"Spatenblattgenau"
PDAs verorten sich im Gelände
Die
Tage seitenlanger Fragebögen und im Feldversuch beschrifteter
Karten, die später eingescannt werden müssen, sind
in der Geographie vorbei. Die Fakultät hat insgesamt 35
PDAs (personal digital assistant = tragbarer Mini-Computer) angeschafft,
die Papier und Bleistift ersetzen und noch jede Menge mehr können.
Bei Befragungen zum Beispiel gibt man die Antworten einfach per Touchscreen ein. Erübrigt sich eine Frage aufgrund einer vorher gegebenen Antwort, wird sie gar nicht erst angezeigt. „Man muss also nicht mehr seitenweise blättern, sondern wird automatisch durch den Fragebogen geführt“, erklärt Dr. Thomas Held vom Geographischen Institut. „Die Ergebnisse lassen sich später ganz einfach auf einen Rechner übertragen.“
Und
damit nicht genug: Die Mini-Computer sind mit Satellitennavigationssystem
(GPS) ausgestattet und können zusammen mit einer Antenne
betrieben werden, die es mit einem Zusatzgerät ermöglicht,
seine Position satellitengestützt auf 30 cm genau zu bestimmen – spatenblattgenau
sagen Geographen.
Damit lässt sich ein Gelände ganz
genau vermessen, wichtig zum Beispiel bei der Vermessung von
Wasserläufen. „Der Lottenbach im Süden der RUB
zum Beispiel wurde renaturiert“, erklärt Dr. Held, „und
jetzt wollen wir wissen, wie er sich verhält.“ Der
Bachlauf verändert sich stetig. In regelmäßigen
Zeitabständen laufen daher die Geographen mit dem PDA das
Ufer ab und bestimmen so den Verlauf des Bachs.
Der PDA mitsamt seiner Zusatzgeräte findet Platz in einem
handlichen Koffer. Einzig die Antenntenstange muss draußen
bleiben. Damit im Feld alles heil bleibt, wurde die Geländeausführung
gekauft – alles ist wasserdicht und schüttelfest.
„Früher waren wir mit Karten im Gelände unterwegs, in die wir
Eintragungen gemacht haben, die wir später dann einscannen mussten“,
erzählt Thomas Held. „Fehler fielen da natürlich erst auf,
wenn man wieder zu Hause war – ganz schlecht, wenn man seine Messungen
zum Beispiel in China gemacht hatte ...“ Heute kann man die Daten des
PDA auch vor Ort schnell mal am Laptop auslesen und bei Fehlern gleich nochmal
messen.
Trotzdem
muss man natürlich einen Rechner haben, auf dem man die
im PDA gesammelten Daten weiterverarbeitet. Unter anderem zu
diesem Zweck wurden zwei Computerräume
mit neuen PC ausgestattet, auf denen die notwendige Software
läuft. Hier lässt sich allerhand auswerten und simulieren,
verknüpfen und analysieren. So erlauben sie es zum Beispiel,
Karten mit verschiedenen Informationen übereinander zu legen,
Karten mit Satellitenbildern zu verknüpfen oder zu simulieren,
welche Einflüsse ein Neubau in einem bestehenden Wohngebiet
etwa auf die Luftzirkulation hätte.
md/Fotos: Marion Nelle