Studierendenkonferenz zu sozialer und räumlicher Ausgrenzung in deutschen Städten
Mit den räumlichen Auswirkungen von Armut, Erwerbs- und Obdachlosigkeit hat sich eine Gruppe von rund 50 Studierenden aus fünf verschiedenen Städten Deutschlands befasst. Nachdem sie im Laufe des Wintersemester 2008/09 an ihren jeweiligen Standorten Heidelberg, Berlin, Passau, Bochum und Bremen qualitative Untersuchungen in Form von Beobachtungen, Interviews und Fotodokumentationen durchgeführt hatten, trafen sie sich am 23. und 24. Februar in Bochum auf einer gemeinsamen Studierendenkonferenz der Geografie, um sich über die Ergebnisse aber auch Erfahrungen im Umgang mit der qualitativen empirischen Sozialforschung auszutauschen.
Dabei
zeigte sich, dass die Auswirkungen von Einkommensarmut sehr unterschiedlich
sein können und selbst dann, wenn sie sich ähneln, von Betroffenen
sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Gängige Vorstellungen
der forschenden Studierenden darüber, wann „Exklusion“ beginnt
und welche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unerlässlich ist,
mussten aufgegeben und durch differenziertes Denken ersetzt werden.
Fast immer wurde jedoch deutlich, dass Erwerbs- und Obdachlosigkeit
den Aktionsradius enorm einschränken und deshalb eine gute Ausstattung
mit Einrichtungen zur Befriedigung der Grunddaseinsfunktionen im Umfeld
der Betroffenen eine grundlegende Aufgabe von Kommunen ist.
Weitere wichtige Diskussionsthemen waren die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung der einzelnen Bevölkerungsgruppen, der unterschiedliche Umgang der Betroffenen selbst mit ihren Lebens- und Alltagserfahrungen, die sozialräumlichen Verdrängungsprozesse sowie die Frage nach der Heterogenität bzw. Homogenität von Stadtteilen. Vorstellungen über die soziale Heterogenisierung und Entstigmatisierung von benachteiligten Stadtteilen wurden in Frage gestellt und hieraus ein in unterschiedlichste Richtungen gehendes Denken als neue Herausforderung an Stadtplanung und -politik abgeleitet.
Das vernetzte Studienprojekt unter Leitung von Veronika
Deffner, Ulrike Gerhard, Julia Lossau und Astrid Seckelmann wurde abschließend
von den Studierenden evaluiert und trotz der zum Teil schwierig empirisch
zu erschließenden und mit persönlichen Betroffenheiten verbundenen
Thematik als ausgesprochen positiv bewertet. Neben den fachlichen und
methodischen Lernerfolgen wurde die Einbettung in ein Forschungsnetzwerk
und die Arbeit an einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema als
motivierend und wünschenswert hervorgehoben. Ein Teil der Tagungskosten
wurde aus Studienbeiträgen der Fakultät für Geowissenschaften
finanziert. Weitere vernetzte Veranstaltungen im kommenden Sommer-
und Wintersemester sind geplant.
Ulrike Gerhard, Astrid Seckelmann

