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Forschend lernen ...
... in der Medizin
Hilfe für Harvey und Sam
Alle Blicke ruhen auf Harvey. Der blauäugige Mann mit dem mittelblonden Haar auf der Untersuchungsliege atmet ruhig, deutlich fühlbar schlägt sein Herz. Dominique Ostojic legt ihm das Stethoskop an die Brust. Auffällige Herztöne hört nicht nur sie, sondern auch alle Studierenden ihrer Übungsgruppe, die mit ihren Stethoskopen an Harvey angeschlossen sind. Harvey, der Herr ohne Unterleib, kann 65 Herzkrankheiten simulieren. Dominique Ostojic ist Tutorin im Skills Lab der Medizinischen Fakultät der RUB. 24 studentische Mitarbeiter hat das Skills Labor – oder vielmehr die Skills Labore, denn neben dem größten mit über 320 Quadratmetern im Marienhospital Herne gibt es auch welche in anderen RUB-Universitätskliniken und auf dem Campus. Abseits vom Klinik-Alltag können Studierende hier Fertigkeiten üben, die sie später brauchen werden.
„Ihr Freund ist im OP gestorben“
Cordula Meyer geht durch die Hölle. Seit zwei Stunden sitzt sie
im Wartezimmer, hat gebetet, gehofft, gebangt. Auf der Arbeit hat sie
erfahren, dass ihr Freund einen Motorradunfall hatte, sie ist sofort
ins Krankenhaus gefahren. Man hat ihr bisher nichts sagen können.
Sie ist mit den Nerven am Ende. Jetzt, endlich, holt Dr. Andrea Schmitz
sie ab. Das ernste Gesicht der Ärztin ist nicht zu deuten.
„Frau Meyer, was wissen Sie bereits?“ fragt sie. Cordula Meyer
spricht stockend. Dr. Schmitz hat sichtlich Mühe, zu sagen, was gesagt
werden muss. „Wir haben im Ultraschall festgestellt, dass Ihr Freund
innere Blutungen hatte. Wir haben diese Blutungen nicht stillen können.
Wir konnten Ihrem Freund nicht mehr helfen, Frau Meyer. Er ist im OP gestorben.“ Fassungslosigkeit.
Tränen. Verzweiflung.
Eine schreckliche Situation – für die Freundin, aber auch
für die Ärztin. Unvorbereitet sollte man da nicht hineinstolpern
als Arzt. Deswegen bietet die Medizinische Fakultät Gespräche
mit Simulationspatienten an.