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Förderung durch die


DFG

 

Sprecher:
Prof. Dr. W. Friederich
pix Willkommen auf der Homepage des SFB 526

"Rheologie der Erde - von der Oberkruste bis in die Subduktionszone"
 
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SFB 526» Forschung » Forschungsprogramm + Forschungsergebnisse (1999/2 - 2002/2 )

pix pix Forschungsprogramm

Sonderforschungsbereich 526: 

Rheologie der Erde –
von der Oberkruste bis in die Subduktionszone

Sonderforschungsbereiche (SFB) sind Förderungsinstrumente der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Grundlagenforschung an Universitäten. Ein Sonderforschungsbereich umfaßt eine Gruppe von Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen, die sich in der Regel an einer einzigen Universität zusammenfinden, um sich für eine Zeit von bis zu 12 Jahren einem bestimmten aktuellen und anspruchsvollen Forschungsthema zu widmen. Die Förderung erfolgt in Hinblick auf innovative Forschung mit qualitativ hochwertigen Ergebnissen innerhalb dieser interdisziplinären Konstellationen; sie ist einem strengen Begutachtungsverfahren unterworfen.

Der SFB 526 hat im Juli 1999 seine Tätigkeit an der Ruhr-Universität Bochum aufgenommen und konzentriert sich auf das mechanische Verhalten der Materialien der Erde in allen Maßstäben und unter den unterschiedlichsten Bedingungen von der Oberfläche bis in große Tiefen, wobei ein breites Spektrum an Methoden zum Einsatz kommt. Wissenschaftler aus den Bereichen Geophysik, Geologie, Kristallographie, Petrologie, Materialwissenschaften, Mechanik und Bauingenieurwesen (Grundbau und Bodenmechanik) kooperieren in 16 Teilprojekten, zusammengefaßt zu 4 Projektbereichen, mit intensiver Vernetzung und Wechselwirkung.

(Quelle: 1. Antrag 1999)

pix pix Forschungsergebnisse aus dem ersten Antragszeitraum

Sonderforschungsbereich 526: 

Wissenschaftliche Entwicklung des Forschungsbereichs
von 1999/2. Halbjahr -2002/1. Halbjahr

Das Thema des Sonderforschungsbereichs hat sich in der gegebenen Konstellation als sehr ergiebig erwiesen. Im ersten Antragszeitraum wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt (Ende 2001) eine Vielzahl von bemerkenswerten Ergebnissen erzielt, über die die untenstehende Auflistung von highlights einen Überblick gibt. Weitere interessante Resultate sind bis zum Ende des Antragszeitraums zu erwarten, da weder die Versuchsreihen noch die Auswertung der bereits vorliegenden Daten abgeschlossen sind. Die Ergebnisse wurden bislang auf einer Reihe von nationalen und internationalen Tagungen vorgestellt und ausführlich diskutiert. Einige Publikationen sind bereits erschienen, andere sind im Druck oder eingereicht (siehe Publikationen). Eine ganze Reihe weiterer Manuskripte befindet sich in einem fortgeschrittenen Stand der Vorbereitung und wird in den nächsten Monaten eingereicht. Grundsätzlich wird in internationalen Zeitschriften mit review-System und in englischer Sprache publiziert.

 

Im ersten Antragszeitraum wurde mit innovativen Ansätzen, methodischen und apparativen Neu- und Weiterentwicklungen eine Reihe von herausragenden Ergebnissen oder vielversprechenden Zwischenresultaten erzielt:

 

- Im KTB-Bohrloch wurde ein weltweit einmaliger Injektionstest zur induzierten Seismizität im Bereich des spröd-duktil Übergangs und zu den hydraulischen Eigenschaften der Kruste durchgeführt, wobei das daraus entwickelte konzeptionelle Modell Bedeutung für das Reservoir-Modelling sowohl von KW- als auch von Geothermie-Lagerstätten haben kann. In 90 Tagen wurden fast 3.000 seismische Ereignisse aufgezeichnet, von denen 237 hochauflösend lokalisiert werden konnten. Herdflächenlösungen wurden für die 125 stärksten Ereignisse bestimmt; die mittlere Hauptnormalspannung ist vertikal orientiert. Die zeitlich-räumliche Abfolge spiegelt eine fluidinduzierte Spannungsrelaxation in den betroffenen Bereichen wider. Multiplets lassen bei progressiv ansteigendem Fluiddruck auf mehrfach aktivierte Scherflächen schließen. Wie im Vorexperiment 1994 konnte im Bereich des Bohrlochtiefsten unterhalb 9.000 m keine Migration der Hypozentren zur Tiefe hin beobachtet werden, obwohl im Jahr 2000 über mehr als 60 Tage Wasser injiziert wurde. Innerhalb der in dieser Tiefe angetroffenen Gneise scheint tatsächlich der Spröd-Duktil Übergang erreicht zu sein, der tiefere Sprödbrüche verhindert. Allerdings wurden zwei Mikrobeben während des Experiments in Tiefen von 12 bzw. 15 km registriert, die auf lokale Spannungsanomalien hindeuten. Diese können im Zusammenhang mit den dort seismisch identifizierten Amphibolitkörpern interpretiert werden.
   
- Eine neue Software zum Modellieren von Krustendeformationen für geschichtete Halbräume wurde entwickelt, getestet und auf erste Datensätze angewandt. Sie ermöglicht die Behandlung punktförmiger und ausgedehnter Herde in einem Halbraum mit sehr vielen (z.B. 500) Schichten mit einem sehr schnellen neuen Algorithmus, der die numerischen Probleme älterer Verfahren vermeidet und sehr genau arbeitet. Das gleiche Verfahren wurde für die Behandlung inelastischer Schichten und damit für post-seismische Relaxationsprozesse angepasst und erfolgreich auf die in Chile mit GPS gemessenen Oberflächenverschiebungen angewandt. Es zeigt sich, dass die beobachteten Verschiebungen zwischen 1994 und 1996 mit post-seismischen Bewegungen erklärt werden können, die ihren Ursprung im Valdivia-Erdbeben am 22. Mai 1960 (MS=8,5; Mw=9.5) haben.
   
- In einem Naturbeispiel in exhumierten metamorphen Gesteinen wurden Indikatoren für eine ausgeprägt nicht-stationäre Verformung in der obersten Plastosphäre identifiziert. Dabei wurden kurzzeitig Differentialspannungs-Spitzen oberhalb von 0,5 GPa erreicht, einer bislang nicht für möglich gehaltenen Magnitude. Verschiedene neuartige mikrostrukturelle Kriterien für die episodische Verformung bei synseismischem Spannungsaufbau und postseismischer Spannungsrelaxation durch Kriechen wurden evaluiert.
   
- Ansätze zur numerischen Simulation des Aufbaus eines lokalen Spannungsfelds in der obersten Plastosphäre, bedingt durch die schlagartige Verschiebung an einer Störung mit einem großen seismischen Ereignis in der oberen Kruste, und der charakteristischen Längen- und Zeitskalen für die postseismische Spannungsrelaxation wurden erarbeitet (Gastwissenschaftlerin S. Ellis). Die entsprechenden Verformungs-Mechanismen und Randbedingungen wurden aus dem record exhumierter Krustenteile abgeleitet.
   
- Experimente an einer kurzfaserverstärkten Aluminium-Basis-Legierung geben Einblick in das Faser-Bruchverhalten beim Kriechen und bei schlagartiger plastischer Verformung. Entsprechende Gefüge sind in natürlich verformten Gesteinen verbreitet, wobei eine weitgehende Analogie im Bruchverhalten von Rutil-Fasern in plastisch verformten Quarz-Einkristallen gesehen wird. Die Gefüge sind potenziell als erhaltungsfähige Indikatoren für nicht-stationäre Verformung, mit starken durch Seismizität bedingten Fluktuationen in Spannung und strain-Rate, geeignet und damit von großem Interesse für die Analyse der Verformung im Bereich des krustalen Spröd-Duktil-Übergangs.
   
- Die Rissausbreitung in Gesteinen wurde erstmals im Labor-Maßstab mit Hochgeschwindigkeits-Techniken unmittelbar aufgezeichnet, mit Rissausbreitungs-Geschwindigkeiten von bis zu 1500m/s. Die Bruchenergien bzw. Bruchzähigkeiten laufender Risse liegen dabei (anders als in spröden Werkstoffen) signifikant, d.h. um den Faktor 4 bzw. 2 über den entsprechenden Rissinitiierungswerten. Der gemessene Verlauf der Bruchenergie in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit erklärt den für spröde Materialien ungewöhnlich langsamen Rissstart im Gestein.
   
- Das Entstehen von Scherfugenmustern in nichtbindigem Boden unter Extensionsbeanspruchung wurde erstmals im Experiment kontinuierlich mit einer Röntgendurchleuchtungstechnik beobachtet. Es wurde nachgewiesen, dass die Muster spontan bei relativ kleinen Dehnungen entstehen und auch bei zunehmender Dehnung kein Übergang von dem einmal eingeprägten Muster zu einem anderen System, z.B. durch Bilden zusätzlicher Scherfugen, stattfindet. Mit dem Versuchsaufbau wurden die Voraussetzungen für den Test verschiedener Hypothesen zum Einfluss von Materialeigenschaften und dynamischen Randbedingungen auf die Geometrie und Periodizität der Scherfugen geschaffen. Die bisher in der Literatur aufgestellten Vermutungen zum Einfluss von dynamischen Stoffparametern und Randbedingungen auf die Scherfugenmuster konnten nicht bestätigt werden.
   
- Die Skalenabhängigkeit der Materialeigenschaften ist in der Erdkruste aufgrund der enormen Bandbreite der interessierenden Längenskalen von besonderer Bedeutung. Neuartige Ansätze zur Entwicklung einer globalen Modellvorstellung für das geklüftete Gebirge wurden erarbeitet und werden weiter entwickelt.
   
- Warm-Mikroindentationsverfahren wurden erfolgreich zur Identifizierung aktivierter Gleitsysteme und zur Festigkeit im Bereich der Niedertemperatur-Plastizität eingesetzt. Zum Beispiel wurde festgestellt, dass die Festigkeit von Pyroxenen der Mischkristall-Reihe Diopsid-Jadeit im Feld der Plastizität in ähnlicher Weise mit der Zusammensetzung wie der Schermodul korreliert: Jadeit weist eine um ca. 30 % höhere Festigkeit als Diopsid auf.
   
- Für die gleiche Pyroxen-Mischkristallreihe verhalten sich die relativen Festigkeiten im Feld des Versetzungskriechens umgekehrt als im Feld der Plastizität. Die Festigkeit korreliert hier mit der Homolog-Temperatur T/Tm. Hochdruck-Deformationsexperimente an synthetischem und natürlichem Jadeit zeigten - im Einklang mit dem mikrostrukturellen record natürlicher Gesteine - eine wesentlich geringere Fließfestigkeit von Jadeit im Vergleich zu Diopsid. Eklogite sind also - entgegen verbreiteter Annahme - wohl keine hochfließfesten Gesteine. Die Festigkeit von Omphazit (Mischkristalle der Reihe Jadeit-Diopsid) ist von besonderer Bedeutung, da sie eine Obergrenze für die Scherspannungen zwischen den Platten in Tiefen von über ca. 50 km in Subduktionszonen liefert.
   
- Am Modellfall der Hellenischen Subduktionszone wurden grundlegende Erkenntnisse zum strukturellen Aufbau, zum isostatischen Gleichgewicht, zu den Materialeigenschaften in der Tiefe, zur Verteilung der Seismizität und zur Kinematik einer großen Zahl von seismischen Ereignissen gewonnen. Damit werden die Voraussetzungen zum Test verschiedener Hypothesen geschaffen, insbesondere der der weitgehenden mechanischen Entkoppelung zwischen Ober- und Unterplatte, der Existenz eines Subduktionskanals mit sehr niedrigviskosem Material, der geringen Festigkeit von bestimmten Krusten- und Mantelbereichen durch hohen Porenfluiddruck und der Verformung durch Lösungs-Fällungs-Kriechen. Die Identifizierung von Multiplets eröffnet Zugang zu episodischen Porendruck-Schwankungen und Transport-Prozessen im Bereich des forearcs.
   
- Weltweit erstmals durchgeführte Hochdruck-Experimente zu den Eigenschaften und zur Verteilung fluider Phasen in Systemen mit der Zusammensetzung natürlicher ultrahochdruckmetamorpher Gesteine zeigen, dass derartige Fluide abschreckbar sind. Die Zusammensetzung der Fluide als Funktion von Druck und Temperatur, ihr Volumenanteil und ihre Verteilung im Gestein sind damit bestimmbar. Das Vorherrschen kristallographisch kontrollierter Grenzflächen zwischen Fluid und Kristallen bedingt eine komplexe Geometrie des dreidimensional vernetzten Porenraums. Eine bei niedrigen Verformungsgeschwindigkeiten sehr geringe Festigkeit derartiger Gesteine unter UHPM-Bedingungen wird vorhergesagt, was für eine weitestgehende mechanische Entkoppelung der Platten in Tiefen von mehr als ca. 80 km spricht.
   
- Die Auswirkungen eines Subduktionskanals mit niedrigviskosem Material und einer progressiven Hydratisierung des hangenden Mantelkeils auf das Spannungsfeld und Zirkulationsmuster der Gesteine an konvergenten Plattengrenzen wurden in numerischen Simulationen studiert (Gastwissenschaftler T. Gerya). In diesen Modellen werden die P-T-Pfade und die Verformungsgeschichte der Gesteine aus verschiedenen Ausgangspositionen visualisiert und mit dem record natürlicher aus Subduktionszonen exhumierter Gesteine verglichen. Die weitreichende Konsistenz lässt darauf schließen, dass die Modellvorstellung eines Subduktionskanals realistisch sein könnte.
   
- Löslichkeit und Lösungskinetik gesteinsbildender Minerale unter Drucken von bis zu 5 GPa und bei Temperaturen von bis zu 800°C können nach Neuentwicklung und Optimierung eines mit hochpräzisen Sensoren ausgestatteten hydrothermalen Zellentyps nunmehr in einer Diamant-Stempel-Zelle untersucht werden. Die Ergebnisse erlauben die quantitative Behandlung von Fluid-Gesteins-Systemen bei der Simulation der Verformung durch Lösungs-Fällungs-Kriechen, insbesondere der Kinetik der Kornformakkomodation bei Fluid-unterstützem granularem Fließen unter UHP-Bedingungen.
   
- In-situ Beobachtung mittels neu entwickelter Phasenverschiebungs-Interferenzmikroskopie von Grenzflächen an Halit-Einkristallen bei der Verformung durch Lösungs-Fällungs-Kriechen liefert grundlegende Erkenntnisse zu den Prozessen, sowie zu Struktur und Transporteigenschaften der Grenzflächen. In Anbetracht der experimentellen Resultate stellt sich unter anderem die Frage, inwieweit Lösungs-Fällungs-Kriechen tatsächlich durch lokale spannungsinduzierte Gradienten im chemischen Potential getrieben wird, und nicht grundsätzlich im offenen System, möglicherweise getrieben durch episodische oder periodische Änderungen der Löslichkeit, abläuft.
   
- Durch neuartige Diffusionsexperimente an gesteinsbildenden Mineralen unter Einsatz von durch pulsed laser deposition erzeugten isotopisch angereicherten dünnen Schichten konnte am Olivin erstmals gezeigt werden, dass die Aktivierungsenergie für Volumendiffusion der langsamsten Spezies der aus Verformungsexperimenten gewonnenen Aktivierungsenergie für Versetzungskriechen entspricht. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Kalibration von Fließgesetzen und zur Kontrolle von aus Deformationsexperimenten gewonnenen Datensätzen. Dies ist ein Schritt in Richtung auf eine effiziente Vorgehensweise bei der Ableitung von Fließgesetz-Parametern für gesteinsbildende Minerale, auch für Mischkristalle und in Laborexperimenten nicht handhabbare Phasen, durch Kombination von verschiedenen Methoden.
   

(Quelle: Bericht - 2002)

pix pix Kontakt

Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik - SFB 526,
Geschäftszimmer NA 3/163- (Frau Schmidt)
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Telefon +49 (0)234 32 27448
Fax +49 (0)234 32 14181
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Letzte Änderung: 30.08.2007  | Ansprechpartner/in: Inhalt  | Autor: Dr. Brigitte Martin, 1999-2008