Dienstag, 07.11. um 18.00 und 20.30 Uhr
Forgotten Silver (OV)

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NZL 1996. R: Peter Jackson. B: Peter Jackson, Costa Botes. K: Alun Bollinger, Gerry Vasbenter. M: David Donaldson, Steve Roche, Janet Roddick. 53 Min. Vielleicht habt ihr schon mal von den europäischen Pionieren des Kinos, von Jean Louis Lumière oder den Gebrüder Skladanowsky gehört. Aber kennt ihr Colin McKenzie? Er ist sozusagen der "Lumière Neuseelands", ein fast vergessener Filmpionier, dessen Leben und Wirken sein Landsmann Peter Jackson, der Regisseur von MEET THE FEBBLES oder HEAVENLY CREATURES, in FORGOTTEN SILVER nachzeichnet. Es ist die Biografie eines Film-besessenen, der zumeist belächelt oder ignoriert wurde, da er z.B. für sein selbstentwickeltes Filmmaterial eher ungewöhnliche und wenig zukunftsträchtige Stoffe wie eine Eiweißemulsion verwendete. Durch ein Wanderkino bekommt der junge McKenzie Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Kontakt mit den bewegten Bildern und baut bereits mit 12 Jahren seine erste Filmkamera. Seine frühen Filmversuche stießen allerdings eher auf Unverständnis als auf ein staunendes Publikum, da er zwar früh auch mit der synchronen Aufnahme von Ton experimentierte, dieser aber aufgrund von McKenzies Interesse am asiatischen Kontinent vor allem ein, den Neuseeländern unbekanntes, chinesisches Sprachgewirr transportierte. So stießen weder Bilder noch Töne bei seinen wenigen Zuschauern auf Gegenliebe. Erst mit seiner Verfilmung von SALOME schien sich McKenzie aus seinem Schattendasein befreien zu können, als er unter mysteriösen Umständen starb und sein Meisterwerk verschwand. Die Wiederentdeckung einer Kopie von SALOME und deren Restauration und Galapremiere nimmt Peter Jackson zum Anlaß, das Leben von Colin McKenzie in neuinszenierten Bildern nachzustellen, da aus der damaligen Zeit lediglich mündliche Überlieferungen und das Filmmaterial von SALOME geblieben sind. Zusammen mit Bildern von der verspäteten SALOME-Premiere scheint Jackson damit auf eine Mischung aus inszenierten und tatsächlichen Aufnahmen zu setzten. Doch während die Eindrücke von den Premierenfeierlichkeiten austauschbar wirken und eher langweilig sind, liegt der Reiz von "Forgotten Silver" eindeutig in der liebevollen Nachahmung kleiner Details und der charmanten Nachstellung anekdotenreicher Ereignisse. Dabei lässt sich schon die Frage stellen, ob sein Film nicht doch mehr ein inszenierter Spielfilm nach überlieferten Gegebenheiten als eine Dokumentation ist. Zudem scheint Jackson an einigen Stellen zu leichten Übertreibungen und ironischen Spitzen zu neigen, wobei sich der Zuschauer fragen wird, was hier wahr und was hier vielleicht dem Mythos entsprechend eher hinzu gedichtet wurde. Eine cineastische Schatzsuche, die wie die allgemeine Geschichtsforschung am Ende mehr Fragen stellt, als sie im Film beantwortet werden. ST |
Dieser Film läuft in unserer Reihe "Wie inszeniert ist ein Dokumentarfilm?"