Isolde Karle studierte Theologie auf Pfarramt – heute ist sie Professorin an der RUB.
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Engagierte Eltern motivierten sie
Isolde Karle studierte Theologie auf Pfarramt – heute ist sie Professorin an der RUB
„Ich komme aus einem frommen Elternhaus“, sagt die Professorin. Sie meint, „das war nie abschreckend.“ Die Familie sei ganz normal und natürlich, eben nur religiös. Die Schule, die fand Isolde Karle allerdings eher abschreckend. „Von der Grundschule aus kam ich nur knapp ins Gymnasium.“ Und auch dort hat es ihr nicht sonderlich gefallen. „Die Leute waren mir zu oberflächlich und ich lag auf Grund meiner Religiösität einfach nicht im Trend.“ Deutsch, Geschichte und Religion waren ihre Lieblingsfächer. Sie wollte eigentlich Theologie auf Lehramt studieren, „aber der Fachbereich war an der Uni so überlaufen.“ Sie studierte in Tübingen auf Pfarramt, obwohl sie nicht vor hatte Pfarrerin zu werden. „Theoretisch kann man dann auch eine Fakultätsprüfung zum Abschluss machen.“ Praktisch wurde sie jedoch Pfarrerin. „Je länger ich studierte, desto besser gefiel mir das Pfarramt.“ Während eines Seelsorgepraktikums in einer Klinik begeisterte sie sich für die Seelsorge. „Es tut gut zu spüren, Menschen in existentiellen Lebenslagen beistehen zu können.“ Sie setzte ihre Studien auch in Cambridge (Massachusetts, USA) fort und lernte an der Harvard Divinity School feministische Theologie kennen. Wieder zurück in Deutschland machte sie Examen und promovierte daraufhin mit der Bestnote „summa cum laude.“ Als Pfarrerin in Reutlingen (Württemberg) war sie in einer engagierten Gemeinde tätig. „Das war eine bereichernde Erfahrung.“ Doch einige ihrer Kollegen in diesem Beruf gefielen ihr weniger. Sie nahmen sich selbst und ihre persönlichen Meinungen und Vorlieben ihrer Ansicht nach zu wichtig. Diese Tatsache inspirierte sie zu ihrer Habilitationsschrift „Professionalität im Pfarrberuf.“ An der Uni lernte sie ihren Mann kennen, der auch Pfarrer ist und nebenher an der Uni lehrt. Nachdem sie ihr erstes Kind bekam, bewarb sie sich um die Professur in Bochum. „Eigentlich wollte ich nur mal ausprobieren wie so was läuft.“ Sie dachte gar nicht daran, dass das klappen könnte. Doch die erste Bewerbung, die sie überhaupt schrieb, hatte Erfolg. „Mein Mann bestärkte mich darin, die Stelle anzunehmen.“
Seit November 2001 ist Isolde Karle Professorin für Evangelische Theologie am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der RUB. „Das Studium an meinem Fachbereich deckt drei Bereiche ab: Seelsorge-, Gottesdienst- und Predigtlehre.“ Darüber hinaus beschäftigt sich die Professorin in der Forschung zurzeit vor allem mit dem Thema: Wie ist Religion zu definieren? „Für viele ist schon das Fußballspiel im Stadion Religion.“ Aber auch die Frauenforschung und Fragen nach dem Verständnis der modernen Gesellschaft zählen zu ihren Forschungsschwerpunkten. Isolde Karle ist einige Tage in der Woche an der RUB, dann pendelt sie wieder nach Stuttgart zu ihrer Familie. Für die Betreuung der zwei und drei Jahre alten Kinder ist tagsüber in Krippe und Kita gesorgt. Ihr Mann arbeitet als Pfarrer viel zu Hause und übernimmt in ihrer Abwesenheit die Hauptverantwortung für die Kinder. „Ein Au-pair-Mädchen hilft uns außerdem im Haushalt ... Ich hätte gerne vier Kinder, aber das Klima in Deutschland ist nicht gerade kinder- und frauenfreundlich.“ Europäische Nachbarländer seien in dieser Hinsicht viel weiter. „Eine berufstätige Mutter ist dort selbstverständlich.“ Außerdem werde die Kinderbetreuung dort besser geregelt. Im Arbeitsalltag in Bochum schafft sie die Vorbereitung ihrer Lehrveranstaltungen nicht. „Die Lehre selbst und die Beratung von Studierenden nimmt mich voll und ganz in Anspruch.“ In Stuttgart hat sie dafür mehr Ruhe. „Freizeit gibt es für mich im Augenblick nicht. Solange die Kinder so klein sind, bin ich nur für sie und meine Arbeit da. Urlaub ist für mich im Moment aber auch nicht so wichtig.“
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