Brain Café - 2014

19.11.2014

Neuronale Plastizität und Selbstreparatur im erwachsenen Gehirn

Prof. Dr. Ulf Eysel, Institut für Physiologie, Abteilung für Neurophysiologie, Medizinische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum

Das Gehirn ist ein besonderes Organ. Klassischerweise galt es nach Abschluss seiner Entwicklung als unflexibel und irreparabel. Heute wissen wir, dass insbesondere die Hirnrinde die Fähigkeit besitzt, auf Verletzungen und vermehrte oder verringerte Nutzung mit ganz erstaunlicher Flexibilität zu reagieren. Diese neuronale Plastizität besteht von der Geburt bis ins Greisenalter und beruht auf gebrauchsabhängigen, flexiblen Veränderungen der Verschaltung in den komplexen neuronalen Netzwerken des Gehirns. Prof. Ulf Eysel gibt Beispiele für weitreichende Neuorganisation nach Schädigungen im Gehirn und stellt Erkenntnisse über zugrundeliegende Reparaturmechanismen, die mit modernsten Methoden gewonnen wurden, vor.

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22.10.2014

Woraus besteht "Information" und wie wird sie im Gehirn verarbeitet?

Prof. Dr. Simon Ebbinghaus, Physikalische Chemie II, Fakultät für Chemie und Biochemie, Ruhr-Universität Bochum

Der Vortrag beginnt mit einer molekularen Interpretation von Information die sich von den Lebenswissenschaften bis zur Informationstechnologie erstreckt. Anschließend wird diskutiert, wie Information auf der Erde und im Kosmos möglicherweise entstanden ist. Es folgt eine Zeit-reise wie sich Informationsspeicherung und Verarbeitung in Lebewesen entwickelt hat. Der Vortrag endet mit aktuellen Erkenntnissen zur Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn und möglicher Fehlfunktion.

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17.09.2014

Angst mit Licht abschalten: Science Fiction oder Realität?

Dr. Olivia Masseck, Allgemeine Zoologie und Neurobiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum

In den letzten Jahren hat die Optogenetik die neurowissenschaftliche Forschung geradezu revolutioniert. Sie stellt eine neuartige Verbindung von optischen und genetischen Methoden dar.

In unserem Gehirn werden Informationen durch elektrische Impulse oder durch chemische Botenstoffe vermittelt. Lichtempfindliche Proteine dienen den Forschern nun als Lichtschalter, um elektrische Impulse zu erzeugen, zu verhindern oder Signalwege von chemischen Botenstoffen an- oder abzuschalten. Die Optogenetik ermöglicht somit neuronale Schaltkreise mit einer nie dagewesenen zeitlichen und räumlichen Präzision zu kontrollieren. Sie verwandelt den Neurowissenschaftler erstmals vom passiven Beobachter zum aktiven Manipulator neuronaler Vorgänge. Schon heute können durch die Optogenetik im Tiermodell Parkinson Symptome gemildert, Rückenmarksverletzungen und Blindheit behandelt, die Insulinproduktion angeregt oder Angstverhalten verändert werden.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die verschiedenen optogenetischen Methoden und ihre Anwendung in der Forschung. Dr. Olivia Masseck stellt zudem anhand aktueller Forschungsergebnisse die Frage nach möglichen therapeutischen Anwendungen in der Zukunft.

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25.06.2014

Kopfschmerzen: Von der Volkskrankheit zu den Neurowissenschaften

Vortrag: Dr. med. Philipp Stude, M.A., Neurologische Klinik und Poliklinik, BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil

Lesung: Rafael Häusler (Herne), Buchautor, liest aus seinem Buch: "Schmerz frisst Seele – Leben mit Clusterkopfschmerzen"

Kopfschmerzen sind allgegenwärtig und werden bereits seit einigen tausend Jahren in der medizinischen Literatur beschrieben. Anfangs waren religiöse Sichtweisen Grundlage für pathophysiologische Erklärungen und für Therapieansätze. Dabei konnten einige der früheren Annahmen erst in der neueren Zeit durch die Neurowissenschaften bestätigt werden. Der Vortrag wird einen Bogen durch 4000 Jahre Kopfschmerzforschung spannen mit der verblüffenden Erkenntnis, dass manche Phänomene längst bekannt und beschrieben waren, bevor die Neurowissenschaften in den letzten Jahren diese erklärt haben. Begleitet wird der Vortrag durch eine Lesung aus dem Buch "Schmerz frisst Seele" des Autors Rafael Häusler.

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21.05.2014

Ceausescus Kinder – Das Schicksal rumänischer Heimkinder

Prof. Dr. Robert Kumsta, Genetic Psychology, Fakultät für Psychologie

Die "English and Romanian Adoptees (ERA) Study" untersucht seit den 1990er Jahren die Entwicklung von Adoptivkindern, die ihre ersten Lebensjahre in rumänischen Heimen des Ceausescu Regimes verbracht haben und anschließend nach England adoptiert wurden. Der Vortrag soll einen Überblick über die langfristigen psychologischen Folgen frühkindlicher Heimerfahrung geben. Die Auswirkungen institutioneller Heimerfahrung sind gekennzeichnet durch Defizite im Sozialverhalten, Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität, sowie intellektuelle Einschränkungen. Die Defizite sind über die Kindheit bis zur Adoleszenz und dem jungen Erwachsenenalter außerordentlich stabil. Mögliche psychobiologische Mechanismen, die dieser Stabilität zu Grunde liegen, werden diskutiert.

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30.04.2014

Multiple Sklerose: Erkennen, Verstehen, Behandeln!

Dr. med. Gisa Ellrichmann, St. Josef Hospital, Abteilung Neurologie und Zentrum für Klinische Forschung, Abteilung Neuroimmunologie, Neurodegeneration, Ruhr-Universität Bochum

Der Vortrag gibt einen überblick über die neurologische Erkrankung "Multiple Sklerose". Neben Erklärungen zur Entstehung und Erkennung der Erkrankung werden typische Beschwerden und klinische Verläufe beschrieben. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung über eine Auswahl aktueller Therapiemöglichkeiten. Der Vortrag ist nicht nur an MS-Erkrankte und deren Angehörige gerichtet, sondern an alle, die an diesem häufigen neurologischen Krankheitsbild interessiert sind.

19.03.2014

Hirnstimulation mit Fingerspitzengefühl - wie aus Grundlagenforschung ein Therapie-Handschuh für Schlaganfallpatienten wird.

PD Dr. Hubert Dinse, Neural Plasticity Lab, Institut für Neuroinformatik

Hirnstimulation mit Fingerspitzengefühl - wie aus Grundlagenforschung ein Therapie-Handschuh für Schlaganfallpatienten wird. Lernen ohne Training – geht das? Im Prinzip ja, zumindest was den Erwerb sensorischer und sensomotorischer Fähigkeiten angeht. Der Königsweg zum Erwerb neuer Fertigkeiten lautet üben, üben, üben. Regelmäßig ein Instrument zu spielen oder Blindenschrift zu lesen trainiert Motorik oder Tastsinn – und bewirkt Veränderungen im Gehirn. Vergleichbare Effekte können durch passive sensorische Stimulation ausgelöst werden. Der Vortrag erläutert, warum das funktioniert, und wie daraus Anwendungen entstehen, wie sie jetzt bei Schlaganfallpatienten zum Einsatz kommen.

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19.02.2014

Was leisten eigentlich Spiegelneurone?

Prof. Dr. Tobias Schlicht, AG Philosophie des Bewusstseins und der Kognition, Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft

Die Entdeckung von Spiegelneuronen Anfang der 90er Jahre erregte großes Aufsehen. Der Hirnforscher V. Ramachandran (San Diego) prognostiziert gar, 'dass die Spiegelneuronen für die Psychologie das sein werden, was die DNA für die Biologie war'. Das weckte auch bei Philosophen die Hoffnung, sie könnten auch der Schlüssel zur Lösung zahlreicher Probleme in der Philosophie des Geistes sein. Mittlerweile werden diese besonderen Neurone für allerlei verantwortlich gemacht, u.a. Handlungsverstehen, Empathie, Zuneigung, Imitation usw., wobei nicht immer klar ist, ob die Schlussfolgerungen auch durch die empirischen Untersuchungen gestützt sind. Daher soll hier ein kritischer Blick aus philosophischer Perspektive auf diese Alleskönner geworfen werden.

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22.01.2014

Psychische Störungen im Kindesalter - Schrittmacher für psychische Störungen des Erwachsenenalters?

Prof. Dr. Silvia Schneider, Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Ruhr-Universität Bochum

Etwa 20 % aller Kinder und Jugendlichen zeigen psychische Störungen wie Hyperaktivität, Angststörungen, Depressionen oder aggressive Verhaltensauffälligkeiten. Während über lange Zeit von einer Diskontinuität psychischer Störungen des Kindesalters ausgegangen wurde, liegen heute Studien vor, die belegen, dass psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen vergleichsweise stabil sind und das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung im Erwachsenenalter signifikant erhöhen. Das Kindes- und Jugendalter ist die Hauptrisikoperiode für die Entwicklung psychischer Störungen! Im Vergleich zu psychischen Störungen des Erwachsenenalters werden jedoch psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters deutlich weniger erforscht und es besteht ein schlechteres Angebot an evidenzbasierter Psychotherapie für Kinder und Jugendliche als für Erwachsene.

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