Brain Café - 2017

21.06.2017

Lebende (Hirn-)Tote? Philosophische Fragen zu Hirntodkriterium und Transplantationsmedizin

Alexa Nossek, Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum

Viele Menschen erklären sich zu Lebzeiten bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Doch wann ist der Mensch eigentlich tot und woran kann man es erkennen? Seit einigen Jahren wird intensiv über das Hirntodkriterium diskutiert. Manche Menschen haben diesbezüglich Zweifel. Im ersten Teil des Vortrags werden Hirntodkriterium und Nachweis des Hirntods medizinisch und rechtlich erklärt. Danach wird auf den Unterschied zwischen Todesbegriff (was heißt es, dass jemand tot ist?) und Todeskriterium (woran kann man erkennen, dass jemand tot ist?) eingegangen. Auch wird die Frage, inwieweit man sinnvoll sagen kann, dass hirntote Menschen wirklich tot sind, besprochen. Der dritte Teil des Vortrags beleuchtet die daraus folgenden ethischen Fragestellungen für die Praxis der Organtransplantation.

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17.05.2017

Wer ist der Bürgermeister von Wesel? – Esel Echounterdrückung im Hörsystem, ein wichtiger Bestandteil zur korrekten Sinneswahrnehmung.

Dr. Ida Siveke, Allg. Zoologie und Neurobiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum

Eine angeregte Unterhaltung auf einer Cocktailparty ist eine große Herausforderung für unser Hörsystem: Viele Schalleindrücke aus unterschiedlichen Quellen erreichen dabei das Ohr. Alle Schallquellen müssen gleichzeitig verarbeitet werden, um sie räumlich zu orten. Außerdem erzeugen Reflexionen an Wänden weitere Scheinbilder oder Echos. Unser Gehirn muss fähig sein, all diese Schallquellen zu trennen und Echos als solche zu erkennen. Neuronale Studien konnten zeigen, dass ein komplexer Schaltkreis im Hirnstamm, bestehend aus hemmenden und erregenden Nervenzellen, Echos unterdrücken und die relevanten Signale herausfilterten kann. Dieser Filterprozess ermöglicht eine schnelle und präzise Wahrnehmung, dank der wir auch unser Gegenüber auf der nächsten Party verstehen.

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26.04.2017

Einmal Gehirn und zurÜck: Ein Ausflug durch die theoretische Gehirnforschung

Dr. Fabian Schönfeld, Theory of Neural Systems, Institut für Neuroinformatik, Ruhr-Universität Bochum

Neurowissenschaft hat viele Gesichter: Anatomie, Psychologie, Biologie – Begriffe die wohl für jeden sinnvoll in der Realität verankert sind. In diesem Vortrag laden wir dazu ein, sich davon zu verabschieden und uns auf eine Tour durch die theoretischen Neurowissenschaft zu begleiten: Virtuelle Ratten, lernende Maschinen und Rechencluster sind unsere Werkzeuge, um zu verstehen wie das Gehirn aus sensorischem Chaos die verblüffenden Leistungen erzeugt, die wir tagtäglich als selbstverständlich akzeptieren.

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15.03.2017

Sind psychische Erkrankungen etwas spezifisch Menschliches? Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Menschen- und Tierseele

Prof. Dr. Martin Brüne, LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin

Bereits Charles Darwin beschäftigte sich mit der Frage, ob psychische Erkrankungen bei Tieren vorkommen und welche Faktoren dafür bedeutsam sein könnten. Obwohl wir Tiere nicht direkt nach ihrem Befinden fragen können, erlauben doch Verhaltensbeobachtungen und neurobiologische Untersuchungen gewisse Rückschlüsse darauf, dass sich ihre Stimmung und das Verhalten ähnlich dem von Menschen mit psychischen Erkrankungen verändern. Diese Parallelen macht sich etwa die pharmakologische Forschung zunutze. Es gibt aber auch viele Ausdrucksformen oder Symptome psychischer Erkrankungen des Menschen, die nicht bei Tieren simuliert werden können. Welche Rückschlüsse dürfen wir daraus ziehen? Verändert der Blick auf psychisch kranke Tiere unser Bild von Mensch und Tier? Gibt es für beide einen therapeutischen Nutzen dieser vergleichenden Perspektive?

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22.02.2017

Die Einführung Neurowissenschaftlicher Methoden als Wendepunkt in der Intelligenzforschung

Dr. Erhan Genc, Biopsychologie, Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum

Ein jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was Intelligenz ist und eine Meinung darüber, in wie weit die Intelligenz eines Menschen zu seinem Lebenserfolg beitragen kann. Dieser Vortrag beschreibt zunächst was wir unter Intelligenz verstehen und wie wir sie für Forschungszwecke messbar machen können. Anschließend wird dargestellt, welchen Einfluss genetische und umweltbedingte Faktoren auf die Intelligenz eines Menschen haben. Zum Schluss wird dann die Bedeutung neurowissenschaftlicher Methoden im Rahmen der Intelligenzforschung erläutert, hierzu werden verschiedene Forschungsmethoden sowie aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt. Der Zuhörer erhält auf diese Weise einen Eindruck davon in wie weit die strukturelle und funktionelle Architektur des Gehirns mit der Intelligenz eines Menschen in Verbindung steht.

25.01.2017

Das kranke Gedächtnis: Von Freud zu Alzheimer

Prof. Dr. Nikolai Axmacher, Neuropsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum

Gedächtnis und Erinnerung sind zentral für unsere autobiographische Identität; gleichzeitig gehören Gedächtnisstörungen zu den häufigsten neuropsychologischen Symptomen. Dieser Vortrag beschreibt zunächst die Funktion des gesunden Vergessens und geht dann auf pathologische Formen des Vergessens ein. Dabei wird deutlich, dass das Gedächtnis aus ganz verschiedenen Ursachen in Mitleidenschaft gezogen werden kann: Bei der Verdrängung autobiographischer Konflikte, nach dem Erleben psychischer Traumata und auf besonders dramatische Weise bei der Alzheimer-Erkrankung. Auch wenn das Gedächtnis eine fragile und leicht zu beeinträchtigende psychische Fähigkeit ist, besteht durch innovative Therapieverfahren zunehmend Anlass zur Hoffnung, dass auch komplexe Gedächtnisstörungen in der Zukunft behandelbar sein werden.

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