Neurowissenschaftlerin
 
   
Heute erforscht Denise Manahan-
Vaughan als Professorin das Gedächtnis.

Schon mit neun Jahren wollte sie Wissenschaftlerin werden

Heute erforscht Denise Manahan-Vaughan als Professorin das Gedächtnis

Denise Manahan-Vaughan wuchs in Dublin, Irland auf. Ihr Kunstlehrer entdeckte in ihr ein Talent, dass er gerne auf eine Kunstschule schicken wollte. Doch die Schülerin hatte sich seit ihrem neunten Lebensjahr etwas anderes in den Kopf gesetzt. „Ich wollte Wissenschaftlerin werden.“ Anlass war der Tod einer Freundin der Mutter. „Sie starb an Krebs und ich dachte, dass man ihr hätte helfen können, wenn die Forschung nur schon so weit gewesen wäre.“ Forschen wollte also die kleine Denise und damit Menschen helfen. Auch ihre Eltern konnten sie nicht von dieser Idee abbringen. „Sie hielten meinen Berufswunsch für eine unvernünftige Idee.“ Eine Seelenverwandte fand sie in ihrer Tante Anna Manahan. Die ist eine bekannte irische Schauspielerin und hatte ihren Berufswunsch auch gegen ihre Eltern durchgesetzt. „Sie verstand mich und bestärkte mich in meinem Wunsch Wissenschaftlerin zu werden.“ Die Alzheimererkrankung ihrer Großmutter bekräftigte endgültig ihren Herzenswunsch. Denise dachte zuerst daran Neurochemikerin zu werden, lernte dann aber die Neurophysiologie kennen. An der Universität von Dublin schrieb sie sich für das Fach ein. Der Tutor Roger Anwyl begeisterte sie von Anfang an für die Neurophysiologie. Er leitete ein Forschungsprojekt an der Uni, an dem auch die junge Irin teilnahm. „Seit dieser Zeit war mir klar, was ich werden wollte.“ Ihre Doktorarbeit in Neuropharmakologie schrieb sie bei Prof. Michael Rowan. „Er motivierte mich sehr stark und beeinflusste meine Art zu forschen.“ Denise Manahan plante danach einen Forschungsaufenthalt in den USA. „Doch der dafür notwendige Papierkram nahm so viel Zeit in Anspruch, dass ich während der Bearbeitungszeit meiner amerikanischen Arbeitserlaubnis die Gelegenheit ergriff nach Deutschland zu kommen.“ Sie wirkte in der Zeit nach der Wende in Magdeburg in einem Projekt mit. „Wir untersuchten die Wirkung von Glutamat auf das Gehirn.“ Die Arbeit war so spannend, dass die Wissenschaftlerin ihren Aufenthalt verlängerte. „Schließlich sagte ich in den USA ab.“ Sie suchte sich einen Mentor, fand ihn in Prof. Hans-Christian Pape an der Otto-von-Guericke Universität, Magdeburg und habilitierte sich. „Dann erhielt ich die Chance an der Charité (Uniklinikum) in Berlin zu arbeiten.“ Denise Manahan-Vaughan wurde jedoch schwanger. Sie wollte ihrem zukünftigen Arbeitgeber gegenüber ehrlich sein und fragte, „ob sie mich denn unter diesen Umständen noch einstellen wollten.“ Sie wollten. Als junge Mutter ging sie nach den zwei Monaten Mutterschutz zurück in den Beruf. Die Betreuung ihres Sohnes teilte sie sich mit ihrem Mann, der noch in Magdeburg arbeitete, bis sie eine Kita-Stelle hatten. „Bald darauf fand mein Mann auch eine Stelle in Berlin und ich wurde ein zweites Mal schwanger.“ Ihre Tochter kam zur Welt. „Nach einer Weile wollte ich meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt testen und bewarb mich auf verschiedene Professuren.“ Sie wurde mehrfach eingeladen und entschied sich für eine Professur in Neurowissenschaften an der RUB.
Seit April 2003 lehrt und forscht Denise Manahan-Vaughan an der Medizinischen Fakultät der RUB. Dort leitet sie die Arbeitsgruppe „Learning and Memory Research.“ Außerdem ist sie Direktorin und Studiendekanin der „International Graduate School of Neuroscience“ an der Universität. In diesem Fachbereich erhalten Absolventen unterschiedlicher Studiengänge wie zum Beispiel Biologie, Mathe oder Physik, die Chance Neurowissenschaften zu studieren und innerhalb von drei Jahren zu promovieren. Jede Fachrichtung hat andere Voraussetzungen und Vorkenntnisse, „daher ist es eine meiner Aufgaben, die Kurse für die Studierenden aus jedem Fachbereich maßgeschneidert zu koordinieren.“ Als Professorin forscht sie hauptsächlich im Bereich der Lern- und Gedächtnisvorgänge. „In einer Arbeitsgruppe mit zehn Leuten untersuchen wir, wie sich ein Gedächtnis bildet und wie Informationen weitergeleitet werden.“ Ganz wichtig sei dabei der Einfluss von Stress und anderen Emotionen. Bei Tieren werde außerdem untersucht, wie sich Krankheiten (Epilepsie oder Schizophrenie) auf diese Prozesse auswirken. In den Labors werden Versuche durchgeführt, in denen Ratten einer bestimmten Situation ausgesetzt werden. „Da wird zum Beispiel das Futter versteckt und wir beobachten, wie sie den Weg zum Futter finden.“ Die Ratten merken sich den Weg und finden ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder.



TIPP
„Schülerinnen sollten ihrem Traum vom Beruf folgen und sich nicht beirren lassen. Wichtig ist es, Hilfe in Anspruch zu nehmen und Rat bei Frauen zu suchen, die das Wunschstudium schon absolviert haben oder in dem Traumberuf schon tätig sind. Frauen müssen nicht unbedingt zwischen Beruf und Kindern wählen. Sie können beides haben.“
Zur Person:

Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan
Professorin für Neurowissenschaften an der International Graduate School of Neuroscience, RUB
Alter: 38
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