Astronomin
 
   
Susanne Hüttemeister übernahm nicht den Laden ihrer Eltern - sie studierte Astronomie.

Sterne statt Schuhe

Susanne Hüttemeister übernahm nicht den Laden ihrer Eltern - sie studierte Astronomie

Verwandte meinten, sie solle unbedingt Medizin studieren, weil sie ihr Abitur mit 1,0 abschloss. Susanne Hüttemeister interessierte das Fach aber überhaupt nicht. Stattdessen „hat mich die Astronomie immer schon fasziniert.“ In der Schule wählte sie Physik als Leistungskurs. Die Studienwahl fiel ihr daher nicht schwer. Sie studierte Physik und Astronomie. Die Eltern hatten nichts dagegen. „Obwohl wir einen Schuhladen in der dritten Generation besaßen, überließen sie mir die Entscheidung.“ Susanne besuchte die Bonner Universität. „Dort gab es ein besonders breites und gutes Angebot an astronomischen Veranstaltungen.“ Nach ihrem Diplom erhielt sie ein Promotions-Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. „Die Promotion führte ich am Max-Planck-Institut durch.“ Für das Stipendium wurde Susanne Hüttemeister vorgeschlagen. „Dort kann man sich nicht selbst bewerben.“ Zusammen mit ihrem Freund gab sie den ersten Newsletter für Astronomie und Raumfahrt in Deutschland heraus. „Nach meiner Promotion ging ich dann in die USA.“ Am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge setzte sie ihre Studien fort. Zurück in Deutschland erhielt sie ihr zweites Stipendium. Diesmal von der Görres-Gesellschaft in Köln. „Ich habilitierte mich und kam dann nach Bochum an die RUB.“
Seit 2001 lehrt und forscht Susanne Hüttemeister als Hochschuldozentin an der Fakultät für Physik und Astronomie an der RUB. An einem typischen Tag hält sie morgens von 8 bis 10 Uhr ihre Vorlesung. Nachmittags sieht sie ihre Studierenden in Arbeitsgruppen wieder. „Da geht es dann praktischer zu.“ In den Vorlesungen hält sie einen Vortrag und erklärt die Theorie. „Zwischenfragen kommen da selten, das heißt für mich, eineinhalb Stunden am Stück reden.“ In den Arbeitsgruppen können die Studierenden dann ihr Wissen erproben. „Hier lerne ich die Leute dann auch besser kennen.“ Darüber hinaus gehört die Forschung zu ihren täglichen Arbeiten. „Das bedeutet hauptsächlich Daten am Rechner auszuwerten.“ Am Teleskop steht Susanne Hüttemeister inzwischen seltener.
„In Deutschland ist das Wetter zu schlecht und die Berge sind für große Sternwarten zu niedrig. Daher können wir an der Uni auch gar nicht die Ausrüstung für größere Beobachtungen am Himmel haben.“ Daher muss das Institut Anträge bei Beobachtungsstationen stellen. „Wenn unser Projekt gut beurteilt wird, bekommen wir eine bestimmte Zeitdauer genehmigt.“ Aber selbst dann steht die Dozentin nicht immer selbst am ‚Rohr’. „Häufig gebe ich einen Plan mit Beobachtungswünschen ab.“ Fachleute vor Ort führen die Beobachtungen in Ihrem Fall auch oft mit Hilfe von Radioteleskopen, die wie riesige Satellitenschüsseln aussehen, durch. Die Wissenschaftlerin erhält dann die Angaben zur weiteren Verarbeitung und Auswertung zugeschickt. Am meisten interessiert sich die Astronomin für Gase, aus denen Sterne entstehen können. Ihre Berechnungen und Auswertungen erledigt Susanne Hüttemeister gerne abends. „Wenn ich Kinder zu versorgen hätte, wäre das wohl nicht mehr möglich.“ Im Moment kann sie sich ihre Zeit jedoch gut einteilen. „Mein Freund ist Wissenschaftsjournalist und oft unterwegs.“

 



TIPP
„Schülerinnen sollten sich nicht davon abhalten lassen einen Beruf zu ergreifen, nur weil ihre Umgebung ihn für unüblich hält. Sie sollten das machen, was sie selbst wollen. Schließlich befasst man sich die meiste Zeit seines Lebens mit dem Beruf. Schülerinnen sollten bei ihrer Wahl die Naturwissenschaften nicht von Anfang an ausschließen, weil sie denken, dass sie für Frauen nicht geeignet sind.“
Zur Person:

Dr. Susanne Hüttemeister,
Hochschuldozentin am Lehrstuhl für Physik und Astronomie, RUB
Alter: 40
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