Die Mentorin Véronique Sina hilft Studierenden der Medienwissenschaft
Wenn die Abschlussprüfung ihren drohenden Schatten vorauswirft und im Kopf noch alles durcheinander geht, können sich Studierende der Medienwissenschaft auf Véronique Sina verlassen. Die Mentorin, beschäftigt als wissenschaftliche Hilfskraft, hat selbst das Fach studiert, hört sich alle Sorgen an, lichtet den Fragen-Dschungel und gibt Tipps. Das Mentorenprogramm wurde 2007 mit Hilfe von Studienbeiträgen eingerichtet. Mentorenprogramme in unterschiedlicher Form bieten viele Fakultäten an. Dennoch nimmt Véronique Sina als Einzelperson eine Sonderstellung ein. Mit ihr sprach Meike Drießen.
Frau
Sina, zweimal pro Woche bieten Sie in Ihrem Büro in GA 1/36 Beratung
an. Wer kommt zu Ihnen in die Sprechstunde?
Viele, die kommen, stehen als B.A.-Studierende das erste Mal vor einer
wichtigen Prüfung. Weil die Studiengänge recht kurz sind,
sammelt man nur wenig Erfahrung im wissenschaftlichen Schreiben, und
gerade wenn die erste Hausarbeit nicht so gut gelungen ist, ist das
Lampenfieber vor der B.A.-Arbeit groß. Die einzige mündliche
Prüfung war oft die im Abi, und das ist lange her. Da beantworte
ich oft elementare Fragen, zum Beispiel wie eine mündliche Prüfung
eigentlich abläuft, wie ein Thesenpapier aussieht. Oder ich gebe
Leitfäden heraus, in denen man nachlesen kann, wie eine Abschlussarbeit
formatiert sein sollte, wie man richtig zitiert, eine geschlechtsneutrale
Ausdrucksweise wählt und so weiter.
Es kommen aber auch viele Studierende im Masterstudium, die den Bachelor
woanders gemacht haben und die Gepflogenheiten und Lehrenden hier noch
nicht so gut kennen. Eine Weile kamen im letzten Jahr wegen des Auslaufens
des Magisterstudiengangs auch viele zu mir, die noch ganz schnell nach
der alten Studienordnung fertig werden wollten, aber seit Jahren nicht
mehr in den Unibetrieb integriert waren. Das war schon eine turbulente
Zeit.
Wie viele Studierende betreuen Sie zurzeit?
Normalerweise habe ich immer zehn bis 20 Studierende, die ich berate.
Viele lassen sich durch die komplette Prüfungsphase von Anmeldung über
mündliche Prüfung bis zur Abschlussarbeit betreuen. Allerdings
nutzen nicht alle das komplette Angebot. Manche kommen nur ein Mal
oder fragen bloß mal per E-Mail an, wo sie ein bestimmtes Formular
bekommen. Manche möchten auch einfach nur mit jemandem reden,
der Zeit hat. Die meisten Gespräche dauern mindestens eine halbe
Stunde.
Wie sieht dieses von Ihnen angesprochene Komplettangebot denn
aus?
In meine Sprechstunde kann jeder kommen, der ein persönliches Gespräch
möchte. Außerdem bin ich immer per E-Mail erreichbar. Das
wird gerne angenommen, weil viele sich gerade in der Prüfungsphase
gern jeden zeitraubenden Weg ersparen. E-Mails beantworte ich spätestens
am nächsten Tag. Zusammen mit dem Prüfungsamt beantworte ich
Fragen zu den Formalitäten, helfe bei der Themen- und Prüferauswahl
und lese zum Beispiel auch Thesenpapiere gegen oder Teile einer Arbeit – natürlich
nicht ganze Arbeiten, das wäre nicht zu schaffen. Für inhaltliche
Fragen bin ich nicht die Richtige. Es wäre nicht sinnvoll, wenn
ich die Studierenden berate und jemand anders sie dann benotet. Das
mache ich auch immer sehr deutlich. Meine Beratung ersetzt nicht den
Besuch der Sprechstunden der Lehrenden. Aber auch wenn ich nicht die
finale Ansprechpartnerin für inhaltliche Fragen bin, berate ich
dennoch beispielsweise bei Fragen zur Struktur einer Arbeit.
Ich biete auch Prüfungssimulationen an und gebe verschiedene Leitfäden
heraus. Bei zwei Infoveranstaltungen pro Semester fasse ich alles Wissenswerte
rund um die Abschlussprüfungen zusammen.
Mit welchen Fragen kommen Studierende zu Ihnen?
Die Themen reichen von „Wann soll ich mich prüfen lassen?“ über „Wie
und wo muss ich mich wann anmelden?“ und „Wie werde ich
rechtzeitig fertig, damit ich nicht noch ein Semester länger eingeschrieben
bleiben und Beiträge zahlen muss?“ bis hin zu „Bei
wem soll ich mich prüfen lassen und über welches Thema?“
Fragen wie die letztgenannte sind doch sicher schwierig zu
beantworten?
Die Entscheidung kann ich den Studierenden natürlich nicht abnehmen,
aber ich kann sie durch gezielte Fragen hinführen. Ich frage, was
für Seminare hast Du besucht? Was gefällt Dir? Manchmal ist
die Prüfungspanik so groß, dass solche vermeintlich einfachen Überlegungen
aus dem Blick geraten. Wenn sich dann Themen herausschälen, schaue
ich, wer sich unter den Dozenten damit befasst und schicke die Studierenden
da hin. Bei B.A.-Prüfungen ergeben sich auch schon mal Schnittstellen
mit dem zweiten Fach, die man bei der Themenauswahl berücksichtigen
kann. Manchmal ist auch jemand von einem bestimmten Dozenten so begeistert,
dass er sich unbedingt von ihm prüfen lassen will. Dann gucken
wir, welche Themen dieser Dozent bearbeitet.
Wenn man Ihnen so zuhört, hat man den Eindruck, dass Ihnen
die Arbeit als Mentorin richtig Spaß macht …
Von dem Job bin ich wirklich begeistert, weil ich nur positive Rückmeldungen
bekomme! Viele sind unheimlich dankbar für die Beratung, und ich
weiß von keiner Prüfung von jemandem, den ich vorher beraten
habe, die schlechter als mit zwei benotet wurde. Ich erleichtere den
Lehrenden die Arbeit, weil ich Grundsatzfragen beantworte, die sie dann
nicht mehr beantworten müssen. Und auch die Mitarbeiter des Prüfungsamts
sind froh, wenn sie nicht immer dieselbe Frage gestellt bekommen.
Wie sind Sie denn an den Job gekommen?
Die Stelle habe ich bekommen, nachdem ich mich auf eine Ausschreibung
beworben habe – dabei war sicher von Vorteil, dass ich vorher
bei der Organisation des Joint Degree Masterstudiengang Gender Studies
mit der Uni Graz (s. RUBENS 131, Anm. d. Red.) mitgearbeitet hatte
und daher mit Prüfungsordnungen sehr vertraut war. Die Stelle
wird immer für ein Semester befristet. Nebenbei schreibe ich
meine Doktorarbeit, das lässt sich gut vereinbaren. Die Beratung
macht zwar streckenweise viel Arbeit, vor allem, wenn ich selbst noch
recherchieren muss, um eine Frage beantworten zu können, aber
ich lerne dabei auch viel. Ich sehe den Studierendenkontakt und die
Beratungstätigkeit auch als schöne Vorbereitung zum Einstieg
in die Lehre, den ich später anpeile.
BU: Erleichtert Lehrenden die Arbeit, weil sie erste Grundsatzfragen
beantwortet: Mentorin Véronique Sina
Foto: Marion Nelle

