RUB » Studium » Profil » Investitionen in gute Lehre » Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

SmartboardEnde der Kreidezeit

Wie sich interaktive Whiteboards didaktisch nutzen lassen

Hinter immer mehr Seminarraumfenstern kann man abends das Leuchten von Smartboards – oder Activboards oder auch eBoards – sehen: Die interaktiven Tafeln, die praktisch wie ein riesiges Touchscreen funktionieren, werden von vielen Fakultäten angeschafft. Mit dem Kauf alleine ist es aber nicht getan, weiß Dorothee Recke. Sie schreibt am Lehrstuhl Anglistik/Fachdidaktik (Prof. Dr. Markus Ritter) eine Masterarbeit über den Einsatz interaktiver Boards im Fremdsprachenunterricht.

„Am Anfang kostet es unheimlich viel Zeit, sich mit dem Board so weit vertraut zu machen, dass man es richtig nutzen kann“, sagt sie aus Erfahrung. Sie weiß aber auch, dass es sich lohnt. Später geht alles viel schneller, und man hat mehr Zeit für die Schüler. Außerdem hat das Ende der Kreidezeit längst angefangen: In Großbritannien hat inzwischen jede Grundschule solche Boards, ebenso im Stadtstaat Hamburg. Auch kann man die Schüler von heute mit Kreidetafel und Overheadprojektor nicht mehr beeindrucken. Mit dem Smartboard, das online ist, hat man bessere Chancen: „Wenn ich in einer Doppelstunde Englisch um elf Uhr live in die BBC-Nachrichten schalten kann, bringt das eine unübertroffene Aktualität in den Unterricht“, sagt Markus Ritter. Ton bringen die Boards gleich mit, und später lassen sich die Inhalte beliebig bearbeiten. „Die Boards können mehr als viele Präsentationssoftwares“, so Dorothee Recke, die einige Funktionen vorführt: Abgedecktes lässt sich aufdecken, Farben verändern, Bilder einbinden und mit Sprachausgabe verknüpfen – so erklingt beim Erscheinen eines Pferdebilds „This is a horse“ -, Filme zeigen, markieren, mit dem Finger oder Stift Geschriebenes als Text erkennen und umwandeln.

Als Erweiterung gibt es Funktastaturen, die man im Raum herumgeben kann, so dass Schüler für alle sichtbar mitarbeiten können. Außerdem gibt es ein TED-System für Echtzeitabstimmungen. „Das bindet alle ein und motiviert, und man hat im Unterricht gleich eine Erfolgskontrolle“, meint Dorothee Recke, die an einer Schule den Englischunterricht mit dem Interaktiven Whiteboard gestaltet hat. Außerdem erübrigt sich das Abschreiben, da sich alles in Dateien umwandeln und exportieren lässt. An der RUB können Dozenten dann Tafelbilder zum Beispiel in Blackboard zur Verfügung stellen.

Noch verläuft der Einsatz allerdings eher zaghaft, schätzt Markus Ritter. Er versucht, alle Lehramtsstudierenden wenigstens einmal mit dem Board bekannt zu machen um Interesse zu wecken. Größere Schulungen sind geplant. Alle Käufer eines Boards erhalten eine Einführung durch den Hersteller – allerdings eher technischer Natur. Didaktische Gedanken muss man sich selbst machen. Um in der Handhabung fit zu werden, lohnt es sich, eine Schulung in der Stabsstelle eLearning zu buchen, wo Ralf Otto für die Smartboards (und die von anderen Herstellern) zuständig ist und Interessenten auch vor dem Kauf berät. Scheu ist jedenfalls nicht angebracht: „Man kann ja auch langsam anfangen und die Einsatzgebiete jede Woche erweitern“, sagt Dorothee Recke. An der RUB stehen inzwischen nach Schätzungen von Ralf Otto rund 15 solcher Boards, und es werden mehr. md

Bild: Dorothee Recke ist fit im Smartboard-Gebrauch und analysiert die didaktischen Möglichkeiten für ihre Masterarbeit.