darbieten, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Es freuen sich Kevin, Börge, Fabian, Nico und Viktor, die jetzt in Verhandlungen mit den anderen eintreten. Denn morgen früh bleiben noch vier Stunden Zeit, das Siegerprogramm zu perfektionieren, Versatzstücke aus anderen einzubauen, sich zu einer großen Tanzgruppe zusammenzuschließen oder was auch immer Erfolg versprechend erscheint.

Gleich dreimal YMCA

Einen Tag später: Die Endausscheidung naht, der Hörsaal HIC ist voll, es wimmelt vor aufgeregten Studenten mit Robotern und Fernbedienungen. Robert Grosche vom Dekanat behält die Nerven und den Überblick. Er hat schon jetzt gut Lachen und freut sich, „denn anfangs gab es Leute, die haben gesagt, sowas kann man überhaupt nicht machen mit allen Erstis. Aber die Begeisterung übertrifft das, was wir erwartet hatten.“ Als Dankeschön für alle werden fünf Professoren später draußen 400 Würstchen grillen, aber noch ist es nicht so weit: Zuerst geht es ans Eingemachte. Fünf skurrile Gangarten werden vorgeführt, von Rückwärtskrabbeln bis zum Trockenschwimmen, aber eigentlich warten alle auf die Tanzdarbietungen. Zwölf Gruppen treten an, am Ende wird per Applausbarometer abgestimmt. Per Videokamera wird das Geschehen auf große Leinwand übertragen.

Gleich drei Gruppen haben sich für „YMCA“ entschieden – dumm gelaufen, aber dennoch ein guter zweiter Platz für die Raumsieger aus ICFO. Unumstrittener Sieger wird jedoch die Gruppe Robobreakies, deren Aufführung unübertroffen synchron und mit professioneller Musikuntermalung den Vogel abschießt. Vom donnernden Applaus klingeln später die Ohren.

Jetzt gibt es nur noch ein Problem: Sämtliche Siegerteams betonen, dass es sich bei ihren Darbietungen um Gemeinschaftsprojekte handelt – 27 Zweierteams sind beteiligt, es gibt aber nur sechs Preise: die kleinere Ausführung des Roboters, dafür ausgestattet mit allerhand Sensoren. „Da überlegen wir uns schon eine kreative Lösung“, vertagt Robert Grosche das Dilemma, bevor er die begeisterte Menge zur Grillparty entlässt.
md/Fotos: Nelle