Gärtnerin
 
   
Anke Leitner hegt und pflegt die bunte Vielfalt im Botanischen Garten.

Jäten, Säen und Pflanzen

Anke Leitner hegt und pflegt die bunte Vielfalt im Botanischen Garten

Anke Leitner wuchs mit ihren zwei Geschwistern bei ihrer Mutter auf. „Als Alleinerziehende hatte sie nicht viel Geld.“ Daher konnte das Mädchen kein Abitur machen und ging nach der zehnten Klasse von der Schule ab. „Damals habe ich mich sehr über einen Ausspruch meines Opas geärgert.“ Denn der meinte, „du heiratest ja sowieso mal und brauchst kein Abitur.“ Anke hätte aber gerne den Schulabschluss gemacht. Da sie sich immer schon für Pflanzen interessierte, dachte sie daran Gärtnerin zu werden. „Aber das war für eine Frau nicht so einfach.“ Ein typischer Frauenberuf in dieser Sparte wäre Floristin gewesen. „Das war aber nicht das, was ich wollte.“ Anke hatte mit einigen Vorurteilen zu kämpfen, bis sie eine Lehrstelle bekam. „Auch meine Mutter war nicht begeistert von meinem Berufswunsch.“ Die Arbeit als Gärtnerin sei doch auch körperlich zu anstrengend, meinte sie. 1981 klappte es endlich. An der RUB bekam die junge Frau einen Ausbildungsplatz als Gärtnerin. Die Lehrzeit dauerte zwei Jahre.
Heute arbeitet Anke Leitner im Botanischen Garten der RUB und ist sehr zufrieden. „Mich fasziniert die Vielfalt der Pflanzen.“ Neben Zierpflanzen, die jeder aus seinem Garten kennt, pflanzt sie auch seltene Exemplare. „Einige davon stehen im Gewächshaus, andere in unseren Beeten an der frischen Luft.“ Mehrere 1000 Pflanzen bevölkern die Grünflächen des Botanischen Gartens. Die meisten werden im Mai gepflanzt. „Danach hegen und pflegen wir sie, damit sie wachsen und gedeihen.“ Im Alltag bedeutet das: umgraben, jäten, säen und gießen. Das ist auch schwere körperliche Arbeit. „Nach so einem Arbeitstag tut mir auch schon mal der Rücken weh.“ Schön an dieser Arbeit ist, „zu sehen, wie etwas wächst, das man selbst gesät hat.“ Das bedarf schon einer intensiven Pflege. „Auch am Wochenende muss immer jemand da sein und auf die Pflanzen achten.“ Und nicht nur auf die Pflanzen. „Auch die Wege des Gartens müssen sauber gehalten werden, damit sich die Besucher wohl fühlen.“ In den Gewächshäusern finden die Besucherinnen Pflanzen, die in unserem Klima nicht im Freien gedeihen. Dazu gehören wasserspeichernde Pflanzen aus den Trockengebieten Afrikas und Amerikas. Im Tropenhaus wachsen außerdem Bäume und Kräuter der Regenwälder, sowie Sumpf- und Wasserpflanzen. Hier laufen und fliegen auch verschiedene Vogelarten herum: Kolibris, Tukane und Nektarvögel. In der Abteilung Nutzpflanzen haben die Gärtner Pflanzen zusammengestellt, die als Nahrungsquelle für Mensch und Tier dienen oder für den Handel und das Gewerbe wichtig sind: Gerber- und Färberpflanzen, Fasern und Öl liefernde Pflanzen oder Gewürzkräuter. Mit anderen Botanischen Gärten tauschen sich die Fachleute aus Bochum regelmäßig aus. „Meine Kollegen und ich katalogisieren die Bestände.“ Samen werden in Tüten aufbewahrt und archiviert. „Im Winter sehen wir uns die Kataloge der anderen Gärten an und wählen aus, was wir davon bei uns anpflanzen wollen.“

 



TIPP
„Schülerinnen sollten sich nicht in einen Beruf drängen lassen, der ihnen keinen Spaß macht. Es ist nicht entscheidend, dass man in einem Beruf viel Geld verdienen kann. Das Finanzielle sollte nicht ausschlaggebend bei der Berufswahl sein.“
Zur Person:

Anke Leitner,
Gärtnerin im Botanischen Garten, RUB
Alter: 38
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