Aktuell
Zertifikate für Lehrassistenten
Die ersten von der Zentralen Tutorenausbildung und der Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung ausgebildeten Lehrassistentinnen und -assistenten haben jetzt in feierlichem Rahmen ihre Zertifikate überreicht bekommen.
Foto: Die zertifizierten Lehrassistentinnen und -assistenten, flankiert von Prof. Dr. Uta Wilkens, Prorektorin für Lehre (links), Klaus Hellermann (ifb), Dr. Jörg Härterich (Fakultät für Mathematik), Annette Wolff (ZAT) und Kristina Müller (ifb, von rechts).
Das nächste Qualifizierungsangebot startet im März. Interessierte Lehrassistent/inn/en können sich noch bis zum 5. März 2010 unter lehrassistenten@rub.de anmelden.
Wie motiviert man studentische Übungsgruppen?
Schulungen für Lehrassistenten
Sie leiten Übungs- und Arbeitsgruppen und sind doch keine Lehrenden. Speziell für studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lehre, genannt Lehrassistenten, haben die Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung (ifb) und die Zentrale Ausbildung für Tutorinnen und Tutoren (ZAT) ein Qualifizierungsangebot entwickelt, das sie auf ihre Lehraufgaben vorbereitet.
In zwei ganztägigen Workshops vor Semesterbeginn und einer halbtägigen Reflexion während des Semesters lernen und üben die Lehrassistenten ihre neue Rolle und die dazugehörigen Methoden. Zwölf angehende und teils erfahrene Lehrassistenten haben sich dazu in einer fächerübergreifenden Gruppe zusammengefunden. Spezielle Angebote gibt es außerdem für Mathematiker, Physiker, Maschinenbauer, Wirtschaftswissenschaftler (Bericht im Internet, s.u.) und Psychologen. „In diesen fachspezifischen Gruppen können wir auf ganz spezielle Bedürfnisse eingehen, insbesondere dann, wenn eine Lehrperson des Faches beteiligt ist“, sagt Annette Wolff von der ZAT. „Wenn andere Fachbereiche Interesse haben und gleichzeitig mindestens acht Lehrassistenten für ihre Aufgabe qualifiziert werden sollen, können weitere solcher Gruppenangebote verabredet werden“, ergänzt Kristina Müller von der ifb.
Die fachübergreifende Gruppe behandelt allgemeine Fragen zur Leitung
einer Gruppe und zur Gestaltung von Übungen. Wie zum Beispiel
kann man eine Übungseinheit strukturieren? Wie sorgt man dafür,
dass die Teilnehmer am Ball bleiben? Was tut man, wenn notorische Quasselstrippen
die Konzentration stören? Wie visualisiert man einen Sachverhalt?
Diese Techniken werden dann in einer Simulation vor der Gruppe angewandt. „Alle
haben das ganz prima gemacht – auch wenn sie es selbst zum Teil
ganz anders wahrgenommen haben und sich vielleicht noch unsicher fühlten“,
sagt Annette Wolff von der Zentralen Tutoren-Ausbildung. Das Feedback
aus der Gruppe ist ein wichtiger Bestandteil der Übung. Es vermittelt
Sicherheit, Klarheit über die eigenen Stärken und Schwächen
und Aufschluss über die eigene Wirkung.
In Kürze werden die Lehrassistenten alle vor „echten“ Gruppen von Studierenden stehen und sehen, wie sie sich im Übungsalltag bewähren. Jeder von ihnen bekommt noch einmal Besuch von Annette Wolff oder Klaus Hellermann. Die beiden Profis nehmen an einer realen Übung teil und geben den Lehrassistenten hinterher Rückmeldung und Tipps. Wer das Programm abgeschlossen hat, bekommt ein Zertifikat. md
Interview
Eine Erleuchtung
Katrin Gibbins (11. Semester Master Geowissenschaften) und Olaf Rammel (7. Semester Master of Education Geschichte, Geografie und Germanistik) gehören zu den ersten zwölf Lehrassistenten, die an der fachübergreifenden Qualifizierung teilnehmen.
Frau Gibbins, Herr Rammel – Sie haben die beiden ganztägigen
Workshops schon hinter sich. Was hat es Ihnen gebracht?
OR: Mir hat es auf jeden Fall sehr viel gebracht,
obwohl ich schon seit fünf Semestern als Tutor arbeite. Ich
kenne daher ja die Problemfälle, da helfen die Tipps. Man lernt
auch, Inhalte interessanter zu gestalten. Es ist eigentlich das Optimum
für jeden Lehramtsstudenten.
KG: Dadurch dass die meisten Teilnehmer aus den
Geisteswissenschaften waren, waren die Inhalte nicht so genau auf
meine Bedürfnisse zugeschnitten. Bei uns in den Geowissenschaften
wird nicht so viel diskutiert, sondern mehr gerechnet, daher kann
ich mit den Visualisierungstechniken nicht so viel anfangen. Interessant
war es aber trotzdem, zum Beispiel wie man Teilnehmer einbindet.
Was mir wirklich viel gebracht hat, war, sich seine Rolle bewusst
zu machen. Wir haben zum Beispiel gelernt, den eigenen Perfektionismus
herunterzuschrauben und mit realistischen Erwartungen ins Seminar
zu gehen. Oft steckt man sich viel zu hohe Ziele und fühlt sich
schuldig, wenn dann doch einer durch die Klausur fällt. Da muss
man Distanz wahren und abschalten lernen.
Was sind denn die wichtigsten Tipps, die Sie mitnehmen?
OR: Zum Beispiel wie man Teilnehmer motiviert, indem
man klare Ziele definiert: die Klausur bestehen oder eine Seminararbeit
schreiben. Man muss den Gewinn durch das Tutorium in den Vordergrund
stellen.
KG: Man muss transparent planen für das ganze
Semester und immer auch praktische Beispiele geben. Außerdem
muss man den Leuten in die Augen sehen, sie beim Namen nennen. Ich
habe gelernt, interaktiver zu sein, in den Kreis zu treten, die Hände
aus der Tasche zu nehmen – man muss auch ein bisschen Schauspieler
sein. Es hat sehr geholfen, sich bewusst zu machen, was man darf,
wo die Grenzen sind. Wenn es „Tuschelnester“ gibt, kann
man zum Beispiel auch ganz nah rangehen an die Leute. Und auch als
Lehrassistent darf man notorische Störer rausschicken. Die Lehr-Simulation
war wirklich erleuchtend.
OR: Ja, die Simulation hat viel Selbstsicherheit
verliehen.
KG: … besonders das Feedback aus der Runde.
Man hat gemerkt, dass die eigene Unsicherheit gar nicht unbedingt
für andere sichtbar ist. Manche haben noch praktische Tipps
bekommen, zum Beispiel, dass sie langsamer sprechen sollten.
Freuen Sie sich jetzt auf den Semesterstart?
OR: Ja schon, da kann man sich mal neu ausprobieren.
Vielleicht mache ich einige Dinge mal anders und gestalte mein Tutorium
noch interessanter.
KG: Ja. Ich habe schon nächste Woche mein Lehr-Coaching,
weil ich da eine Excel-Einführung mache, die sich dafür
besser eignet als die Rechenübungen später. Lampenfieber
habe ich nicht.
Danke für das Gespräch!


