Bibliothekarin
 
   
Erdmute Lapp setzt sich für eine moderne Uni-
Bibliothek ein.

Der Weg ist das Ziel


Erdmute Lapp setzt sich für eine moderne Uni-Bibliothek ein

„Schon früh konnte ich mir vorstellen, einmal eine Bibliothek zu leiten.“ Der Vater war Manager eines großen Postamtes, die Mutter und die Großmutter waren beide Bibliothekarinnen. „Eine Bibliothek hinterließ bei mir schon als Kind einen tiefen Eindruck. Die Bibliothekare wussten immer, wo alles steht und fanden für mich die besten Titel.“
Bevor Erdmute Lapp anfing zu studieren, sammelte sie viel Auslandserfahrung. „Mit der Familie fuhren wir mehrmals nach Schottland in den Urlaub.“ In Frankreich verbrachte sie alleine Sprachferien. Zu ihren Lieblingsfächern in der Schule zählten sämtliche Sprachen: Englisch, Latein, Französisch und Russisch. Naheliegend war also, dass sie auch ähnliche Studienfächer wählte: Amerikanistik, Anglistik, Slavistik sowie Pädagogik. Sie studierte nicht nur in Deutschland (Hamburg), sondern ging auch in die USA (Indiana) und mit einem Stipendium für ihre Promotion nach Russland (Moskau). „Ich hätte mir auch eine Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Auslandsdienst vorstellen können.“ Doch dann bekam sie eine Referendariatsstelle in der Universitätsbibliothek Heidelberg angeboten. „Ich merkte sofort, dass Bibliothekarin mein Beruf ist. Meine Eltern, meine drei Geschwister und auch meine Freunde haben mich immer unterstützt.“ Während des zweijährigen Bibliotheksreferendariats lernte sie alle Abteilungen kennen. Damals gab es die ersten Computerkataloge auf Microfiche. „Im zweiten Jahr der Ausbildung ging ich nach Frankfurt, weil die Bibliotheksschule eine gute EDV-Ausbildung hatte.“ Schon damals interessierte sie sich dafür, wie man eine Bibliothek benutzungsfreundlicher machen kann. Sie selbst hat noch ein abschreckendes Beispiel vor Augen: „In einer Bibliothek musste man damals nach der Bibliothekarin klingeln, und die ließ einen spüren, dass man sie stört.“ Am Anfang ihrer Karriere hat Erdmute Lapp überregionale Bibliotheksplanungsprojekte durchgeführt. Nachdem sie sieben Jahre lang in Jülich stellvertretende Bibliotheksleiterin war, meinte sie: „Jetzt könnte ich auch selbst eine Bibliothek leiten.“ Sie bewarb sich in Bochum.
Seit sieben Jahren leitet sie die Unibibliothek der RUB. Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die UB. Zuerst hatte sie es schwer, denn „da gab es einige Mitarbeiter, die keine Veränderungen wollten.“ Inzwischen ist eine moderne UB entstanden. Zunächst wurde das UB-Gebäude vernetzt und an das Campusnetz angeschlossen, dann wurde nach und nach die Bochumer Digitale Bibliothek mit einem breiten Angebot an elektronischen Informationen für Natur- und Geisteswissenschaften aufgebaut. Auch die Kataloge wurden als WEB-Angebot zugänglich gemacht. Vorher musste man in die UB kommen, um Titel in einem Katalog nachzuschlagen. Jetzt können von jedem PC auf dem Campus und auch von zu Hause alle Kataloge der RUB abgerufen werden. Seit 1999 gibt es zahlreiche RUB-Dissertationen im Internet.
Die kontinuierliche Verbesserung der Servicequalität ist Erdmute Lapps größtes Ziel. Dazu gehört auch die Betreuung der Mitarbeiter. „Es ist wichtig für sie zu wissen, dass jemand da ist, der ihnen helfen kann, wenn sie sich gerade in ein neues Gebiet einarbeiten.“ Team-Besprechungen finden regelmäßig statt. Zusätzlich unterrichtet die Direktorin auch im Optionalbereich der RUB den Kursus „Informationskompetenz in Zeiten des Internet.“
Und die Freizeit? „Zuerst konnte ich nicht zwischen Beruf und Privatleben unterscheiden; alles ging ineinander über, und ich arbeitete auch meistens am Wochenende.“ Doch in Bochum lernte sie, wie wichtig auch die freie Zeit zur Erholung ist. Yoga gehört dazu. „An den Wochenenden fahre ich oft mit meiner Yogagruppe nach Belgien oder Holland.“



TIPP
„Auslandserfahrungen sind wertvoll. Nehmen Sie die Möglichkeiten wahr. Auch die Projektarbeit halte ich für eine wichtige Chance zu zeigen, dass man selbstständig arbeiten kann.“
Zur Person:

Dr. Erdmute Lapp,
Direktorin der Universitätsbibliothek der RUB
Alter: 48
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