Brain Café - 2012

21.11.2012

Zen und Neurowissenschaften: Wenn Körper und Geist sich näher kommen.

Dipl. Phys. Sebastian Thomas Philipp, Neuroinformatik, LMU München & Ruhr-Universität Bochum

Meditative Praktiken sind seit Jahrtausenden in fast allen Kulturkreisen der Erde beheimatet; ihr gemeinsamer Kern ist eine präsente Lebenshaltung im Hier & Jetzt, ihre gemeinsame Übung ist das „Sitzen in der Stille“. Äußerlich passiert beim Meditieren eigentlich nichts, innerlich jedoch kann sehr viel passieren. Der Vortrag von Sebastian Philipp möchte vermitteln, dass innere Zustände während der Meditation das Potential haben, Lernprozesse im Gehirn auszulösen und, dass damit Meditation die Wahrnehmung von uns selbst und der Welt radikal verändern kann. Die Basis für den Vortrag bilden hierbei Forschungsergebnisse aus einem Kollaborationsprojekt der LMU München und dem Institut für Neuroinformatik der RU Bochum.

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24.10.2012

Auf den Hund gekommen: Neurogenetik

Prof. Dr. Jörg T. Epplen, Humangenetik, Medizinische Fakultät

Der „beste Freund des Menschen“, der Hund, kann ebenso wie Frauchen und Herrchen unter vielen verschiedenen Erbkrankheiten leiden. Je nach Rasse kommen sie beim Haustier sogar viel häufiger vor. Mit der Abklärung, welche Ursachen es für diese Krankheiten gibt, können nicht nur sogenannte Gen-Tests entwickelt werden, mit denen eine Rasse durch gezielte Zuchtwahl von einem Erbleiden befreit werden kann. Moderne Forschungsansätze lassen sogar tiefere Einblicke in die entsprechenden Krankheiten beim Menschen zu. Prof. Dr. Jörg T. Epplen zeigt dies in seinem Vortrag am Beispiel erblicher Sehstörungen auf. Dabei wird auch angestrebt, ganz neue Strategien der Behandlung von Erbleiden für Hund und Mensch zu entwickeln.

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19.09.2012

Mein linkes und mein rechtes Ich: Wie unsere beiden Hirnhälften zur Entwicklung eines Selbstkonzepts beitragen

PD Dr. Martina Manns, Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaften, Fakultät für Psychologie

Wenn wir über uns selbst nachdenken, so nehmen wir uns in der Regel als eine Person wahr: unser Ich, unser „Selbst“ erscheint uns nicht geteilt. Tatsächlich ist dies aber gar nicht selbstverständlich; schließlich haben wir zwei Hirnhälften, die sich in Struktur und Funktion unterscheiden und deshalb Informationen in unterschiedlicher Art und Weise verarbeiten und bewerten. So spricht die „Alltagspsychologie“ gerne von unserer rationalen linken und unserer emotionalen rechten Hirnhemisphäre. Hat dann vielleicht jede Hemisphäre ihr eigenes Konzept vom Selbst? Anhand aktueller Forschung aus den Kognitiven Neurowissenschaften wird der Vortrag von Martina Manns der Frage nachgehen, worin sich unsere Hirnhälften unterscheiden und wie sie dabei zur Entwicklung eines Selbstkonzeptes beitragen. Eine Reihe von faszinierenden, bizarren Phänomenen und Störungsbildern illustriert, dass das Bild von uns Selbst eine Interpretation des Gehirns ist, an welcher unterschiedliche Netzwerke der beiden Hirnhälften beteiligt sind.

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20.06.2012

Kontrolle des Gehirn durch Licht: Eine Revolution für Therapie und Forschung?

Prof. Dr. Stefan Herlitze, Allgemeine Zoologie und Neurobiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie

In den letzten 5 Jahren hat sich eine neue Forschungsrichtung etabliert, die sogenannte Optogenetik. 2010 kürte die international renommierte Fachzeitschrift Nature Methods die Optogenetik zur „Methode des Jahres“, die bisher undenkbare Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns verspricht. Die Optogenetik ermöglicht es Wissenschaftlern, neuronale Signalwege über Licht mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung zu steuern. Hierbei werden licht-aktivierte Proteine aus Algen, Insekten, Mäusen, Ratten und Menschen in spezifischen Gruppen von Neuronen eingebaut, um zum einen neue Funktionen der Neurone zu entdecken, aber auch um Prozesse zu steuern, die bei Krankheiten wie Rückenmarksverletzungen, Blindheit oder Parkinson geschädigt sind. In dieser Runde des Brain Cafès wird das Prinzip und die Entstehung der optogenetischen Techniken erklärt und die neuesten Entwicklungen von einem der Mitbegründer dieser Technik erläutert.

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23.05.2012

Die Macht der Gefühle: Positive Emotionen als Schutzfaktoren unserer Gesundheit

Prof. Dr. Jürgen Margraf, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fakultät für Psychologie

Die Idee ist alt, aber ist sie auch aktuell? Von der Bibel bis zum Dalai Lama wird auf die Bedeutung positiver Emotionen als Schutzfaktoren unserer Gesundheit verwiesen. Die Aussagen sind jedoch meist sehr allgemein gehalten und in der Regel nicht wissenschaftlich überprüft. Der Vortrag stellt zunächst die aktuelle Forschung zu positiven Emotionen, ihrer Entwicklung und ihrer gesundheitlichen Bedeutung dar. Neue epidemiologische Ergebnisse belegen, dass verschiedene Mechanismen der Entstehung von Gesundheit und Krankheit zugrunde liegen. Dabei sind positive Faktoren vor allem für die Remission von größter Bedeutung. Im zweiten Teil des Vortrages werden die bisher identifizierten Faktoren geschildert und die „Broaden and Build“-Theorie als Erklärungsansatz diskutiert, bevor praktische Empfehlungen für den Alltag gegeben werden.

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25.04.2012

Schönheit liegt im Hirn des Betrachters

Prof. Dr. Lars Kuchinke, Experimentelle Psychologie und Methodenlehre, Fakultät für Psychologie

Die aktuelle psychologische und neurowissenschaftliche Forschung kann zeigen, dass schöne Objekte anders im Hirn verarbeitet werden als weniger schöne. Interessanterweise scheint diese Verarbeitung stets auf eine Aktivierung emotionaler Schaltkreise im Hirn hinauszulaufen.
Der Vortrag von Lars Kuchinke möchte Einblicke in aktuelle Forschung und Theorien zur Wahrnehmung ästhetischer Objekte, deren Verarbeitung im Gehirn und den Bezug zu evolutionstheoretischen Ansätzen aufzeigen. Dabei wird zu klären sein, welche Definition von Schönheit in dieser Forschung zum Einsatz kommt, und ob diese etwas zu unserem Verständnis von Kunst und Kitsch beitragen kann.

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21.03.2012

Neurogenetik aus dem Labor in die Beratungspraxis

Dr. med. Andrea Epplen, Humangenetik, Medizinische Fakultät

Die Erkenntnisse über genetische Ursachen von Erkrankungen haben sich in den letzten Jahren rasant erweitert. Bei einer Vielzahl von Krankheiten und Entwicklungsstörungen des Gehirns konnten inzwischen zugrundeliegende genetische Veränderungen identifiziert werden. Dabei zeigt sich, dass die Gene oft eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen, zugleich aber nur eine Komponente in einem komplexen Zusammenspiel vielfältiger, zumeist noch unbekannter Faktoren darstellen. Der Vortrag gibt einen Einblick in Möglichkeiten und Grenzen genetischer Diagnostik und bezieht sich auf Erfahrungen aus der genetischen Beratung und Betreuung von betroffenen Familien in der humangenetischen Sprechstunde. Am Beispiel von Gentests bei der Huntington-Krankheit (erblicher Veitstanz) werden konkrete Auswirkungen auf die Lebenssituation von Betroffenen und mögliche ethische Konsequenzen dargestellt.

22.02.2012

Über die Irrationalität (zwischen-)menschlichen Verhaltens

Prof. Dr. Martin Brüne, Forschungsabteilung für kognitive Neuropsychiatrie und psychiatrische Präventivmedizin, LWL Universitätsklinikum Bochum

Die meisten Menschen sind vermutlich der Überzeugung, dass ihr Verhalten von Vernunft und Einsicht geprägt ist. Schaut man aber auf die immer turbulenteren Entwicklungen an Aktienmärkten und auf politischer Ebene, muss man sagen: Unser Verhalten ist keineswegs immer rational. Vor allem im Zwischenmenschlichen sind wir oft viel stärker von Gefühlen geleitet, als wir es uns eingestehen wollen. Gegenseitiges Vertrauen und Fairness sind uns meist wichtiger, als stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Diese scheinbare Irrationalität unseres Verhaltens liegt in unserer Stammesgeschichte begründet. Prof. Dr. Martin Brüne beleuchtet, warum das so ist, und warum wir rationalen Regeln folgendes Verhalten als „abnorm“ erleben.

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25.01.2012

Eine Lernmaschine entsheht: die Entwicklung des Gehirns

Prof. Dr. Petra Wahle, Entwicklungsneurobiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie

Die Entwicklung des Zentralnervensystems ist ein faszinierender Prozess, sowohl beim Menschen als auch beim Tier. Prof. Dr. Petra Wahle erklärt anhand von Beispielen einige Mechanismen der Nervenzellgeburt, der Nervenzelldifferenzierung und der Verschaltung von Gehirnzentren. Neurale Entwicklungsstörungen haben dabei für gewöhnlich schwere geistige Behinderungen zur Folge. Die Entwicklungsneurobiologin zeigt, welche Fortschritte es bereits in der Ursachenaufklärung für diese Störungen gibt und erläutert, wie tierexperimentell gewonnene Erkenntnisse der Neurophysiologie des unreifen Nervensystems helfen, frühkindliche Epilepsien erfolgreich zu bekämpfen.