Der Zeit voraus
Qualitätsinitiative Lehre in der Sozialwissenschaft
Gute Lehre ist als Thema „in“ – zum Glück, finden Achim Henkel, Studiendekan der Fakultät für Sozialwissenschaft, und Jan Schedler, in der Fakultät für die Verwendung von Studienbeiträgen und die Qualität der Lehre zuständig. Endlich rückt auch in den öffentlichen Fokus, was zumindest Achim Henkel seit Jahrzehnten beschäftigt. Die Studienbeiträge erweitern dabei die finanziellen Mittel, um innovative Projekte anzugehen. Mit einer eigenen „Qualitätsinitiative Lehre“, bei der Qualität und Methodenkompetenz verbunden werden, geht die Fakultät mit gutem Beispiel voran.
Zur Qualitätsinitiative gehören zum einen neue Veranstaltungsformen,
darunter zum Beispiel das „Cafeteria-System Methodenbausteine“.
Dahinter verbirgt sich eine Reihe von dreistündigen Einzelveranstaltungen
jeweils unterschiedlicher Lehrender, die eine Art Crashkurs für
Methoden der Sozialwissenschaft enthalten. Studierende können
sie aus eigenem Interesse besuchen, Dozenten können aber auch
Studierenden die Teilnahme empfehlen, wenn sie bemerken, dass ihnen
Grundlagen für ein Seminar fehlen. Die integrierten „Method
Schools“ hingegen sind umfangreicher und in Kleingruppen organisiert.
Sie eignen sich besonders in der Master- und Promotionsphase zur Vertiefung
des Wissens über bestimmte Methoden. Diese Veranstaltungsform
könnte künftig auch über Fakultätsgrenzen hinweg
Wissen vermitteln. Darüber hinaus versucht die Fakultät,
interaktive Lehrmethoden stärker zu verankern, beispielsweise
das Planspiel. Theoretisches Wissen wird dabei in einem fiktiven Szenario
angewandt – das stärkt den Bezug zur beruflichen Praxis.
Zur Qualitätsinitiative gehört außerdem ein maßgeschneidertes
Fortbildungsangebot für Lehrende (s. Info).
Solche Impulse kommen nicht von ungefähr aus der Sozialwissenschaft; der Fakultät liegt die Lehre schon lange am Herzen. Von Beginn an wurden systematische Lehrevaluationen durchgeführt, beflügelt durch den Auf- und Ausbau einer Sektion für empirische Methoden. Mitte der 1990er wurde dies durch eine externe Evaluation ergänzt. Die Fakultät war mit am Start beim Aufbau der Bochumer Einführungstutorien und der Umstellung auf Bachelor und Master. Auf der Basis sozialwissenschaftlicher Forschung zur Stufung und Modularisierung von Studiengängen führte man bereits vor der Jahrtausendwende einen Masterstudiengang ein und stellte dann zum Sommersemester 2007 vollständig auf die konsekutiven Bachelor- und Masterabschlüsse um. Seit 2002 gibt es einen Studiendekan, seitdem findet jedes Semester der „Tag der Lehre“ statt, bei dem Lehrende und Studierende aktuelle Themen und Probleme in der Lehre diskutieren und gute Ideen die Runde machen können. Und schon vor Einführung der Studienbeiträge überlegte man, was man tun würde, falls sie tatsächlich kommen.
Jetzt sind sie da, und auch wenn Henkel wie Schedler es lieber sähen, wenn die Studierenden nicht zahlen müssten, ist klar, dass erst diese Gelder der Lehre auf die Sprünge helfen. Wichtigstes Pfund der guten Lehre: Das Personal. Fast die gesamten Studienbeitragsmittel der Fakultät fließen in zusätzliches Lehrpersonal, was zu spürbar kleineren Gruppen in Seminaren geführt hat. Weil es natürlich Vorlieben und Trends gibt, sind gleichwohl einige Seminare voller, während andere auf weniger Interesse stoßen. „Hier beobachten wir die Nachfrage und passen das Angebot ständig an, um die Kapazitäten da einzusetzen, wo sie gebraucht werden“, sagt Henkel. Die Planung ist langfristig: Im Vorlesungsverzeichnis ist nachzulesen, wann die entsprechende Veranstaltung eines Moduls in den nächsten zwei Jahren wieder angeboten werden wird – so lässt sich der eigene Stundenplan besser erstellen. Darüber hinaus werden jetzt von Lehrassistenten zu zahlreichen Veranstaltungen betreute Kleingruppen angeboten, die die Möglichkeit zur intensiven Nachbereitung oder Vorbereitung auf Prüfungen eröffnen.
Und mit dem Lehren allein ist es nicht getan: Auch Beratung wird großgeschrieben. „Wir
haben bewusst weitgehend darauf verzichtet, aus Studienbeiträgen
Lehraufträge zu vergeben und damit nur auf Quantität zu setzen“,
so Studiendekan Achim Henkel. „Wir wollen lieber längerfristig
Mitarbeiter einstellen, die nicht nur für eine einzige Blockveranstaltung
kommen, sondern über das ganze Semester hinweg Ansprechpartner
sind und für Prüfungsberatung zur Verfügung stehen.
Geringere Lehrbelastung soll ihnen auch Zeit geben, sich mit dem Fakultätsleben
zu befassen und sich weiter zu qualifizieren, sie sollen keine ‚Lehrknechte‘ sein.“ Zudem
wurden für die Masterberatung und für die Internationalisierung
Berater eingestellt, ebenso wie für die Berufsfeldorientierung.
Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin betreut die Praktikumsbegleitkurse
und bietet zusammen mit Praktikern Einblicke in die Berufspraxis.
Flankierend nehmen auch die Tutoren Beratungsaufgaben wahr. „Ihnen
traut man sich, auch die Fragen zu stellen, die man beim Dozenten in
der Sprechstunde lieber herunterschluckt“, sagt Jan Schedler.
Er zeichnet außerdem für einen ganzen Berg Beratungspapier
verantwortlich, über das Lehrangebot, die Verwendung der Studienbeiträge,
das spätere Masterstudium und allerhand, was es als Ersti zu wissen
lohnt.
Ein so umfassendes Konzept macht sich nicht von heute auf morgen, unterstreicht
Achim Henkel. „Unsere Qualitätsinitiative fußt auf
der jahrzehntelangen Vorarbeit vieler Personen.“ Um auch andere
an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und vielleicht selbst die
eine oder anderen gute Idee kennen lernen zu können, peilen Henkel
und Schedler demnächst auch Austausch über die Grenzen der
Fachbereiche und Fakultäten hinweg an.
Infos auf den Webseiten der Sowi-Fakultät: http://www.sowi.rub.de. md
Bild: Information von Anfang an: Im Zuge der zweitägigen Ersti-Information hilft Tutorin Kirsten Drüke (l.) den frisch eingeschriebenen Sowi-Studierenden bei der Planung ihres Stundenplans. Foto: Nelle
Info: IFB-Angebote
Welche Angebote zur Weiterentwicklung der eigenen Lehrkompetenz wünschen sich Lehrende? Diese Frage war Gegenstand von Workshops, auf deren Grundlage die IFB in Kooperation mit der Fakultät Angebote konzipiert hat, die den Erfahrungsaustausch über Lehre in den Mittelpunkt stellen und innovative Ansätze in der Lehre vorstellen. Geplant sindsind ein Workshop zum Einsatz von Posterpräsentationen in der Lehre und ein moderierter Erfahrungsaustausch zum Thema Prüfungen.


