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Im Bastlerparadies

Das Herz eines jeden Bastlers muss höher schlagen, wenn er den Electronic Workshop betritt. Die Werkstatt der Elektrotechniker ist ausgestattet mit allem, was man als angehender Techniker so braucht. Da gibt es an sechs Arbeitsplätzen Lötkolben (ganz neu und auch in winzig klein für winzig kleine Bauteile), Lupen, Elektronikbauteile von handfest bis kaum noch mit bloßem Auge erkennbar, Kabel, Platinen, Oszillatoren, allerhand Messgeräte von ganz alt bis ganz neu, sogar eine Ätzanlage, die allerdings aus Sicherheitsgründen in einer Werkhalle steht, Computerarbeitsplätze und das Wichtigste: Jede Menge Sachverstand.

Electronic Workshop

Philip Dost, Michael Leske und Rebecca Lennartz stehen jedem mit Rat und Tat zur Seite. „Wenn Leute kommen, die noch nie gelötet haben, können sie erst mal eins unserer Anfängerprojekte machen“, erklärt Michael Leske, wie Philip Dost seit etwa anderthalb Jahre hier studentischer Mitarbeiter. „Man kann aber auch mit eigenen Ideen kommen oder an einem unserer Projekte mitarbeiten.“ Anfängerprojekte sind zum Beispiel ein elektronischer Würfel oder ein blinkender Weihnachtsbaum mit LED-Beleuchtung. Die können auch Gäste bearbeiten, etwa im Rahmen des Girls‘ Day oder der Schülerinnenprojektwochen. Als eigene Projekte werkeln die drei Betreuer zurzeit an einem Ultraschallentfernungsmesser, einer Motorsteuerung und einem Controller für eine computergestützte Lichtanlagensteuerung. Wer eine gute Idee dazu hat, ist herzlich eingeladen mitzumachen.

Üblicherweise kommen Leute her, die mal praktisch ausprobieren wollen, was sie in der Vorlesung theoretisch gelernt haben. Oder welche, die ein Projekt für ihre Diplomarbeit bearbeiten, auch mal aus dem Maschinenbau oder der Physik. Oder auch welche, denen zu Hause der Fernseher kaputt gegangen ist, respektive die Stereoanlage oder die Heizung. „Manchmal ist da bloß ein Bauteil durchgebrannt, das tauschen wir dann aus und dann läuft es wieder“, erzählt Philip Dost.

Vielleicht werden sie auf diese Weise demnächst auch die Leinwand reparieren, die eingerollt unter der Decke hängt aus alten Zeiten. Wie so manches haben sie sie „geerbt“, von unbekannten Vorgängern, die den Electronic Workshop vor Jahrzehnten mal betrieben haben. Zwischenzeitlich war er jahrelang geschlossen. Nach der Wiedereröffnung musste erst mal entstaubt und aufgeräumt werden. So manches Kurioses ist übrig geblieben – zu schade zum Wegschmeißen wie die Commodore-Spielkonsole. Die Leinwand allerdings könnte durchaus noch gute Dienste tun – immerhin ist ein Overheadprojektor da und ein Bekannter von Rebecca Lennartz hat mal einen Beamer selbst gebaut …

Geräte im EWSEigentlich ist jeder der drei Betreuer nur für fünf Wochenstunden hier. Der Electronic Workshop ist aber wesentlich länger geöffnet, und auch auf Anfrage kommt immer jemand vorbei, eine E-Mail genügt. „Weil es Spaß macht“, sind die drei sich einig, die auch selbst entscheiden, was nachbestellt, erneuert oder angeschafft werden soll. Manche Besucher kommen auch (wie auch die Betreuer selbst) gelegentlich zum Lernen her, denn man wird nicht so sehr abgelenkt wie zu Hause. Zuletzt allerdings dann doch, weil direkt vor der großen Fensterfront das Gebäude ID zu wachsen beginnt. „Da gucken dann alle die ganze Zeit raus, vor allem die Männer, weil die unbedingt auch Bagger fahren wollen“, flachst Rebecca Lennartz. „Der Electronic Workshop zieht später auch um ins ID, wir durften sogar Wünsche äußern, was wir da brauchen“, erzählt Philip Drost. „Aber wir hoffen natürlich, dass wir drei das nicht mehr miterleben werden – bis dahin sind wir mit dem Studium längst fertig.“

Bis dahin machen sie Werbung für den Electronic Workshop, zum Beispiel in großen Vorlesungen oder bei der Ersti-Begrüßung. „Der Electronic Workshop ist ein Angebot von Studenten für Studenten“, sagt Rebecca Lennartz. „Und das, was wir hier alles haben, hat so keiner im eigenen Keller.“ md/Fotos: Marion Nelle