Lehrtipps im Postkartenformat
Didaktikschulungen für Lehrbeauftragte
Lehrbeauftragte sind keine festen Mitarbeiter der Uni, sondern gehen häufig anderen Berufen nach und kommen nur für eine bestimmte Lehrveranstaltung an die RUB. Das didaktische Rüstzeug können sie in speziellen Qualifizierungsangeboten kennen lernen, die die Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung anbietet. An zwei Abenden gibt es Anregungen für die Lehre und Austausch mit anderen Lehrbeauftragten. Zu den ersten Teilnehmern zählte der Maschinenbauer Dr. Rainer Fechte-Heinen (30), der an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften lehrt. Mit ihm sprach Meike Drießen.
- Sie hatten ja während Ihrer Promotion auch schon in der Lehre zu tun. Haben Sie in der Fortbildung noch etwas Neues gelernt oder kannten Sie schon alles?
Reiner Fechte-Heinen: Vieles war ganz neu für mich – Didaktik habe ich ja nie wirklich gelernt, und es ist etwas ganz anderes, ob man als Übungsleiter eine Vorlesung mit Beispielen ergänzt oder alles selbst verantwortet. Die zwei Abende haben mir viele gute Anstöße gegeben, dadurch ist sicher jede meiner Lehrveranstaltungen besser geworden als sie es ohne so einen Kurs gewesen wäre!
- Inwiefern sind Sie denn besser geworden? Welchen Aha-Effekt haben Sie erlebt?
Ich habe vor allem gelernt, nicht nur durch die fachliche Brille zu schauen. Die Zusammensetzung der Gruppe war da sehr hilfreich, einige standen noch ganz am Anfang, andere waren schon sehr erfahren. Die konnten dann natürlich auch erzählen, welche Methoden sie schon ausprobiert hatten – und mit welchem Erfolg. Es waren auch verschiedene Fächer vertreten. Ich als Ingenieur habe nach den Lehrsimulationen in der Gruppe eher gefragt: ‚Und, was haben wir jetzt davon?‘, ganz pragmatisch. Dafür musste ich mich fragen lassen: ‚Wie darf ich mir das jetzt vorstellen?‘. In meinem berechnungslastigen Fach muss ich mehr visualisieren. Als Gedankenstütze haben wir noch eine Postkarte mitbekommen, die mehrere Stichpunkte enthält, die helfen, die Lehre eingängiger zu machen.
- Das ist ja praktisch – was steht denn drauf?
Zum Beispiel Wiederholung: Wenn ich etwas einmal gesagt habe, heißt
das ja noch lange nicht, dass es jeder verstanden hat, und auch nicht,
dass er es in vier Wochen immer noch weiß. Außerdem ist
Auflockerung wichtig und mit allen Sinnen zu lernen. Für mich
heißt das: Nicht immer nur Tafel, sondern zum Beispiel auch mal
ein Film aus der Praxis, den konnte ich als Externer recht einfach
besorgen. Aufmerksamkeit zu gewinnen ist auch ein wichtiger Punkt,
da gibt es Methoden, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre.
Ich frage zum Beispiel: ‚Was würden Sie sich zu dem Thema
in der Klausur fragen?‘ und nehme dann einige dieser Fragen in
die Klausur auf. Das bringt die Studierenden dazu, den Stoff nicht
nur aufzunehmen, sondern gleich auch darüber nachzudenken.
Wir haben auch verschiedene Arten des Feedbacks kennen gelernt. Ich
kannte bisher nur die Bögen, die man ganz am Ende des Semesters
verteilt. Jetzt lasse ich die Teilnehmer zum Beispiel am Ende einer
Vorlesung eine Sache aufschreiben, die sie besonders interessant fanden
und eine, die ihnen noch nicht ganz klar geworden ist. Das kann ich
dann später in die Planung der Wiederholung beim nächsten
Termin einbeziehen.
Lehrreich war es auch, sich bewusst zu machen, was die Studierenden
eigentlich erwarten. Ich als Dozent will natürlich mein Fach vermitteln.
Es gibt aber auch Studenten, die wollen nur die Credit Points. Auch
damit muss man zurechtkommen.
- Sie hören sich aber trotzdem sehr zufrieden an – werden Sie weitere Lehraufträge annehmen?
Ja, ich hoffe schon, dass ich die Veranstaltung auch weiterhin anbieten
darf. So eine Vorlesung vorzubereiten, und dann auch noch nebenberuflich,
ist ganz schön viel Arbeit, das soll sich auch lohnen. Immerhin
ist es eine Veranstaltung im letzten Mastersemester, das ist schon
anspruchsvoll. Es macht auch richtig viel Spaß, Stoff zu vermitteln,
besonders natürlich wenn es gut läuft und man bei der Mehrheit
der Studenten einen ‚Aha-Effekt’ sieht. Dafür ist
es aber auch ganz schön hart, wenn es mal nicht so gut läuft.
Meine Lehre ist leider noch lange nicht perfekt! Ich werde bestimmt
nochmal ein Modul bei der ifb belegen, denn die Schulung war auf jeden
Fall sinnvoll. Dass es nur zwei Abende waren, kam mir entgegen – wäre
es zeitaufwändiger gewesen, hätte mich das vielleicht eher
abgeschreckt. Toll fand ich, dass die Teilnahme, wie Arbeitszeit, sogar
vergütet wurde – das ist von Seiten der Uni ein Zeichen
von Wertschätzung, das sagt: Es ist uns wichtig, dass Du hier
gute Lehre machst.
md/Foto: Nelle


