Gisela Smolka- Koerdt studierte Sprachen – heute ist sie Berufs- beraterin.
|
|
Vom Nibelungenlied zum Arbeitsamt
Gisela Smolka-Koerdt studierte Sprachen – heute ist sie Berufsberaterin
Gisela Smolka-Koerdt übersetzte als Schülerin freiwillig in ihrer Freizeit das Nibelungenlied aus dem Mittelhochdeutschen. „Sprachen faszinierten mich schon immer und mehr noch die Frage, wie Menschen denken und kommunizieren.“ Daher stand für sie auch nach dem Abitur fest: „Ich studiere Französisch und Spanisch.“ Als drittes Fach belegte sie außerdem Erziehungswissenschaften. Gisela studierte auf Lehramt, obwohl sie nicht Lehrerin werden wollte. „Aber der Magisterstudiengang war damals einfach zu unbekannt.“ Im Studium legte sie den Schwerpunkt auf Mentalitäts- und Kommunikationswissenschaft. Sie arbeitete als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl und promovierte mit der höchsten Auszeichnung „summa cum laude.“ Doch danach ging es ihr wie vielen Geisteswissenschaftlern: Sie fand keine Stelle in der freien Wirtschaft und an der Uni wollte sie auf Dauer nicht bleiben. „Ich war erst einmal arbeitslos und habe mich in verschiedenen Berufsbereichen ausprobiert.“ Schon bald vermittelte ihr das Arbeitsamt eine Stelle an der RUB. Sie baute das Projekt ‚Geisteswissenschaftler und Arbeitsmarkt’ auf. „Dies war sozusagen ein Vorgänger des Optionalbereichs und des Magisterreformmodells.“ Der neue Bereich sollte die Eingliederung der Geisteswissenschaften in die Wirtschaft vereinfachen und die Studierenden bei der Berufsorientierung unterstützen. „In diesem Zusammenhang lernte ich meine jetzigen Kollegen kennen.“ Es waren Berufsberaterinnen des Arbeitsamtes. Die Aufgabe reizte die junge Frau und sie bewarb sich. Die Bundesanstalt für Arbeit stellte sie ein. Gisela absolvierte eine spezielle Fortbildung für Berufsberater an der Fachhochschule des Bundes. „Die dauerte ein Jahr und spezialisierte mich in Beratungstechniken und Berufskunde.“
Gisela Smolka-Koerdt arbeitet heute als Berufsberaterin für Abiturienten beim Bochumer Arbeitsamt. Gymnasiastinnen und Gesamtschüler ab 16 Jahren kommen zu ihr in die Sprechstunde. „Ich gehe aber auch in die Schulen und betreue die jungen Leute vor Ort.“ Auch Erwachsene, die ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen oder ohne Abitur an einer Fachhochschule studieren möchten, suchen Rat bei ihr. „Das Spannende ist, dass ich mich immer wieder auf neue Persönlichkeiten und neue Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt einstellen muss.“ Natürlich gibt es auch Frustmomente im Beruf. „Wenn ein Schüler keinerlei Interessen hat, wird es schwierig.“ Nicht nur die Persönlichkeiten sind unterschiedlich, auch die Geschlechter reagieren verschieden. „Jungs lassen sich mit der Berufswahl in der Regel mehr Zeit.“ Für sie komme häufig erst der Wehr- oder Zivildienst und daher würden sie mit der Berufsfindung oft noch warten. „Doch dann wird die Zeit plötzlich knapp, und sie wissen noch gar nicht, was sie werden wollen.“ Insgesamt gefällt Gisela Smolka-Koerdt ihr Beruf sehr gut. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die berufliche Zielfindung gar nicht so einfach ist. Dabei helfen zu können, macht mich zufrieden.“
|